Schleswigsche Partei

„Die Zukunft wird elektrisch“

„Die Zukunft wird elektrisch“

„Die Zukunft wird elektrisch“

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Erwin Andresen
Erwin Andresen, hier im Gespräch mit Christian Andresen aus Seth, der ebenfalls der Ad-hoc-Gruppe angehört. (Archivbild) Foto: Cornelius von Tiedemann

Das Thema Strom erhitzt nicht nur Leitungen, sondern auch die Gemüter in Nordschleswig. Doch sehen Kommunalpolitiker ein gemeinsames Energiekonzept für Nordschleswig als entscheidend für die Zukunft an. Die Schleswigsche Partei will sich beteiligen und das Thema selbst erörtern.

Mit einer Diskussion über Windkraftanlagen an Land lässt sich derzeit in Nordschleswig kein Blumentopf gewinnen. Zu erhitzt sind die Gemüter, zu verhärtet die Fronten. Das sieht der ehemalige Kommunaldirektor Apenrades, Niels Johannesen – und das sieht Erwin Andresen so, Energieexperte und Apenrader Stadtratsmitglied der Schleswigschen Partei (SP).

Doch die Energiefrage ist – auch angesichts der just entstehenden Datenzentren – eine ganz zentrale Zukunftsfrage in Nordschleswig. Deshalb haben sich die vier Kommunen des Landesteils darauf geeinigt, ein gemeinsames Energie-Sekretariat zu schaffen. Vorläufig wird dies von Johannesen gelführt, bis ein permanenter Leiter gefunden ist.

„In Bezug auf die grüne Umstellung und die Ausnutzung der Überschusswärme der Datenzentren müssen die Bürger Nordschleswigs die richtigen Entscheidungen treffen können. Ein immer größer werdender Teil der Versorgung wird elektrisch, beim Transport, aber auch bei der Wärme, und das durchgehend“, sagt er und stellt fest: „Die Zukunft wird elektrisch.“

Dass Nordschleswig sich in dieser Frage (fast) wieder in den alten Amtsgrenzen zusammenfindet, hat für Johannesen „massenhaft Vorteile“ und sei „der einzig richtige Weg“.

Andresen: SP will eigene Linie finden

Das sieht auch Andresen so, der daran erinnert, dass die SP schon lange eine enge Zusammenarbeit der vier Kommunen fordert – nicht nur im Energiebereich. Dort aber kommt sie nun – und das auch parteiintern. Denn das Thema Energie wird das erste sein, an dem die SP ihre neue Strategie der Ad-hoc-Gruppen testet, wo nicht ein ständiger Ausschuss, sondern eine Gruppe interessierter und engagierter Mitglieder aus ganz Nordschleswig auf drei bis vier Treffen ein „politisches Papier vorbereiten, wo wir sagen: Das will die SP und wie kommunizieren wir das nach außen?“, so Andresen.

Ihm ist es wichtig, zu betonen, dass die Gruppe ergebnisoffen arbeitet. „Bei den festen Strukturen, da waren es ja immer die gleichen. Vielleicht gelingt es uns, andere Leute anzusprechen und Neue mit in die politische Arbeit der SP einzubeziehen“, hofft er.

Spannend genug ist das Thema – werden doch laut Johannesen in Zukunft die Datenzentren, wie sie derzeit bei Kassö entstehen, rund ein Viertel der Energie Dänemarks verbrauchen, die aber auch geliefert werden muss, und dabei enorme Wärme produzieren, die es dann zu nutzen gilt.

Ruth Candussi
Ruth Candussi (Archivbild) Foto: Karin Riggelsen

Candussi: Stragetie festlegen – Einfluss geltend machen

„Unser Anliegen ist es, die Absprache der vier Kommunen, die wir absolut begrüßen, politisch zu unterstützen“, sagt die Parteisekretärin der Schleswigschen Partei (SP), Ruth Candussi, zu dem Vorhaben, in einer Ad-hoc-Gruppe die Energiepolitik der SP zu definieren.

„Ob wir dann diejenigen sein werden, die den großen Einfluss haben, werden wir sehen, aber für uns als Partei mit ja doch einem erkennbaren grünen Profil ist es wichtig, klarzustellen, wo wir stehen, um unseren Einfluss dann entsprechend geltend machen zu können“, so Candussi weiter.

Am 14. März soll sich die Gruppe erstmals treffen. Bereits jetzt hätten sich zahlreiche Interessenten gefunden, sagt die Parteisekretärin. Dazu gehört auch je ein Vertreter aus den Stadträten der vier Kommunen Nordschleswigs. Für Apenrade wird dies Erwin Andresen sein.

Der Bürger im Zentrum der Überlegungen

„Es ist wichtig, dass wir als Partei Stellung beziehen“, sagt er. Und fragt: „Aber was kann man den Bürgern zumuten bei Windenergie und Fotovoltaik? Unter welchen Voraussetzungen soll das geschehen und warum gibt es eine Bürgerbeteiligung wie in Deutschland nicht?“ Wenn alle vier Kommunen zusammenarbeiten, gebe es, so Andresen, vielleicht auch Möglichkeiten, Flächen zu nutzen, wo keine Proteste kommen, die aber kommunenübergreifend und deshalb bisher schwer einzuplanen sind.

„Wir wollen weitsichtig denken und uns mit all diesen Fragen auseinandersetzen“, sagt er und spricht die Problematik an, dass Offshore-Anlage deutlich teurer sind im Betrieb und in der Errichtung als Windkraftanlagen an Land und ob es nicht möglich wäre, so einzusparendes Geld den Bürgern zugutekommen zu lassen. „Offene Fragen offen diskutieren“, sei das Motto der Gruppe, so Andresen.

Fernwärmenetz für ganz Nordschleswig

Niels Johannesen, der der SP kürzlich bei einem Themenabend die Arbeit des Energie-Sekretariates schilderte, sieht in der grünen Umstellung und der nordschleswigschen Initiative eine große Chance, auch zukunftsfähige Arbeitsplätze im Landesteil zu schaffen. Und er sieht dringenden Handlungsbedarf: In den kommenden zehn Jahren müssten 450 Windräder aus den 90er Jahren ausgetauscht werden. 50 große, moderne Landanlagen könnten sie ersetzen, sagt Johannesen, und dies deutlich billiger als Offshore-Anlagen. Und: Er glaubt daran, dass, trotz Schwierigkeiten andernorts, die überschüssige Wärme der riesigen Datenzentren effizient genutzt werden könnte – mit einem kommunenübergreifenden Fernwärmenetz in Nordschleswig.

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