Landwirtschaft

Die Kartoffelmehlfabrik produziert – doch nur 30 Prozent der Ernte ist drin

Peter Lassen
Peter Lassen Hauptredaktion
Toftlund/Bülderup
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Freitagvormittag bei Bögwatt: Kleiner Kartoffelroder unter dunklen Wolken im Einsatz. Foto: Volker Heesch

Vielerorts in Nordschleswig droht den Bauern, dass ihre Erdäpfel auf dem Felde ertrinken.

Das Wochenende soll extrem gut werden mit viel Sonne und ohne Niederschlag. Dass diese Vorhersage stimmt und langfristig gilt – darauf hoffen insbesondere auch die vielen Kartoffelbauern in Nordschleswig. Und natürlich auch der Abnehmer ihrer Industriekartoffeln, die Kartoffelmehlfabrik in Toftlund. Denn dort hat man bisher nur rund 30 Prozent der Ernte einfahren können.

In Toftlund werden jährlich rund 300.000 Tonnen Erdäpfel zu Stärke verarbeitet. Das Gros des Rohstoffes liegt noch auf den nassen Feldern des Landesteils und droht, im Wasser zu verfaulen. Es war für viele Bauern bisher quasi unmöglich, aufs Feld zu kommen mit ihren Erntemaschinen. Zudem müssen die Erdfrüchte trocken sein, um gelagert werden zu können. Die Kartoffelmehlfabrik hofft, dass nun eine stabile Zeit kommt, wo die Zulieferer die Rohstoffe aus dem Boden kriegen – und dann will man, soweit möglich, helfen, die Ware zu trocknen und lagerfest zu machen.

Viele Kartoffelzüchter hart betroffen

Die Kampagne der Toftlunder Fabrik läuft normal von August bis Januar, wo die Bauern ihre Ware anliefern. „Wir fahren aktuell zwar relativ normal in der Produktion, aber der viele Regen im September und bisher auch im Oktober macht die Lage schon kritisch“, so der Vorsitzende der Kartoffelmehlfabrik, Peter Petersen aus Bülderup.

Er stellt fest, dass viele Kartoffelzüchter hart betroffen sind, wobei es von Region zu Region große Unterschiede gibt. Teils weil der Niederschlag sehr unterschiedlich gefallen ist – aber auch wegen der variierenden Bodenverhältnisse: „Im Raum Lügumkloster und Bredebro hat man wesentlich mehr Niederschlag bekommen als wir hier in Bülderup.“

Petersen stellt fest, dass die Ernte ertragsmäßig bisher relativ normal gewesen sei – nur, man muss auch an den Rest rankommen können. „Wir müssen eben warten, bis es etwas abtrocknet. Auf der Fabrik herrscht kein Alarmzustand, aber einige unserer Bauern sind doch sehr, sehr hart betroffen und müssen Felder aufgeben.“

Peter Petersen hofft, dass man trotz allem die Kartoffelkampagne noch vor Weihnachten abschließen kann. Wenn aber früh Frost kommen sollte, wird es richtig brenzlig auf den Feldern. „Kartoffeln atmen die ganze Zeit – wie wir Menschen – und können daher auch ertrinken“, so Peter Petersen, der wie viele andere hofft, dass endlich eine stabile Wetter-Periode kommt, damit man die Kartoffeln ernten und auch trocken Auf Halde legen kann.

Toftlunder Kartoffelmehlfabrik
Die Toftlunder Kartoffelmehlfabrik (Archivbild). Foto: Volker Heesch

Die AKS in Zahlen

Die „Andels-Kartoffelmelsfabrikken Sønderjylland“ (AKS) liegt bei Toftlund. Sie beschäftigt rund 35 Mitarbeiter und verarbeitet pro Jahr etwa 300.000 Tonnen Kartoffeln zu Stärke und Protein.

Aus den Reststoffen wird Viehfutter (Pülpe) und Dünger (Protamylasse) insbesondere für Ökobetriebe gemacht.

240 Kartoffelbauern besitzen die Toftlunder Fabrik, die mit den Fabriken in Brande und Karup unter dem Hut „Kartoffelmelcentralen“ zusammenarbeitet. Das Trio hat insgesamt 1.300 Zulieferer.

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