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Alles eitel Sonnenschein?

Alles eitel Sonnenschein?

Alles eitel Sonnenschein?

Hadersleben/Haderslev
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Glen Riddersholm lässt sich nach dem Pokal-Triumph feiern. Foto: Claus Fisker/Ritzau Scanpix

Das glänzende Endergebnis kann bei den SønderjyskE-Fußballern eine über weite Strecken verkorkste Saison nicht vergessen machen. Ein Kommentar von Jens Kragh Iversen.

Glen Riddersholm hat sich unsterblich gemacht, als er vor einer Woche SønderjyskE zum Pokal-Triumph führte. Der 48-Jährige wird für immer als der Trainer in Erinnerung bleiben, der den ersten Titel der Vereinsgeschichte geholt hat. Drei Tage später ist auch der Klassenerhalt in trockene Tücher gebracht worden.

Unterm Strich ist nicht nur das große Saisonziel erreicht, sondern mit einem Titelgewinn bei Weitem übertroffen worden. Alles eitel Sonnenschein, also? Nein, nicht ganz! Das glänzende Endergebnis kann eine über weite Strecken verkorkste Saison nicht vergessen machen.

Es ist ein Beispiel dafür, wie schnell sich das Blatt für einen Trainer wenden kann, der in vielen anderen Klubs wegen Erfolgslosigkeit entlassen worden wäre. Glen Riddersholm konnte nach der regulären Saison den schlechtesten Punkteschnitt aller SønderjyskE-Trainer seit Carsten Broe im ersten Jahr nach dem Aufstieg aufweisen. 27 Punkte aus 26 Spielen mit dem teuersten SønderjyskE-Kader aller Zeiten. Das ist mehr als dürftig.

Grund zum Jubeln gab zu Beginn und gegen Ende der Saison. Foto: Claus Fisker/Ritzau Scanpix

Gleichzeitig ist er im ersten Anlauf mit seiner Mission gescheitert, den Klub in eine andere Richtung zu schieben und die Kultur zu ändern. Riddersholm hatte vor einem Jahr eine Mentalitätsänderung gefordert und wollte SønderjyskE aus der Rolle des ewigen Außenseiters hieven.

Das Wort „Underdog“ war verpönt, doch genau dieses Wort hat er in der entscheidenden Phase aktiv genutzt, und in die Rolle des Außenseiters ist er mit seiner Mannschaft zurückgekehrt. Mit Erfolg. Es sind die alten Tugenden, die das in Seenot geratene Schiff wieder in den sicheren Hafen gebracht haben.

Gespannt darf man sein, mit welchem Kurs die neue Saison angegangen wird. SønderjyskE wird in der auf zwölf Mannschaften reduzierten Superliga erneut zum Kreis der Abstiegskandidaten gehören. Das kann nicht anders sein, obwohl die Erwartungen im Umfeld durch den Pokal-Triumph und ein anstehendes Europapokal-Abenteuer sicherlich wieder gestiegen sind.

Seit der sensationellen Vizemeisterschaft 2016 hat der Klub mit teilweise unrealistischen Erwartungen zu kämpfen. Immer wieder wird im Umfeld von einer Top-6-Platzierung und einem Endrunden-Einzug gesprochen. In guten Jahren muss SønderjyskE seine Fühler danach ausstrecken, doch nüchtern betrachtet gehört der Klub dort nicht hin.

SønderjyskE hat in den vergangenen Jahren finanziell zugelegt und in dieser Saison den teuersten Kader aller Zeiten ins Rennen geschickt, steht aber mit einem Spieleretat von 30 Millionen Kronen deutlich hinter FC København, FC Midtjylland, Brøndby IF (95-160 Millionen Kronen) und auch hinter AGF, AaB, OB und FC Nordsjælland (34-44 Millionen Kronen, laut der Fachzeitung „Tipsbladet“). Auf Augenhöhe oder knapp hinter SønderjyskE haben sich Randers FC, Esbjerg fB und AC Horsens befunden.

Die Erwartungshaltung der SønderjyskE-Fans ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Foto: Claus Fisker/Ritzau Scanpix

SønderjyskE muss sich im Normalfall um die Plätze sieben bis zehn einpendeln, auch mit einem kleineren Etat in der kommenden Saison. Das bedeutet jedoch in der neuen Struktur Abstiegsgefahr.

Die Hellblauen scheinen aber den Abstiegskampf besser als die meisten meistern zu können, auch weil man sich in der Rolle des ewigen Außenseiters am wohlsten fühlt.

Es hat sich herausgestellt, dass an der Kultur und Mentalität bei SønderjyskE nur schwer zu rütteln ist. Glen Riddersholm hätte sich fast das Genick daran gebrochen, zu viel auf einmal umkrempeln zu wollen und steht jetzt als großer Sieger da, auch weil er gemeinsam mit den übrigen Verantwortlichen die Zeichen noch rechtzeitig erkannt hat.

SønderjyskE ist ein Klub der kleinen Schritte. Hier wird ständig zugelegt, aber nur langsam. Baustein für Baustein wird aufs Fundament gelegt. Und wenn das Fundament stimmt, können auch mal unerwartete Sprünge gemacht werden. Wie beim Pokalsieg.

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