Deutsches Museum

„Das, was wir mit den Ehrenamtlichen haben, ist ein riesiger Schatz“

„Das, was wir mit den Ehrenamtlichen haben, ist ein riesiger Schatz“

„Das, was wir mit den Ehrenamtlichen haben, ist ein Schatz“

Nina Stein
Nina Stein
Sonderburg/Nordschleswig
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Ilse Friis und Inge Marie Tietje haben Freude an ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit. Foto: Nina Stein

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„Ohne die Ehrenamtlichen hätte das Deutsche Museum Nordschleswig ein Problem“, sagt Museumsleiter Hauke Grella. Doch wer sind eigentlich die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Deutschen Museum in Sonderburg, und was sind ihre Aufgaben? Dem „Nordschleswiger“ haben sie erzählt, was ihnen bei der Arbeit am meisten Freude bereitet – und was ihre Beweggründe sind.

Jeden Mittwoch treffen sich sechs Personen im Deutschen Museum in Sonderburg und stöbern in verstaubten Archiven. Ohne eine müde Krone dafür zu erhalten. Eine von ihnen ist Inge Marie Tietje. „Es ist auch harte Arbeit, aber dadurch, dass wir eine Pause haben, geht es. Es ist kostbar”, versichert sie. Neben ihr sitzt Ilse Friis. „Wir arbeiten seit ein paar Wochen an Archivalien über den Sozialdienst in Nordschleswig.” Hierbei ordnen sie Protokolle und erstellen eine Übersicht, damit diese in Zukunft besser gefunden werden können. „Erst wenn das abgeschlossen ist, kriegen wir neue Sachen.”

Neben Inge Marie Tietje und Ilse Friis wurde auch den 15 weiteren ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf der jüngsten Generalversammlung des Trägervereins des Deutschen Museums Nordschleswig gedankt. Denn mit ihrer Arbeit erhalten sie die Geschichte der deutschen Minderheit in Dänemark lebendig.

Dies ist nur ein kleiner Teil der Dokumente und Fotos, die die Ehrenamtlichen bereits sortiert und digitalisiert haben. Foto: Nina Stein

Aufgaben richten sich nach Interessen und Stärken

„Es ist wichtig, dass die Geschichte bewahrt wird, aber es ist auch enorm wichtig, dass wir mit dem, was wir uns hier erarbeiten, auch nach draußen gehen“, betont Hauke Grella, Leiter des Deutschen Museums in Sonderburg (Sønderborg). „Und das funktioniert nur, wenn die Basisarbeit geleistet worden ist.“

Zu der Basisarbeit gehört das Registrieren von Dokumenten oder Fotos, aber auch Führungen oder handwerkliche Aufgaben fallen teilweise im Deutschen Museum an. „Wir müssen auf der einen Seite gucken, dass die Arbeit vernünftig gemacht wird, auf der anderen Seite können wir auch nicht fordern, fordern, fordern.“ Die Aufgaben richten sich daher nach Stärken und Interessen der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Archiv ist das Gedächtnis.

Inge Marie Tietje, ehrenamtliche Mitarbeiterin

Mit der Verlegung des Archivs der deutschen Minderheit von Apenrade (Aabenraa) nach Sonderburg, wurden aktiv Ehrenamtliche für die Registrierung gesucht. Dazu gehören auch Ilse Friis und Inge Marie Tietje, die seit August 2021 Ehrenamtliche für das Deutsche Museum in Sonderburg sind. „Archiv ist das Gedächtnis. Wenn man etwas von der Minderheit wissen will, dann geht man ins Archiv. Und deswegen sind wir hier.“ Inge Marie Tietje erklärt, dass gerade die Dänen an der Geschichte der deutschen Minderheit nach dem Zweiten Weltkrieg interessiert seien und fügt lächelnd hinzu: „Deswegen müssen wir uns beeilen.“

Auch Ilse Friis, die seit 2018 erste Vorsitzende des Trägervereins des Deutschen Museums Nordschleswig ist, schätzt das Zusammensein mit anderen Ehrenamtlichen und die Möglichkeit, etwas zur Minderheit beitragen zu können. Das Interesse spiele aber auch eine Rolle. „Wenn wir etwas von den Vorstandsprotokollen unmittelbar nach dem Krieg haben, dann fangen wir an zu lesen, und es dauert länger.“ Da Ilse derzeit einen Artikel über den Sozialdienst Nordschleswig schreibt, sei die Arbeit derzeit besonders hilfreich.

