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Der steinreiche Ziegeleibesitzer vom Nübeler Noor

Der steinreiche Ziegeleibesitzer vom Nübeler Noor

Der steinreiche Ziegeleibesitzer vom Nübeler Noor

Nübel/Nybøl
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Christian Petersen sitzt auf einem Stuhl – aus Stein. Foto: Ilse Marie Jacobsen

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Bei einem Rundgang durch drei Ziegeleien und auf einer Bootsfahrt auf der „Emma“ erzählt Christian Petersen, wie gebrannte Steine aus „Petersen Tegl“ die ganze Welt erobert haben.

Was sagt ein Mann über sein Leben, das er an der Wasserkante des Nübel Noor (Nybøl Nor) verbracht hat und der bis heute die ganze Welt mit Ziegeln und Spezialprodukten von „Petersen Tegl“ beliefert?

„Mein Leben ist Lehm. Nur Lehm“, so Christian Petersen (82) ganz bescheiden – und lächelt selbstbewusst. „Der Nordschleswiger“ hat den Unternehmer besucht und Einblicke in ein Leben erhalten, das buchstäblich auf Stein gebaut ist. 

Als Christian Petersen im jungen Alter das Unternehmen seines plötzlich verstorbenen 60-jährigen Vaters übernahm, arbeiteten in der Ziegelei 16 oder 17 Personen. Heute beschäftigt das Unternehmen 160 Angestellte. Die Betriebe der „Petersen Tegl“ können heute jährlich 15 bis 16 Millionen Steine produzieren. Im Augenblick liegt die Produktion bei 12 bis 13 Millionen.

Petersen liefert Ziegel für Spezialaufgaben in alle Welt

Im Sitzungszimmer des Bürogebäudes – früher Hühnerstall, Werkstatt, Garage und Kornlager des Hofes – hat Christian Petersen einen großen Stapel von Fotos auf den Holztisch gelegt. Bei jedem Foto weiß er, in welchem Land das gezeigte imposante Gebäude steht. Ob in New York, Long Island, Campus Ås in Oslo, ein Bet-Raum im Flughafen Berlin oder auch der Olafur-Eliassen-Bau am Hafen in Vejle – auf der ganzen Welt stehen Gebäude, die mit Steinen vom Nübeler Noor entstanden sind.

Das Unternehmen arbeitet mit Architektinnen und Architekten sowie Bauherrinnen und Bauherren eng zusammen. Ein wichtiger Geschäftsbereich ist die Produktion von Ziegeln für Spezialaufgaben.

Christian Petersen an seinem Schreibtisch Foto: Ilse Marie Jacobsen

Christian Petersen macht kein großes Aufhebens um seine Person. „Schreib ruhig, dass ich ein wenig verrückt bin“, sagt er augenzwinkernd. Aber er weiß, dass er das Familienunternehmen in seiner Zeit ganz nach vorn auf das erste Parkett gebracht hat.

Trotzdem grüßt er jeden einzelnen Mitarbeiter, den er beim Rundgang durch die drei Fabriken des Unternehmens im Vorbeigehen trifft. Und im Mercedes Benz hupt er jedem einzelnen Transporter zu, der schwer beladen zwischen den drei Ziegeleien auf der Straße vorbeirattert. 

Von einer zu drei Ziegeleien

„Als ich damals anfing, hatten wir in unserer damaligen Vereinigung ,Egernsund Tegl’ 3,82 Prozent der Produktion. Der benachbarte Produzent ,Grønland’ hatte 38,2 Prozent“, stellt Petersen fest. Am 1. Januar 1993 meldete Christian Petersen sich aus der Vereinigung: „Weil Grønland viel mehr verkaufen durfte als wir.“

Christian Petersen an einer Wand mit verschiedenen Spezialanfertigungen Foto: Ilse Marie Jacobsen

Alle meinten damals, dass der Familienbetrieb von Petersens diese Entscheidung nicht überleben würde. Aber so sollte es ganz und gar nicht kommen. „Wo sind wir denn heute? Irgendetwas müssen wir richtig gemacht haben“, so Christian Petersen. „Grønland Teglværk“ ging 1993 in Konkurs, aber „Petersen Tegl“ gehören nun drei Ziegeleien der früheren Gemeinschaft „Egernsund Tegl“.

Tonablagerungen aus der Eiszeit

Das Nübel Noor war einst eine perfekte Adresse für die Ziegelproduktion, denn entlang der Küste des Haffs gab es Tonablagerungen aus der Eiszeit. Als Transportweg diente eine Fahrrinne zur Flensburger Förde. Im 18. Jahrhundert lagen die Ziegeleien dort dicht an dicht. Mit insgesamt etwa 50 Ziegeleien war es die größte Konzentration in ganz Nordeuropa.

