Sommerurlaub

Fähren, Unterkünfte und Kultur: Wie barrierefrei ist Föhr?

Fähren, Unterkünfte und Kultur: Wie barrierefrei ist Föhr?

Fähren, Unterkünfte und Kultur: Wie barrierefrei ist Föhr?

Mahé Crüsemann/shz.de
Wyk auf Föhr
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Foto: Föhr Tourismus GmbH/Levke Sönksen/shz.de

Kommt man als Rollstuhlfahrer überhaupt auf die Insel? Und wo kann man mit Rolli an den Strand? Wie Menschen mit Behinderung ohne Sorgen Urlaub auf Föhr verbringen können, hat shz.de für Sie herausgefunden.

Eine Reise in die Friesische Karibik, das gönnt man doch jedem. Auch Menschen mit Behinderungen sollte diese Möglichkeit nicht verwehrt werden. Zwar ist ein Urlaub auf Föhr möglich, sollte aber gut vorbereitet sein, damit auch alle Vorteile ausgenutzt werden könne, die die Nordseeinsel zu bieten hat.

Sollten Anreisende nicht mit dem eigenen Pkw kommen, stellt die Fahrt mit der Bahn bis zum Fähranleger in Dagebüll bereits eine Herausforderung dar. In jedem Fall ist ein Blick auf die Seite der Deutschen Bahn (DB) zu empfehlen, da es vor allem auf der Strecke zwischen Hamburg und Niebüll zu Verspätungen kann, denn hier wird noch bis zum Jahresende gebaut.

Diese „aktuellen Fahrzeugproblematik“ habe zur Folge, dass bis auf Weiteres keine durchgehende Barrierefreiheit gewährleistet werden könne, heißt es von der DB. Mobilitätseingeschränkte Fahrgäste werden darum vor Fahrtantritt um Kontaktaufnahme mit der Mobilitätsservice-Zentrale (MSZ) gebeten. Hier würden die Gäste beraten, gegebenenfalls könne man für Unterstützung bei der Reise sorgen.

„Die Mobilitätsservice-Zentrale organisiert alles Notwendige, wenn Sie Hilfe beim Ein-, Um- oder Aussteigen benötigen“, heißt es von der MSZ. Zum Beispiel könne ein Hublift für den Rollstuhl oder Rampen organisiert werden. „Wir beantworten auch Fragen zu geeigneten Zügen, der Barrierefreiheit von Bahnhöfen oder Mindestumsteigezeiten.“ Die Infos sollten allerdings mit ein wenig Vorlauf – mindestens einen Tag vor Reiseantritt – eingeholt werden, da die Möglichkeiten für spontane Unterstützung – auch aufgrund der Coronapandemie – begrenzt seien.

Von Niebüll nach Dagebüll und auf die Fähre mit Unterstützung

Auf der Strecke von Niebüll nach Dagebüll fahren Züge der Norddeutschen Eisenbahngesellschaft Niebüll (neg). Hier würde Menschen mit Mobilitätseinschränkungen an den Bahnhöfen sowie auch beim Umstieg auf die Fähre darum von Mitarbeitern der neg geholfen werden. Die telefonische Anmeldung im neg Kunden Center in Niebüll müsse allerdings spätestens einen Tag vor Fahrtantritt über die Telefonnummer 04661/9808890 oder vor Ort erfolgen.

Barrierefreie Toiletten auf den Fähren

Am Anleger angekommen, soll es nun also auf die Fähre gehen. Bei der Fähre „Nordfriesland“ gibt es einen barrierefreien Zugang vom Parkdeck aus zum Flur über eine Rampe, die bei Bedarf über das Schott ausgelegt werden kann. Die drei neueren Fähren „Uthlande“, „Schleswig-Holstein“ und „Norderaue“ sind über Seiteneinstiege mithilfe einer Rampe mit 6-Grad-Steigung direkt über den Salon zugänglich. Auch ist ein Aufzug auf allen vier Fähren vorhanden. Auf den neuen Fähren sogar bis zum Sonnendeck. Barrierefreie Toiletten gibt es auf allen vier Fähren. Die sind mit Schiebetüren versehen.

Auf der Insel angekommen, geht die Reise auch barrierefrei weiter: Denn bei den Linienbussen auf Föhr handelt es sich um absenkbare Niederflurbusse mit ausklappbaren Rampen. Rollifahrer können so alle Linien nutzen.

