Provokation

Wieder Stein des Anstoßes in Seth

Brigitta Lassen
Brigitta Lassen Lokalredakteurin
Seth/Sæd
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Mylins Warnung vor Nazismus und Kain-Syndrom (Brudermord, Kampf zwischen Gerecht und Böse, laut Jesus-Schüler Johannes) Foto: Brigitta Lassen

Der gebürtige Sether Christian Mylin provoziert erneut die Dorfgemeinschaft. Er meint, der Stein ist ein Geschenk für den Ort.

Der Lokalverein für Seth und Uberg will nicht tatenlos hinnehmen, dass der gebürtige Sether Christian Mylin einen provozierenden Stein mit der Inschrift „Bekæmp nazisme og kainsyndrom“ vor seinen Elternhof in Seth aufgestellt hat. Daher wird sich der Vorstand mit dem Thema auf seiner nächsten Sitzung befassen, versicherte die Vorsitzende des Vereins, Hanne Frisk Hansen.

Die Einheimischen wundern sich über Mylins Aktionen nicht mehr. Sie fassen sie als reine Provokation auf. Die jüngste Aktion löste aber dennoch viel Wirbel in Seth aus. Verdutzte Autofahrer halten auch an und schauen sich die Inschrift des Steins näher an, über den sogar ein Sack gestülpt worden war, der aber am nächsten Tag wieder verschwunden war.

Geschenk an Geburtsort

Der heute 80-Jährige bezeichnete den jüngsten Stein als ein Geschenk an seinen Geburtsort. Schon vor mehreren Jahren stellte der heute in Esbjerg wohnhafte Mylin den großen Grabstein seiner 1999 verstorbenen Frau Margit Mylin vor seinem Elternhaus auf. Der Uberger Gemeinderat hatte den Witwer aufgefordert, den Stein von der Grabstelle auf dem Friedhof zu entfernen, da er die zulässige Höhe überschritt. Der Stein steht seither vor dem Elternhaus Mylins.

Mit dem neuen Stein könne aber der Eindruck bei Auswärtigen erweckt werden, dass in Seth Nazis wohnen, meint nicht nur Hanne Frisk Hansen, die gemeinsam mit ihrem Mann Uwe in unmittelbarer Nachbarschaft das Bed- &-Breakfast Sovgodt8 führt. Man könne Mylin vermutlich nicht dazu zwingen, den Stein zu entfernen, da er auf seinem Grundstück stehe.

Mylin behauptete im Dezember gegenüber JydskeVestkysten, dass es bei der Steinsetzung zu einer verbalen Auseinandersetzung mit zwei Sethern, die der deutschen Minderheit angehören, gekommen sei, die ihn angeblich bedroht haben sollten. Auch sollten sie angekündigt haben, den Stein mutwillig zu zerstören. Er meldete den Vorfall bei der Polizei an, die die Sache nicht verfolgen wird, da kein strafbarer Verstoß vorliege.

Einer der beiden Angezeigten erklärte der Zeitung, dass er von Mylin als Nazi beschimpft worden war, als er ihn gefragt hatte, was so eine Aktion 70 Jahre nach Kriegsende solle. Er habe Mylin aber auch gesagt, dass er nicht alle Tassen im Schrank habe. Bedroht habe er ihn nicht.

Nicht Provokation, sondern Reaktion

Mylin fasst seine Aktion nicht als Provokation, sondern als eine Reaktion auf einen Artikel in Sønderjysk Månedsskrift auf, in dem der Historiker Hans Schultz Hansen über Spionageaktivitäten in Nordschleswig vor dem Einmarsch deutscher Truppen in Dänemark berichtet. Mehrere Namen seien genannt worden, der eine Beschuldigte stamme aus Seth.

Er sei in Seth aufgewachsen und habe die Spannungen zwischen Deutschen und Dänen miterlebt. In Seth habe es viele Spione und Agenten gegeben. Daher sei es wichtig, vor einem Aufblühen des Nazismus zu warnen. Sowohl in Dänemark als auch in anderen europäischen Ländern bestehe diese Gefahr, so Mylin.

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