Deutsche MInderheit

Kollegen und Wegbegleiter würdigen Frank Lubowitz‘ Verdienste

BDN würdigt Frank Lubowitz‘ Verdienste

BDN würdigt Frank Lubowitz‘ Verdienste

Apenrade/Aabenraa
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BDN-Generalsekretär Uwe Jessen würdigte das Wirken von Frank Lubowitz (rechts) während einer Zusammenkunft im Haus Nordschleswig. Eine größere Abschiedsfeier war aufgrund der Corona-Restriktionen nicht möglich. Foto: Volker Heesch

Nach über 28 Jahren als Leiter des Archivs/Historische Forschungsstelle der deutschen Minderheit in Nordschleswig tritt der Historiker in den Ruhestand. Der HAG-Vorsitzende Lorenz Peter Wree weist auf seinen wertvollen Einsatz bei der Vermittlung der Geschichte Nordschleswigs nach innen und nach außen hin.

„Lieber Frank, wir müssen heute von dir, einem guten Kollegen, Abschied nehmen, der meistens gut gelaunt ist.“ Mit diesen Worten eröffnete der Generalsekretär des Bundes Nordschleswiger (BDN), Uwe Jessen, den Abschiedsempfang des langjährigen Leiters des Archivs/Forschungsstelle der deutschen Volksgruppe, Frank Lubowitz, in den Ruhestand. Aufgrund der Maßnahmen zur Vermeidung von Corona-Infektionen konnten nur der Mitarbeiterstab des Hauses Nordschleswig, Vertreter der Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft für Nordschleswig (HAG) und einige Weggefährten des 65-jährigen Historikers am Mittwoch an der Zusammenkunft im Haus Nordschleswig teilnehmen.

Archiv von großer Bedeutung

Dennoch ließen es sich unter anderem der HAG-Vorsitzende Lorenz Peter Wree und der frühere BDN-Generalsekretär Peter Iver Johannsen nicht nehmen, den Einsatz des seit 1992 mit der professionellen Aufarbeitung der Geschichte und schriftlicher Zeugnisse der deutschen Nordschleswiger beauftragten Archivars zu würdigen. Uwe Jessen erinnerte an die „Hochs und Tiefs“ des von Lubowitz geleiteten Archivs. „Als dessen Existenz im Zuge der Sparmaßnahmen 2012 in Gefahr war, haben die Reaktionen vieler Kollegen und Forschungseinrichtungen südlich und nördlich der Grenze gezeigt, welche Bedeutung und Bekanntheit Archiv und Forschungsstelle haben“, so Jessen, der Lubowitz im Namen des BDN auch für dessen Einsatz als Referent dankte, der unermüdlich fundierte Informationen über die deutschen Nordschleswiger verbreitet habe.

Mit Lubowitz professionelle Leitung

Wie Jessen überreichte im Namen der Kolleginnen und Kollegen Anja Eggert dem Neuruheständler Gechenkgutscheine für kulinarische Genüsse. Sie erinnerte an Beiträge des lange im Keller des Hauses Nordschleswig tätigen Archivars bei Weihnachtsfeiern und anderen sozialen Zusammenkünften, bei denen er mit seiner humorvollen Art beeindruckt habe. Lorenz Peter Wree erinnerte daran, dass mit Frank Lubowitz 1992 das bereits 1985 offiziell eröffnete Archiv der deutschen Volksgruppe, in dem ehrenamtliche Kräfte tätig waren, eine professionelle Leitung erhalten hat. „Bereits 1990 hatte der BDN-Hauptvorstand beschlossen, Archiv und Forschungsstelle zusammenzulegen“, so Wree, der die jahrelangen Schwierigkeiten erwähnte, die Stelle des Historikers zu finanzieren.

