Handball

Neue goldene Ära ist utopisch

Neue goldene Ära ist utopisch

Neue goldene Ära ist utopisch

Apenrade/Aabenraa
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Klavs Bruun Jørgensen steht vor seiner vierten Endrunde als Frauen-Nationaltrainer. Foto: Liselotte Sabroe/Ritzau Scanpix

Dänemarks einst übermächtige Handballerinnen sind bei der bevorstehenden Europameisterschaft in Frankreich nur Außenseiter auf eine Medaille.

Die dänische Handball-Nationalmannschaft der Frauen nimmt am kommenden Freitag die Europameisterschaft in Frankreich in Angriff und startet einen weiteren Versuch, wieder in die Weltspitze zu klettern. Dänemarks Handballerinnen sind weit entfernt von der Supermacht, die sie in den neunziger Jahren und Anfang des neuen Jahrtausends waren.

Der Olympiasieg 2004 in Athen war der letzte von vielen großen Erfolgen der dänischen Auswahl, die in den vergangenen 14 Jahren lediglich eine Medaille bei einer Endrunde gewann. Klavs Bruun Jørgensen hält eine dauerhafte Rückkehr auf den Thron für utopisch und kann sich sogar nur schwer vorstellen, dass Dänemark in naher Zukunft ein fester Bestandteil der Weltspitze wird.

„Man vergisst manchmal, wie groß der Konkurrenzkampf geworden ist. Wir werden uns schwertun, jedes Mal in die Top 4 vorzudringen, und da ist es fast egal, wie tüchtig wir selbst werden“, meint Dänemarks Nationaltrainer und weist darauf hin, dass seine Mannschaft an Handball-Großmächte wie Frankreich, Russland und Montenegro vorbeiziehen muss, um ins EM-Halbfinale einzuziehen.

Der amtierende Weltmeister aus Frankreich ist gemeinsam mit Norwegen die einzige Nation, die sich über viele Jahre in der Weltspitze hat halten können. Der Erfolg der Französinnen ist auf solide Investitionen zurückzuführen, die Leistungszentren und die Talentarbeit finanzieren.

„Das bedeutet, dass die Spielerinnen körperlich über eine Kapazität verfügen, die wesentlich größer als unsere ist. Die Spielerinnen, die sie jetzt aufs Spielfeld schicken, sind ja riesengroß und austrainiert“, sagt Klavs Bruun Jørgensen. „Wir verfügen in Dänemark über hoch interessante Spielerinnen, aber der physische Unterschied ist schon groß. Wir haben diese Unterschiede durch taktische Cleverness kompensieren können, aber wir müssen uns auch im körperlichen Bereich verbessern.“

Der Nationaltrainer hat dementsprechend auch seinen Kader in seiner mittlerweile dreijährigen Amtszeit neu zusammengestellt. Aus dem WM-Kader von 2015 stehen nur noch fünf Spielerinnen im aktuellen EM-Kader.

„Es erfordert andere Spielertypen. Einige der Spielerinnen von damals waren nicht in der Lage, so viel zu trainieren, wie sie es jetzt tun. Einige mussten mit Blessuren bei vielen Trainingseinheiten pausieren, und bei den wenigen Trainingseinheiten, die wir zur Verfügung haben, bremst es die Entwicklung, wenn wir zu oft nicht vollzählig sind“, so Klavs Bruun Jørgensen, der bei seinen drei bisherigen Endrunden als Nationaltrainer zweimal das WM-Viertelfinale erreichte und einmal EM-Vierter wurde.

„Erwischen wir eine Endrunde, wo wir in Bestbesetzung spielen und vollzählig trainieren können, sind unsere Medaillenchancen genauso gut wie die der anderen Nationen“, meint Klavs Bruun Jørgensen, der vor Kurzem seinen Vertrag als Nationaltrainer bis Mitte 2021 verlängerte: „Ich würde wahnsinnig gerne mit dieser Mannschaft ein großartiges Ergebnis schaffen, aber es ist nicht sicher, dass dies meine Rolle sein wird. Es kann durchaus sein, dass es meine Rolle sein wird, die Dinge in die richtige Richtung zu schieben“, so der 44-Jährige.

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