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Umdenken an den Schulen und im Journalismus: Was Künstliche Intelligenz kann – und was nicht

Umdenken an den Schulen und im Journalismus: Was KI kann – und was nicht

Umdenken an Schulen und im Journalismus: Was KI heute kann

Der Nordschleswiger
Der Nordschleswiger
Apenrade/Aabenraa
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Nicolas Wilder
Nicolas Wilder klärte am Mittwoch über die Grundlagen der KI auf – und darüber, wie sie Wissenschaft und Lehre grundlegend verändern werde. Foto: cvt

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KI-Revolution im Bildungswesen und in Nachrichtenmedien: Nicolaus Wilder und Cornelius von Tiedemann sprachen in Apenrade über existenzielle Fragen und neue Möglichkeiten. Von der Transformation akademischer Kompetenzen bis hin zur anpassungsfähigeren Berichterstattung.

Künstliche Intelligenz (KI) stelle Wissenschaft und Lehre – auch an Schulen – vor existenzielle Fragen. Das sagte Nicolaus Wilder, Gründungsmitglied des Virtuellen Kompetenzzentrums KI und Wissenschaftliches Arbeiten (VK:KIWA) an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel, am Mittwochabend im Deutschen Gymnasium Nordschleswig (DGN) in Apenrade (Aabenraa). Hintergrund: Akademische Kompetenzen könnten laut Wilder in Zukunft durch KI schlicht ersetzt werden.

Rahmen der Aussagen war ein Forum auf Einladung des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig, des Verbandes Deutscher Büchereien Nordschleswig und des „Nordschleswigers“.

Während bei vorherigen großen technologischen Innovationen überwiegend manuelle Arbeitsplätze ersetzt wurden, gehe es nun um Arbeit, die bisher als grundsätzlich nicht automatisierbar galt.

Wilder: KI-Welle deckt verfehlte Prämissen der Bildungspolitik auf

Dieser Umstand könne jedoch auch als Befreiung von falschen Ausgangspunkten in der Pädagogik gesehen werden. Weshalb? Weil Wilder den klassischen Bildungsbegriff heute oft nicht mehr intakt sieht. Die klassische Bildung zielt demnach darauf ab, uns durch kritisches Denken und Selbstreflexion zu befähigen, uns in einer sich ständig verändernden Welt zurechtzufinden und fundierte Urteile zu fällen.

Das derzeitige Bildungssystem sei jedoch zunehmend auf die Produktion eines messbaren, testbaren Outputs fokussiert. In einem solchen System werde Bildung auf die Fähigkeit reduziert, bestimmte Testergebnisse zu erzielen. Künstliche Intelligenz, wie ChatGPT, könne als Bedrohung für dieses System gesehen werden, weil sie genau das leisten kann: Sie kann Outputs generieren, die den Erwartungen und Normen entsprechen, die in standardisierten Tests gefordert werden.

In einem System, das hauptsächlich auf testbaren Outputs basiert, könnten KI-Systeme menschliche Lernende ersetzen oder überflüssig machen. In einem  System jedoch, das das klassische Bildungsverständnis zur Grundlage hat, würden Menschen mit der Fähigkeit ausgestattet, Umwälzungen, wie die aktuelle durch die KI ausgelöste, auszuhalten – und sogar konstruktiv zu nutzen.

 

Nicolaus Wilder, Claudia Knauer und Cornelius von Tiedemann am Mittwoch am DGN Foto: Katja Hintz/Zentralbücherei Apenrade

Tiedemann: Zielgerichteter Journalismus mithilfe von KI

Auch im Journalismus böten sich neben Risiken auch Chancen. Etwa, um Nachrichten besser verständlich zu machen und mehr an den Bedürfnissen des Publikums auszurichten – ohne dabei den Anspruch zu senken, so Cornelius von Tiedemann, stellvertretender Chefredakteur beim „Nordschleswiger“. So könne KI zum Beispiel Journalistinnen und Journalisten dabei helfen, Inhalte auf journalistische Richtlinien oder auf Bedürfnisse des Publikums hin zu prüfen.

„Die KI kann mir dann sagen, ob und wie ich eine Überschrift greifbarer formulieren kann, ob und wie ich dem Publikum Hinweise geben sollte, was sie mit den Informationen aus meinem Beitrag jetzt anfangen kann. Wenn ich zum Beispiel über Fernwärme schreibe, könnte die KI mir vorschlagen, das Publikum auch darüber zu informieren, wie ich herausfinde, ob ich meinen Haushalt anschließen kann, und so weiter“, so der Journalist.

Generative KI erfüllt die Kriterien der Presse-Ethik nicht ohne Redaktion

„Es gibt Systeme, die Texte oder etwa Videos daraufhin prüfen, ob sie es schaffen, die Aufmerksamkeit des Publikums immer wieder zu erregen und die wichtigen Informationen zu den Zeitpunkten zu vermitteln, wo die Aufmerksamkeit da ist“, berichtete Tiedemann. Er unterstrich jedoch zugleich, dass Künstliche Intelligenz heute nicht in der Lage sei, „auch nur ein einziges Kriterium der Presseethik zu erfüllen“, ohne dass erfahrende Journalistinnen und Journalisten sie steuern und redigieren.

Auch im Journalismus gelte also, dass die generative KI nicht in der Lage sei, den eigentlichen Auftrag des Journalismus zu übernehmen. Dass sie zugleich der Redaktion jedoch in bestimmten Bereichen als „effizientes Werkzeug, das qualitativ hochwertige Ergebnisse schaffen kann“ und „neue digitale Kollegin ohne journalistische Integrität“ dienen könne.

Knauer: Relevanz der Büchereien bestätigt

Die Organisatorin, Büchereidirektorin Claudia Knauer, die den Abend moderierte, sprach im Anschluss von einem äußerst aufschlussreichen Abend, der viele Antworten auf die im Motto des Abends gestellte Frage „KI – Herausforderung oder Chance“ geliefert habe.

Zudem habe die Veranstaltung Lust auf mehr gemacht und gezeigt, „was Bücherei heute auch sein kann und sollte“ – nämlich ein Forum zum „Austausch über aktuelle Entwicklungen, die unseren Alltag verändern“.

 

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