Handball

EM-Fazit: Licht und Schatten

Sven Sörensen Sportredaktion
Nantes
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Nationaltrainer Klavs Bruun Jørgensen war nicht immer mit den gezeigten Leistungen zufrieden. Foto: Liselotte Sabroe/Ritzau Scanpix

Hinterher ist man immer schlauer. Diese Lebensweisheit passt wie die berühmte Faust aufs Auge, wenn man sich das letzte Spiel der dänischen Handballerinnen gegen Montenegro bei der EM in Frankreich angeschaut hat.

Ganz nüchtern betrachtet: Dänemark, eine große Handball-Nation, wurde nur Achter bei der EM und konnte die eigenen Erwartungen und Ansprüche nicht erfüllen. Einzig und allein der hart umkämpfte Sieg gegen Montenegro verschönerte das etwas verzerrte Gesamt-Bild.

Initialzündung zu spät

Das gezeigte Niveau im Spiel gegen Montenegro hätte, wenn dieses über das gesamte Turnier gezeigt wurden wäre, für mehr gereicht. Ein Halbfinale wäre drin gewesen. Doch warum mussten erst viele Spiele auf einem geringeren Level gespielt werden, bevor der Knoten platzte und sich das wahre Potenzial der Mannschaft offenbarte?
Auch Anführerin Stine Jørgensen suchte nach einer Begründung für das späte Erwachen bei einem so wichtigen Turnier.
„Es geht darum, sich über einen längeren Zeitraum frei zuspielen. Das haben wir über den gesamten Zeitraum leider nicht geschafft. Aber wir können uns freuen mit einem Sieg im Gepäck abzureisen. Dennoch ist es ärgerlich, dass wir erst so spät diesen Einsatz hervorholten“.

Fehler am laufenden Band

Gegen die Leistung gegen Montenegro gibt es wahrlich nichts einzuwenden und daran können sich Spieler und Trainer aufbauen. Dennoch zeigten die deutlichen Niederlagen gegen Serbien, Frankreich und Russland die Schwächen der Handballerinnen gnadenlos auf. Die vielen technischen Fehler, die schwankenden Torwart-Leistungen und die häufigen Totalausfälle im spielerischen Aufbau resultierten nicht nur in einem undankbaren achten Platz, sondern bedeuten auch viel Arbeit für Nationaltrainer Klavs Bruun Jørgensen und seinem Team.

Der Weg wird kein leichter sein

Mit den Niederlagen im Hinterkopf und dem Sieg gegen Montenegro als positiven Katalysator wird das Team seine Lehren draus ziehen müssen.

„Über das Gefühl der drei Niederlagen bin ich natürlich nicht froh. Das irritiert mich ganz enorm. Doch die Beurteilung ist sehr schwer, wenn wir so ein Spiel wie gegen Montenegro abliefern. Ich bin nur ein wenig verbittert darüber, dass wir diese Leistung nicht schon vorher gezeigt haben“, so Klavs Bruun Jørgensen.


Die dänische Frauen-Handball-Nationalmannschaft hat über die letzten Jahre zielgerichtet unter der Parole #påvej (Red.: Auf den Weg) gearbeitet.

Doch nach der Europameisterschaft in Frankreich zeigte sich der Weg doch als ziemlich holperig und steinig. Ein Weg, auf denen die Handballerinnen eher einen Schritt zurück gingen, als einen vor. Es scheint, als finde sich Dänemark auf einer vierspurigen Autobahn wieder, irgendwo auf den mittleren Fahrbahnen, aber nicht auf der Überholspur.


Torhüterin Sandra Toft fasste, vielleicht ungewollt, mit ihrer Selbstkritik die größte Unzulänglichkeit des Teams bei der EM mit einem Satz zusammen:
„Ich kann nicht aufhören darüber nachzudenken, warum ich nicht das ganze Turnier über so gut gehalten habe“.

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