Derzeit sortiert Ilse Friis Protokolle über den Sozialdienst in Nordschleswig. Foto: Nina Stein

Ilse und Inge Marie kennen sich bereits „ein Leben lang“. Die beiden verbindet nicht nur die ehrenamtliche Arbeit, sondern auch ihre vorherige Tätigkeit als Lehrerin (Tietje) und Rektorin (Friis) am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig (DGN).

Mit ihrem Ehrenamt im Deutschen Museum haben sie angefangen, als sie „feststellten, dass es viel Arbeit gibt“. Seit der Neugestaltung des Museums hat sich die Anzahl der Ehrenamtlichen mehr als verdoppelt.

„... und plötzlich waren wir eine Truppe!“, sagt Inge Marie Tietje. Die „Truppe“ besteht aus sechs Personen, die sich mittwochs um 10 Uhr im Deutschen Museum einfindet und bis 15 Uhr arbeitet. „Und das sehr effektiv“, ergänzt Ilse Friis. In den fünf Stunden ist auch eine 45-minütige Pause inbegriffen. „Man verliert den Kontakt, und das ist dann ein Highlight, wenn man zusammen essen geht.“

Ilse Friis und Inge Marie Tietje verbindet nicht nur die ehrenamtliche Arbeit, sondern auch ihre frühere Tätigkeit am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig. Foto: Nina Stein

Sozialer Faktor spielt eine große Rolle

Da der Platz nicht ausreicht, teilen sich die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Montag, Mittwoch sowie vereinzelt auf Donnerstag und Freitag auf. „Jeder der Ehrenamtlichen ist einmal die Woche hier“, erzählt Hauke Grella. Laut ihm spiele die Regelmäßigkeit beim Ehrenamt eine wichtige Rolle. „Wenn man das nur sehr selten macht, kann man schnell wieder rausfallen.“ Dies sei nicht nur wichtig für das Museum, sondern auch für die Ehrenamtlichen ein großer sozialer Faktor. „Es wird hier vernünftig gearbeitet, aber es wird sich auch ausgetauscht. Die soziale Komponente darf man definitiv nicht vergessen.“

Die Berufsgruppen sind laut Grella gemischt. Ein großer Teil sind ehemalige Lehrkräfte, aber auch einige Handwerkerinnen und Handwerker sowie Landwirtinnen und Landwirte sind unter den Ehrenamtlichen. „Es ist nicht mit dem Berufsleben vorbei, sondern man kann auch danach weiter beitragen.“ Die meisten stammen selbst aus der deutschen Minderheit. Die Anfahrtszeiten unterscheiden sich hierbei: Zwar kommt ein großer Kern aus Sonderburg und Umgebung, aber einige auch aus weiterer Entfernung.

Die soziale Komponente darf man definitiv nicht vergessen.

Hauke Grella, Leiter des Deutschen Museums
Hauke Grella schätzt die ehrenamtliche Mitarbeit für das Deutsche Museum in Sonderburg. Foto: Nina Stein

So auch Ruth Friedrichs-Ravn aus Schleswig-Holstein. Sie sortiert derzeit Bilder vom „Nordschleswiger“, die mit der deutschen Minderheit zu tun haben. Grund für ihr Ehrenamt ist „die Kameradschaft, die hier herrscht“ und dass sie viel über die Geschichte Dänemarks lernt.

Auch Renate Weltersbach und Frederik Christensen beschäftigen sich mit der Registrierung. Zu ihrer Aufgabe gehört es, alte Schriften zu lesen, zu erfassen und anschließend für das Archiv zu digitalisieren.

Frederik Christensen und Renate Weltersbach arbeiten daran, alte Schriften zu digitalisieren. Foto: Nina Stein
Um die alte Schrift zu entziffern, helfen den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verschiedene Materialien. Foto: Nina Stein

„Unsere Ehrenamtlichen haben dafür gesorgt, dass unsere Sammlung sehr, sehr gut registriert ist“, betont Hauke Grella. So wäre der Umbau ohne eine vernünftige Registrierung „Horror“ geworden. „Die ganze Neugestaltung, die wir zu 2020 gemacht haben, wäre ohne die Registrierungsarbeit so nie möglich gewesen.“ Grella zeigt sich dankbar für die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Deutschen Museum. „Das, was wir mit den Ehrenamtlichen haben, ist ein riesiger Schatz.“

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