Kommunalwahl

Speeddating: Lokalpolitiker zum „Anfassen“

Speeddating: Lokalpolitiker zum „Anfassen“

Speeddating: Lokalpolitiker zum „Anfassen“

Jan Peters/Sarah Heil
Apenrade/Aabenraa
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Begrüßung zum Speeddating in der Aula des DGN: Zehn Politiker trafen 30 junge Erstwähler. Foto: Jan Peters

Zehn Politiker haben sich am Donnerstag beim traditionellen Speeddating der jungen SPitzen den Fragen von 30 Erstwählern vom DGN gestellt. Alle Anwesenden kamen danach zum gleichen Urteil: Diese Veranstaltung war interessant, intelligent und überaus sinnvoll.

Knapp 30 Schüler und 10 Politiker saßen sich beim sogenannten Speeddating in der Aula des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig (DGN) gegenüber. Die DGN-Schüler der 2g und 3g stellten Fragen – die Politiker antworteten. Von beiden Seiten gab es ein durchweg einhelliges Urteil zu der Veranstaltung: interessant, intelligent und überaus sinnvoll.

Zehn Politiker waren vom Veranstalter junge SPitzen, der Jugendorganisation der Schleswigschen Partei, eingeladen worden, sich Fragen der DGN-Schüler zu stellen. Die Leitung hatte Ruth Candussi, Parteisekretärin der Schleswigschen Partei.

„Selbstverständlich ist es wichtig, sich gerade den jungen Wählern zu stellen. Sie bilden einen großen Teil unserer Wählerschaft und sind unsere Zukunft“, erklärte Torben Nielsen, Kandidat der Alternativen in der Kommune Apenrade. Seine Mitstreiter, Asger Holst (Liberale Allianz), Philip Tietje (Venstre), Jonas Haas (Sozialdemokraten), Ole Strandlyst (Dänische Volkspartei), Brian Gormsen (Einheitslisten), Rasmus Elkjær Larsen (Konservative), Michael Christensen (Sozialistische Volkspartei) und Lasse Tästensen (Schleswigsche Partei) sowie die Jugendvertreter der Radikalen Venstre, Emma Fink Andresen und Rosa Uldall, schlossen sich dem Urteil an. Einig waren sich die Politiker auch, dass solche Veranstaltungen, in denen sich Wähler und Politiker persönlich gegenübersitzen, besonders wichtig seien.

Viele Themen

Die thematische Bandbreite der Fragen war groß. Zum einen waren die jungen Wähler sehr daran interessiert, wie die Politiker die aktuelle Situation der Schüler verbessern wollen. Hierbei ging es vor allem um den öffentlichen Nahverkehr und die Frage, wie die Schüler preiswerter und zuverlässiger jeden Tag ihren Schulweg antreten könnten. Der finanzielle Aspekt spiegelte sich auch in der Frage wider, ob die Schulen mehr Geld von der Kommune bekommen sollten, um mit der Zeit und der Digitalisierung mitzugehen. Zum anderen wurde die Rolle des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig in Apenrade thematisiert. Einige Schüler haben das Gefühl, eine Außenseiterrolle einzunehmen, im Vergleich zu den dänischen Schülern in der Kommune.

Aber auch das Leben in Apenrade spielte eine große Rolle. Viele Schüler stellten Frage nach der Sicherheit in ihrer Kommune. Was können die Politiker tun, um gerade nachts für die Sicherheit ihrer Bürger zu sorgen? Da die weiten Wege und dunklen Gassen es der Polizei erschweren, einen Überblick zu behalten. Das ist ein Aspekt, der für Rasmus Elkjær Larsen neu war: „Junge Mädchen, die sich im Nachtleben in Apenrade nicht sicher fühlen. Da habe ich einen neuen Sichtwinkel kennengelernt.“


Emma Fink Andresen von den jungen Radikalen lässt sich von Schülern des deutschen Gymnasiums befragen. Foto: Jan Peters

Die Zukunft der Kommune

Des Weiteren ging es um die Zukunft der Kommune. Was könne man tun, um die Fußgängerzone wieder mit Leben zu füllen.
Die zugezogenen Schüler aus Deutschland stellten die Frage, wie man das dänische Sprachangebot verbessern könne. Für viele, nicht dänisch- oder englischsprachige Menschen, sei es sehr schwierig, einen Kursus an der Volkshochschule zu belegen, da diese ihre Angebote nur in diesen zwei Sprachen bewirbt. Aber auch überregionale Themen kamen zur Sprache. Unter anderem wollten die jungen Erstwähler wissen, wie die Parteien sich zu den Grenzkontrollen positionieren.

Zwei Fragerunden

Damit alle Politiker von den DGN-Schülern gehört werden konnten, gab es zwei Runden, in denen je fünf bzw. drei Minuten lang Fragen gestellt und vertieft werden konnten. Nach dem Ablauf der Zeit, SP-Parteisekretärin Ruth Candussi achtete sehr auf die Einhaltung, ging es für die Schüler weiter zum nächsten Politikertisch.

Sehr gespannt zeigte sich das Lehrergespann Antje Beckmann und Gerret Liebig Schlaber. Doch schon nach wenigen Minuten fiel die Anspannung der beiden Wirtschaft/Politik-Lehrer ab, als ihre Schüler sichtlich konzentriert und motiviert ihre vorbereiteten Fragen abfeuerten. Zum Ende der Veranstaltung gingen die zehn Politiker auf Fragen der Schüler ein, die ihnen besonders wichtig erschienen und zu denen sie im großen Kreis Stellung beziehen wollten.

Laurids Petersen Anna Warm im Gespräch mit Lasse Tästensen, einem der drei Spitzenkandidaten der Schleswigschen Partei. Foto: Jan Peters

Erstwähler informierten sich

Anna Warm (19) und Laurids Petersen (18) dürfen am 21. November zum ersten Mal ihre Stimmen abgeben. Für die Schüler war das politische Speeddating eine willkommene Möglichkeit, sich ein besseres Bild von den Politikern und ihren Ansichten zu machen. „Für mich lief das hier besser als gedacht. Es ist sehr gut, die Möglichkeit zu haben, von Angesicht zu Angesicht mit einem Politiker reden zu können“, so Anna Warm.

Auch für Laurids Petersen war es eine interessante Erfahrung: „Ich habe heute Politiker und Parteien kennengelernt, mit denen ich mich zuvor nie richtig befasst habe.“ Allerdings war es in so kurzer Zeit schwierig, die großen Unterschiede herauszuhören.

Wenig Unterschied

„Eigentlich waren die Lösungsvorschläge immer sehr ähnlich. Man konnte allerdings schnell feststellen, wer sich bereits intensiver mit der Jugend und ihren Problemen auseinandergesetzt hatte“, sagt die junge Schülerin Anna Warm.

Beide sind sich einig, dass diese Veranstaltung sehr sinnvoll ist , um sich darüber klar zu werden, wen man wählen wird. Ihre Meinung geändert haben sie allerdings nicht. „Die Gespräche haben meine vorherige Meinung nur noch bestätigt“, berichtet Anna.

Sehr angetan waren die Politiker von den jungen Menschen, die dort vor ihnen saßen, denn „man merkte, hier sind junge, politisch interessierte Menschen vor einem, die zudem noch gut vorbereitet waren, konkrete Fragen stellten und eine Haltung haben“, wie Brian Gormsen bemerkte.

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