Sommerbildschule

Aus Schleswig zur Kunstschule nach Sonderburg: Zeichnen und Dänisch lernen

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Die zehnjährige Mia fährt jeden Tag aus Schleswig nach Sonderburg, um an der Sommerkunstschule teilzunehmen.

In den Sommerwochen besuchen Kinder und Jugendliche die Kunstschule Nordschleswig in Sonderburg. Mia und Marie-Louise kommen aus Schleswig und Flensburg, die eine ist Dozentin, die andere Schülerin.

Kreative Pause in den Räumen der Kunstschule Nordschleswig: Die Kinder im Kunstraum legen die Wachsmalstifte zur Seite und greifen zur Brotdose. Eine Dreiviertelstunde ruhen die unfertigen Kunstwerke, dann geht es für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Sommerbildschule weiter mit zeichnen, ausmalen und lernen.

Die zehnjährige Mia kommt aus der Nähe von Schleswig. Dort besucht sie die dänische Schule und weil sie beim Kurs in Sonderburg täglich stundenlang Dänisch spricht, durfte sie zwei Wochen Unterricht gegen zwei Wochen Kunstschule tauschen.

„Ich spreche hier mit den anderen Dänisch und so lerne ich die Sprache, während ich zeichnen und malen kann“, sagt die Elfjährige. Ihre Eltern fahren sie täglich von Schleswig nach Sonderburg. „Es ist schon das zweite Mal, dass ich hier mitmache. Hier lerne ich neue Sachen, aber ich kann mich auch einfach ausprobieren und das macht mir richtig viel Spaß.“

Ebenfalls aus Deutschland, und zwar aus Flensburg (Flensborg), reist täglich Marie-Louise Buchholz ins Multikulturhaus an. Die gebürtige Nordschleswigerin ist Dozentin an der Kunstschule. 2007 nahm sie nach ihrem Abitur am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig am ersten Bildnerischen Grundkurs (BGK) an der Kunstschule teil.

Mia lernt in dieser Woche, wie man Formen und Kanten zeichnet und als Malstil nutzen kann.

Ein Aufenthalt an der Kunstakademie in Trier und anschließend ein Master in Textildesign an der Designschule in Kolding folgten. Einige Jahre später kehrte sie als Gastdozentin für Design und Konzeptentwicklung nach Sonderburg zurück. Zunächst unterrichtete sie im Sommerkurs, später auch regelmäßig Kinder.

Sie sagt: „Das Tolle ist, dass die Kinder fünf Stunden lang ganz dem kreativen Prozess folgen, ohne Noten oder Bewertung. Sie vertiefen spielerisch ihre Techniken in einem geschützten Raum, in dem Fehler neue Möglichkeiten eröffnen und es kein Richtig oder Falsch gibt.“

Kunst als stärkende Kraft für Kinder

Die eigene Wahrnehmung im Moment spiegelt sich in der Art, wie wir Dinge gestalten.

Marie-Louise Buchholz

Im aktuellen Sommerkurs arbeitet sie mit zwölf Kindern im Alter von fünf bis acht Jahren. Sie stellt den Kindern die Künstlerinnen und Künstler Vasily Kandinsky und Sonja Delaunay vor und nutzt deren Techniken als Grundlage für eigene künstlerische Arbeiten. Im Fokus steht in diesem Jahr die abstrakte Kunst und der synästhetische Effekt, bei dem verschiedene Wahrnehmungsfelder wie Farben, Formen und Musik miteinander verbunden werden.

„Kunst und alle ästhetischen Fächer schaffen einen Raum, der uns stärkt und in dem alles, was wir tun, mit uns selbst zu tun hat. Die eigene Wahrnehmung im Moment spiegelt sich in der Art, wie wir Dinge gestalten. Durch Kunst können wir das ausdrücken und zeigen, ohne dass es richtig oder falsch gibt – es zählt nur meine eigene Sichtweise“, sagt Marie-Louise Buchholz, die als Dozentin und Künstlerin und aktuell an der Hochschule Flensburg arbeitet, wo sie Wissenstransfer in Projektarbeiten fördert.

Immer mehr deutsche Familien melden Kinder an

Lehrerin Marie-Louise Buchholz kommt aus Nordschleswig, ist eine der Dozentinnen, und lebt in Flensburg. Ihr Abitur hat sie am deutschen Gymnasium für Nordschleswig in Apenrade gemacht.

Wie kommt es, dass die Kunstschule so grenzüberschreitend arbeitet? Thomas Lunau ist Leiter der Kunstschule. Er sagt dazu: „Ich finde, es liegt für uns sehr nahe, grenzüberschreitend zu arbeiten – sowohl was die Einbindung von Künstlern und Lehrkräften betrifft, als auch im Hinblick auf Familien, die aus Deutschland hierhergezogen sind.“

Die meisten Familien seien mittlerweile zweisprachig, und das gelte auch für viele der Lehrkräfte. „Wir sehen immer mehr deutsche Familien, die sich bei uns melden, um an Kinderkursen, Jugendkursen und auch an unserem Talentprogramm BGK teilzunehmen“, sagt Lunau.

Die Teilnehmenden sollen während der Sommer-Malschule nicht nur kreativ sein, sondern auch ein gutes Gefühl dafür bekommen, was Kunst ist und wie ein Kunstschaffender arbeitet. „Nach unserer Erfahrung gehen die Kinder und Jugendlichen nach unserem Unterricht mit einer größeren Lust auf Kunst und einem größeren Interesse daran, selbst Kunst zu machen, nach Hause.“

Die beiden Teilnehmerinnen Bellis (l.) und Marie lernen in dieser Woche die Stilart des Abstrakten kennen.
Kursteilnehmerin Lecia ist zum zweiten Mal beim Kurs dabei und sagt: „Das Abstrakte kommt einfach aus meinen Gedanken raus.“