Allein die erste Ziegelei hat mehrere große Gebäude Foto: Ilse Marie Jacobsen

Am 17. Mai 1791 erhielt der Kleinbauer Peter Andresen von König Christian VII. die Erlaubnis, bei Nübel Noor Ziegel zu brennen. Er war der erste Ziegelbrenner der Familie Petersen. Der Zusammenschluss „Egernsund Tegl“ wurde 1894 gegründet und war ein Verband von 13 Ziegeleien am Nübel Noor.

Es begann mit der Kolumba-Kirche

Mit der Kolumba-Kirche in Köln begann für Petersen Tegl ein neuer Geschäftsbereich. Für den Wiederaufbau der katholischen Kirche wurde der handgefertigte Kolumba-Stein entworfen. 280.000 Steine in einer ganz bestimmten Farbe wurden nach Köln gebracht.

Mit dem neuen Produkt gab es beim Brennen der Farben aber diverse Fehlfarbenprodukte, die entsorgt wurden.

Das Lehmlager für Kolumba-Steine von „Petersen Tegl“ Foto: Ilse Marie Jacobsen

„Der Kunde ist König. Die Fehlprodukte haben wir weggeworfen. Hätten wir gewusst, dass sie einfach wieder gebrannt werden können, dann hätten wir uns das Minus von einer Million Euro ersparen können. Aber das wussten wir damals nicht.“  Auch Petersens Cover-TM werden 100 Prozent von Hand gefertigt. Cover wurde für die Verkleidung von Dächern und auch Fassaden entwickelt. Die Ziegelei arbeitet mit Lehmprodukten aus Dänemark, Deutschland und England.

Leben auf dem Hof der Vorfahren

Christian Petersen hat nie bereut, dass er mit seiner Frau immer noch auf dem alten, sehr idyllisch direkt am Wasser gelegenen Geburtshof lebt. Dort, wo einst neben den Kühen und Schweinen sein Vorfahr die erste Ziegelei als Nebengeschäft zur Landwirtschaft einrichtete.

Die Stiefel der vielen Mitarbeiter stehen ordentlich in Reih und Glied auf dem Regal. Foto: Ilse Marie Jacobsen

Christian Petersen ist die siebte Generation des Unternehmens „Petersen Tegl“. Ihm wurde nicht zuletzt aufgrund seines persönlichen Draufgängertums und neuer Ideen schon fünfmal von der Branche ein Konkurs vorausgesagt. Aber Petersen hat nie aufgegeben: „Wie ich sage: Irgend etwas muss ich ja richtig gemacht haben.“

Christian Petersen hat bei seinem Rundgang durch die Ziegeleien auch ein paar Überraschungen erlebt. So rief er in der ersten Ziegelei plötzlich: „Dort oben brennt es!“ Die Ziegelei brannte im August 2002. „Aber das war ein guter Brand“, wie Petersen schelmisch lächelnd erklärt. Alles wurde erneut aufgebaut, und heute wird sogar der Rauch gereinigt.

„Unsere Steine halten 1.000 Jahre“

Er verspricht: „Unsere Steine halten 1.000 Jahre.“ In der einen Halle hält er einen gebrannten Stein hoch und fordert auf, daran zu riechen. „Wonach riecht der", fragt er. Einige Sekunden später kommt er mit der Antwort, der ein – typisch Petersen – schelmisches Lachen folgt: „Nach Geld."

Ein Totenkopf aus einer Kirche liegt bei Christian Petersen im Büro. Foto: Ilse Marie Jacobsen

Christian Petersen ging schon als kleiner Junge mit seinem Großvater durch die Produktionshalle – wie sein Opa mit verschränkten Händen auf dem Rücken. Nach dem Realexamen folgte der junge Christian dem Rat seines Vaters, eine „richtige“ Ausbildung zu machen. Zwei Jahre lang widmete er sich an einer Schule dem Löten und Schweißen.

Nach der Leibgarde ging es für Christian nach Bayern, wo er seine erste Frau Christa aus dem Chiemsee kennenlernte. Das Paar bekam zwei Töchter, Anette und Vibeke, die einmal in achter Generation den Ziegeleibetrieb am Nübel Noor weiterführen werden.

Schon Mærsk Mc Kinney Møller fuhr mit der Emma

Die Zusammenarbeit mit Bauherrn und Architekten wird oft mit einer Bootsfahrt in dem früheren Fischkutter Emma aus dem Jahr 1931 verbunden. Auf der Emma waren unter anderem auch prominente Gäste wie Mærsk Mc Kinney Møller, der Architekt Frank Gehry, die Mannschaft des Königsschiffs Dannebrog und auch Kronprinz Frederik mit an Bord.

Und so segelt Christian Petersen mit seinen 82 Jahren weiter durch sein Leben als Unternehmer, dessen Erfolg steinhart verdient ist.

Christian Petersen an Bord des Kutters Emma Foto: Ilse Marie Jacobsen
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Leitartikel

Siegfried Matlok
Siegfried Matlok Senior-Korrespondent
„Zum Tode von Günter Weitling – Seelsorger und Seele“