Telefonseelsorge

Bei Anruf Trost

Meike Riewerts
Apenrade/Aabenraa
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Foto: dpa

Eine neue Telefonseelsorge soll Trauernden in Dänemark zur Seite stehen. Hans Grundt vom Sozialdienst Nordschleswig und Pastor Matthias Alpen halten die Initiative grundsätzlich eine gute Sache – sprechen aber auch eine Warnung aus.

Viele Hinterbliebene fühlen sich einsam nach einem Trauerfall. Sie sind mit ihren Sorgen allein, entweder weil sie Angst haben, sich jemandem in ihrem sozialen Netzwerk anzuvertrauen, oder weil sie ein solches Netzwerk schlichtweg nicht haben. Eine neue landesweite Telefonseelsorge, die just gestartet ist, soll dies ändern und zwar mit Seelsorgern, die selbst betroffen sind.

Sowohl Matthias Alpen, Pastor aus Lügumkloster, als auch Hans Grundt, Abteilungsleiter des Sozialdienstes Nordschleswig, sind sich einig: Es ist absolut notwendig, einen Ansprechpartner im Falle eines Verlustes zu haben. Der Vorteil einer Seelsorge per Telefon ist für Hans Grundt die Anonymität: „Die Seelsorger am Telefon sind unbekannt und gefühlsmäßig nicht eingebunden. Wichtig ist natürlich, dass die Schweigepflicht eingehalten wird.“

Geringe Hemmschwelle

Als einen weiteren Vorteil nennt Matthias Alpen, Pastor im Pfarrbezirk Hoyer/ Lügumkloster, die geringere Hemmschwelle, in einem anonymen Telefonat über Gefühle und Sorgen zu sprechen.

Seelsorger sind meist Geistliche der jeweiligen Konfession. Eine Entlastung verspricht sich Pastor Alpen durch das neue Projekt allerdings nicht. Es sei aber eine gute Möglichkeit für Personen, die, aus welchen Gründen auch immer, keinen Kontakt zur Kirche haben, denn „Versprachlichung von Trauer ist absolut notwendig“, so Alpen. Etwas erstaunt zeigte sich Alpen darüber, dass es zuvor wohl nicht die Möglichkeit gab, sich, bei einem Trauerfall etwa, telefonisch Hilfe zu suchen. In Deutschland gebe es die „TelefonSeelsorge“ der beiden christlichen Kirchen, die Ratsuchenden aller Art zur Seite steht.

Die Leitungen der Telefonseelsorge sind jeden Tag zwischen 17 und 21 Uhr unter der Nummer 70 20 99 03 geöffnet und werden besetzt von rund 100 Freiwilligen zwischen 20 und 75 Jahren, die selbst einen Verlust erlitten haben – den eines Kindes etwa, eines Partners, Geschwisters oder eines Elternteils.

Keine professionelle Beratung

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter sind keine professionellen Seelsorger und können somit keine professionelle Beratung oder Behandlung anbieten, wie es auf der Homepage des Nationalen Trauerzentrums (Det Nationale Sorgcenter) heißt, das zusammen mit TrygFonden hinter dem Projekt steht.

In einem Gespräch mit Psychologen wird zuvor herausgefunden, ob die jeweiligen Personen sich für die Telefonseelsorge eignen, zusätzlich gibt es die Möglichkeit, einen Einführungskursus zu belegen sowie jeden zweiten Monat an einer Supervision teilzunehmen.

Landesweit publik machen

Pastor Matthias Alpen rät zur Vorsicht im Hinblick auf die Professionalität der Seelsorger: „Eine Kompetenz erwächst nicht automatisch daraus, dass man selbst einen Trauerfall erlebt hat.“ So blickt der 52-Jährige auf die Kieler Telefonseelsorge, bei der die Ehrenamtlichen eine 14-monatige Ausbildung durchlaufen müssen.

Selbst werde Alpen nur selten telefonisch um Hilfe gebeten, dies geschehe nach wie vor im persönlichen Gespräch. Ob die Telefonseelsorge gut angenommen wird und genügend Personal eingestellt wurde, wird sich in der kommenden Zeit zeigen, so Hans Grundt. Für die Familienberatung habe der Sozialdienst Nordschleswig beispielsweise viel zu wenig Personal, so der Abteilungsleiter. Für Grundt sei es nun wichtig, dass die Möglichkeit der neuen Telefonseelsorge landesweit bewusst gemacht wird.

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