„Erst 2008 war die Planstelle für dich da“, so Wree und erinnerte an die Erleichterung auch in der HAG, dass der Verein nicht länger für Lubowitz Besoldung Lubowitz zuständig war. Der HAG-Vorsitzende ging auf die guten Voraussetzungen ein, die Frank Lubowitz als Assistent des für die Landesgeschichte Schleswig-Holsteins zuständigen Geschichtsprofessors an der Universität Kiel, Professor Erich Hoffmann, für die Tätigkeit in Apenrade mitbrachte. „Er brachte bereits Interesse für die Geschichte Nordschleswigs mit", so Wree der hinzufügte: „Du hast dich von Anfang an bemüht, Archiv und historische Themen bekannt zu machen. Du hast dich und deine Arbeit in die Öffentlichkeit gebracht.“

Einsatz für Studierende

Wree erwähnte auch die Unterstützung, die Lubowitz vielen Studierenden gewährt hat. Zu seinen Verdiensten gehörten auch die „Schleswigschen Gespräche“, bei denen abwechselnd in Nordschleswig und Flensburg Referenten aus Schleswig-Holstein und Dänemark der Öffentlichkeit oft auch neue historische Themen nahegebracht haben.

Der Vorsitzende der Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft für Nordschleswig (HAG), Lorenz P. Wree (l.), würdigte die jahrzehntelange Unterstützung, die Frank Lubowitz dem Verein bei dessen Veröffentlichungen und Veranstaltungen gewährt hat. Foto: Volker Heesch

Und Wree wies auf den jahrelangen Einsatz des Historikers bei den Aktivitäten der Heimatkundlichen AG hin. Dabei reichte das Spektrum von der Organisation der HAG-Tagungen und -Exkursionen über Verfassen von Beiträgen und Vorträgen bis zur Vorbereitung des Materials für die HAG-Hefte zu deren Drucklegung.

Weiter ehrenamtlich in Nordschleswig

Dank sprach der HAG-Vorsitzende auch aus angesichts der Zusage von Lubowitz, ehrenamtlich weiter für den Verein zur Verfügung zu stehen. Peter Iwer Johannsen berichtete, dass Frank Lubowitz Mitarbeiter des BDN wurde, nachdem eine Mitteilung eingegangen war, die Kosten seiner Dienstleistungen zugunsten der deutschen Minderheit seien mehrwertsteuerpflichtig.

Lob von Peter Iwer Johannsen

„Mit deiner Anstellung ist Qualität in die historische Arbeit gebracht worden“, lobte Johannsen den Einsatz von Lubowitz und verriet, dass dieser oft die Arbeit des BDN unterstützt habe, wenn es beispielsweise in Redetexten auf exakte historische Fakten ankam.

Der frühere BDN-Generalsekretär Peter Iwer Johannsen erlebte 1979 eine Fast-Absage der Neujahrstagung des BDN in Sankelmark aufgrund der damals aktuellen „Schneekatastophe“. Foto: Volker Heesch

„Danke für das jahrelange gute Miteinander“, so der frühere BDN-Generalsekretär.

Frank Lubowitz ergriff abschließend das Wort und stellte seine lederne Büchertasche vor, die ihn über 30 Jahre in seinem Berufsleben gedient hat. „Darin hatte ich immer meinen Taschenkalender und auch Baumwollhandschuhe für den Umgang für wertvolle Archivalien“, so der Historiker und bot mit einem Augenzwinkern an, er könne ja beim Übergang in den Ruhestand noch die eigene Personalakte archivieren. „Ich bin in meiner Zeit im Haus Nordschleswig vom jüngsten zum ältesten Mitarbeiter avanciert“, sagte er und schloss in seinen Dank an die Kolleginnen und Kollegen sowie die Heimatkundliche AG eine besondere Anerkennung für den Einsatz von Ursula Berg ein, die seit fast 15 Jahren zweimal pro Woche ehrenamtlich ins Archiv gekommen ist, um ihn beispielsweise bei der dänischen Korrespondenz und bei Übersetzungen zu unterstützen. „Dank für gute Jahre, die ich in guter Kollegialität habe verbringen können“, so Lubowitz, der ankündigte, bis zur Regelung seiner Nachfolge dem seit dem Sommer im Deutschen Museum Sonderburg untergebrachten Archiv weiter zur Verfügung zu stehen. Ünber seine BDN-Telefonnummer bleibe er erreichbar. Er überreichte Peter Iwer Johannsen ein Heft zu dessen Familiengeschichte aus dem Jahre 1923, das er beim Umzug des Archivs aus Apenrade entdeckt hatte.

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