Auch wohnen lässt es sich barrierefrei auf Föhr

Bei der Suche nach einer barrierefreien Unterkunft, kann FTG helfen. Auf ihrer Website bietet die Tourismus GmbH eine extra Suchmaske an. Tatsächlich ist von Hotelzimmer bis Ferienwohnung einiges barrierefreies zu finden. Es wird dabei oft unterschieden zwischen „barrierefrei“ und „bedingt barrierefrei“. Wer diese Kategorien angibt, muss sich an ganz bestimmte Vorgaben halten.

Ein Strandbesuch darf auf der Insel natürlich nicht fehlen. Auch hier gibt es einige Angebote für mobilitätseingeschränkten Gäste und Insulaner. Und davon haben alle etwas: Denn das kommt auch Familien mit Kinderwagen zugute.

Im Rollstuhl ans Meer

Wegen ihrer oft schmalen Reifen sind herkömmliche Rollstühle für den weichen Strandsand nicht gerade gut geeignet. Da können spezielle Strandrollstühle helfen, die in Wyk, Nieblum und Utersum gegen eine geringe Kaution ausgeliehen werden können. Mit ihren leichten Breitreifen verhindern sie das Einsinken am Strand und im Watt. Da diese Spezialrollstühle keinen elektrischen Antrieb haben, müssen sie allerdings geschoben werden.

Strandpromenade mit Rampen

In Wyk ist die drei Kilometer lange Strandpromenade mit rollstuhlgerechten Abgängen ausgestattet. Am Strand sind in regelmäßigen Abständen Mattenwege zur Hochwasserlinie verlegt worden. Auch ein barrierefreier Wasserspielplatz in Strandnähe auf Höhe des Strandabschnitts 14/Am Grünstreifen ist hier zu finden. Strandrollstühle können hier im Aquaföhr, Stockmannsweg 1, gebucht werden (Telefon 04681/3048).

Über einen Bohlenweg kommt man auch in Nieblum bis an den Strand – allerdings nicht ganz bis zur Hochwasserlinie. Nähere Informationen zu den Strandrollstühlen gibt es für diesen Strandabschnitt bei der Tourist-Information Nieblum unter 04681/3043 oder 2127.

Barrierefrei spielen in Utersum

Wer am westlichsten Rand Föhrs an den Strand rollen möchte, der kann vom Parkplatz am „Haus des Gastes“ in Utersum barrierefrei den Strand erreichen. Auch hier führt ein zusätzlicher Bohlen- und Mattenweg bis zur Hochwasserlinie. An der Strandkorbhalle – also in unmittelbarer Nähe zum Badestrand – gibt es auch hier einen barrierefreien Spielplatz. Für diesen Strandabschnitt gibt es nähere Informationen zu den Strandrollstühlen bei der Tourist-Information Utersum unter 04681/3047 oder 04683/346.

MKdW größtenteils barrierefrei

Auch auf Kultur müssen mobilitätseingeschränkte Gäste und Einheimische auf Föhr nicht verzichten. So verfügt beispielsweise das Museum Kunst der Westküste (MKdW) über Behinderten-WC, Besucherfahrstuhl und Rampen im Hauptausstellungsbereich. „An wenigen Stellen benötigen Sie lediglich Unterstützung aufgrund nicht selbständig öffnender Türen“, heißt es vom Museum. Das Personal sei gerne bereit jederzeit zu unterstützen.

Der Ausstellungsbereich auf der Galerie, oberhalb von Grethjens Gasthof, wo in der Regel die Fotografieausstellungen zu sehen sind, sei allerdings nicht barrierefrei. „Wir empfehlen Rollstuhlfahrern, das Museum in Begleitung zu besuchen“, so das MKdW. Bei einem Vermerk „B“ im Ausweis habe die Begleitperson freien Eintritt.

Friesen Museum bedingt barrierefrei

Das Friesen-Museum kann zwar auch von mobilitätseingeschränkten Menschen besucht werden, ist aber nicht in allen Bereichen barrierefrei. Das Obergeschoss des historischen Gebäudes ist ausschließlich über eine Treppe erreichbar. Das Untergeschoss hingegen ist über eine Rampe zugänglich. Im Museum gibt es allerdings keine barrierefreie Toilette, darauf sollten Besucher sich einstellen.

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