Tønder Festival

Weltklasse in Tondern

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Tondern/Tønder
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Beim Tønder Festival muss man sich auch einen Besuch im Bolero oder in anderen intimen Spielstätten gönnen. Foto: Karin Riggelsen

Was sollte man beim Tønder Festival 2018 unbedingt erleben? Chefredakteur und Festival-Kenner Gwyn Nissen hat da ein paar Tipps.

136 Konzerte und Veranstaltungen stehen in den kommenden vier Tagen beim Tønder Festival an. Ein Mammut-Programm mit Weltklasse-Musikern, das es in sich hat. Haben Sie den Überblick? Sonst helfen wir Ihnen mit einigen Tipps auf den Weg.

Donnerstag

Donnerstags war auf dem Tønder Festival früher nicht viel los. Es war ein ruhiger Anlauf zum Wochenende hin. Heute macht das Festival einen Senkrechtstart und belohnt die Frühankömmlinge mit einem gigantischen Programm: Mit Oysterband, Michael Falch, Kellermensch (für die Rockfreunde), Mike Andersen Band, Sam Outlaw, Tami Neilson, Lukas Graham und The Mavericks legt das Tønder Festival gefühlt mit dem bisher prominentesten Donnerstags-Programm los. Dabei war der Donnerstag früher immer als Entdeckungstour gut geeignet. Mal sehen, ob das Festival auch mit den vielen großen Namen gleich abheben kann.

Bei gutem Wetter ist das Open-Air-Programm mit Tami Neilson, Lukas Graham und The Mavericks eine große, lange Party. Tami Neilson wusste schon vergangenes Jahr auf kleineren Bühnen und auf der Open-Air-Bühne mit ihrer 50er-Countryshow zu überzeugen. Das sehen auch die Veranstalter so und haben die Kanadierin daher wieder eingeladen. Wer sie 2017 nicht erlebt hat: Kreuz setzen.

Wer schon am ersten Tag das volle Programm durchzieht und bis spät unterwegs ist, hat gegen Mitternacht die Qual der Wahl: entweder Rock mit Kellermensch, klassischen, schottischen Folkrock mit Tide Lines oder Country mit Sam Outlaw. Eine schwierige Wahl – die beiden Letztgenannten spielen allerdings weitere Konzerte am Freitag.

Und wer sich dann noch auf den Beinen halten kann: Um 1 Uhr beginnt das Konzert der energischen Kanadier The
Great South – das ist schon eine ganz besondere Stimmung im intimen Bolero, wenn Bands um die Zeit auf die Bühne gehen.

Freitag

Das Tønder Festival besteht nicht nur aus großen Konzerten in den Zelten und der Open-Air-Bühne. Daher sollte man sich auch einen Besuch in den kleinen, intimen Spielstätten gönnen. Dazu muss man allerdings Schlange stehen, um eine Platzkarte zu ergattern – oder an der Spielstätte anstehen bis jemand das Konzert verlässt. Das kann aber dauern. Im Bolero schlage ich amerikanische Harmonien mit The Secret Sisters vor, im Geburtsort des Festivals, Visemøllen, sind mit All our Exes live in Texas ebenfalls starke Country-Frauenstimmen angesagt. Oder The Chair im Pumpenhaus, das als neue Konzertstätte in den vergangenen Jahren überzeugt hat. The Chair spielt temporeichen schottischen Folk.
Das Gleiche – nur mit mehr Strom – tut die Band Skerryvore ab 1.15 im Zelt 1 – das absolut späteste Konzert mit einer der aktuell besten Folkrockbands. Also, wach bleiben! Dabei hilft sicherlich das Tribute-Konzert für den Bluesmusiker B. B. King – das kann nur ein heißes Konzert werden.
Nicht alle Musiker kommen nach Tondern mit einem großen Namen, und beim Festival werden auch die Stars von morgen geboren: Daher unbedingt auf der Klubbühne die Talente von Folk Spot Denmark anhören. Auf einer solchen Bühne stand vor einigen Jahren auch Jacob Dinesen. Der ist übrigens zu einem Artists Talk im Pumpehuset eingeladen, wo er über sich und seine Musik erzählt.

Harald Haugaard und sein Folk Baltica Ensemble. Foto: Karin Riggelsen

Sonnabend

Eine der Traditionen, die das Tønder Festival beibehalten hat, sind die Circle-Konzerte. Hier werden verschiedene Musiker gesammelt, und häufig laden sie auch noch weitere Kollegen auf die Bühne, um gemeinsam zu musizieren. Hier bekommt man als Zuhörer einen bunten Blumenstrauß von dem, was das Festival musikalisch zu bieten hat. Sonnabendnachmittag gibt es den Women’s Circle und am Tag darauf den Gentlemen’s Circle.

Zwei weitere Höhepunkte am Sonnabend gibt es im Zelt 2: Hier spielt zunächst der einfühlsame dänische Liedermacher Søren Huss und danach die Grande Dame der irischen Folkmusik, Sharon Shannon.

Auf der Open-Air-Bühne geht die Party weiter: Diesmal mit The Chair, Jeffrey Foucault, Skerryvore und The Lone Bellow. Wenn ich wählen müsste: Das Trio The Lone Bellow aus New York trifft mit seinem Americana den Zeitgeist des Tønder Festivals auf den Punkt.

Und dann heißt es unbedingt anstehen: Darlingside und Bros. Landreth spielen an diesem Tag im Pumpehuset und Bolero. Hier gibt es die volle Spielzeit – denn die beiden amerikanischen Bands, die mit ihren Harmonien zu überzeugen wissen, spielen auch beim Abschlusskonzert am Sonntag.

Sonntag

Der Sonntag hat es noch in sich. Das Programm ist in den vergangenen Jahren erweitert worden, um auch am Abschlusstag den Besuchern etwas zu bieten. Im Zelt 1 geben zwei starke Frauen jeweils ein Konzert: Sharon Shannon ist vormittags noch mal dran, und am Abend kommt die dänische Liedermacherin über allen: Anne Linnet.
Auch nicht versäumen sollte man das FolkBaltica Ensemble – junge Musiker aus dem deutsch-dänischen Grenzland unter der Leitung von Harald Haugaard. Wer danach noch Energie hat, kann weiter aus dem Vollen schöpfen: schottischen Folk mit Imar, schwedische Lieder mit Mikael Wiehe, nordjütischen Humor mit Niels Hausgaard sowie Bands und Liedermacher aus den USA, Kanada und Großbritannien.

Es gibt keinen Grund, Sonntag nach Hause zu fahren, zumal es am Abend noch einen Höhepunkt gibt mit Darlingside, Bros. Landreth und Lone Bellow. Ein traditionelles Abschlusskonzert wie früher ist es allerdings nicht, denn in Tondern spielt die Musik auch am letzten Tag noch bis weit nach Mitternacht. Alle Termine und Spielzeiten gibt es auf tf.dk oder auf der Festival-App.

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