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Was suchen Feriengäste an der Westküste? Natur pur

Was suchen Feriengäste an der Westküste? Natur pur

Was suchen Feriengäste an der Westküste? Natur pur

Tondern/Tønder
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Die Feriengäste wollen dem Großstadtrummel entfliehen und suchen die Ruhe in der Natur. Foto: Monika Thomsen

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Urlauberinnen und Urlauber wollen im Nationalpark Wattenmeer keine störenden Faktoren sehen, ergab eine Umfrage in den Wattenmeerländern Dänemark, Deutschland und den Niederlanden. Und vielen Gästen reicht eine Pommes-Straße nicht; sie wollen kulinarische Erlebnisse.

Warum zieht es verstärkt Feriengäste in das Nationalpark-Gebiet Wattenmeer – im Norden von Esbjerg bis zur deutsch-dänischen Grenze, Schleswig-Holstein, Niedersachsen bis zu den Niederlanden? Eine in diesen Ländern durchgeführte Umfrage ergab eine eindeutige Antwort: 91 Prozent der Urlauberinnen und Urlauber geben als wichtigsten Grund an, dass sie eine unberührte und geschützte Natur erleben wollen.

Die Umfrage wurde im Zeitraum von Juli 2020 bis Juni 2021 durchgeführt. In Dänemark stellten sich 579 Personen für ein Interview zur Verfügung. Entspannung, Natur, Umwelt, die Lage und der Nationalpark sind für sie die wichtigsten Gründe, an die Westküste zu fahren. Faktoren, die den Nationalpark-Behörden bekannt sind. Die dort Urlaub machenden Menschen geben an, dass sie den Großstädten entfliehen wollen und Ruhe suchen. Diesen Wunsch hatten 82 Prozent der Befragten.

Unberührte und intakte Natur

Dass diese in einem solch hohen Maß eine beschützte und intakte Natur vorfinden wollen, ist für die Nationalpark-Behörden neu. 77 Prozent kommen wegen der Landschaft, 65 Prozent wegen des Klimas und der reinen Luft, und 62 Prozent wegen der Natur und 55 Prozent, weil die Region ein Nationalpark ist.

92 Prozent der Befragten führen die geschützte Natur als wichtigen (19 Prozent) und zu 72 Prozent als wichtigsten Grund für ihre Urlaubsreise an. 90 Prozent halten Erlebnisse in einer intakten Natur für sehr wichtig (52 Prozent) oder wichtig (38 Prozent).

„Sie kommen zu uns wegen der Natur, die geschützt und intakt sein soll. Sie mögen kein Menschengedränge und keine Natur in einem schlechten Zustand“, so der Leiter des Nationalpark-Sekretariats, Peter Saabye Simonsen, auf Röm (Rømø).

Die Befragung gibt dem Tourismusgewerbe und der Politik ein wichtiges Signal, dass man auf die Natur achtgeben muss.

Peter Saabye Simonsen

92 Prozent der Befragten meinten auch, dass es für sie mit ausschlaggebend gewesen ist, dass sie einen Nationalpark und eine Weltnaturerbe-Region besuchen.

„Daher ist es wichtig, dass die Feriengäste wissen, wo sie sich aufhalten dürfen und zu welcher Jahreszeit. Die Befragung gibt dem Tourismusgewerbe und der Politik ein wichtiges Signal, dass man auf die Natur achtgeben muss und beide herausfinden, wie viele Feriengäste eine Region fassen kann. Eine gute und informative Art der Steuerung des Tourismus muss ernsthaft bei dem Wunsch nach neuen Übernachtungsmöglichkeiten oder mangelhafter Infrastruktur berücksichtigt werden“, fordert der Sekretariatschef.

Keine Kurtaxe: In Dänemark kann man die Strände kostenlos besuchen. Foto: Karin Riggelsen

Für 46 Prozent der Befragten war es wichtig, dass die Ferienbetriebe umweltfreundlich arbeiten. 35 Prozent würden sogar Geld für den Naturschutz in dieser Region spenden wollen. 

Neues Interreg-Programm

Auf der Grundlage der Umfrageergebnisse wollen der Nationalpark Wattenmeer, die deutsche Tourismusorganisation Nordsee Tourismus und Verdensnaturfonden ein grenzüberschreitendes und von der EU gefördertes Interreg-Programm starten. In Zusammenarbeit zwischen Behörden, dem Tourismus und Naturberatenden sollen zusammen mit der staatlichen Naturbehörde in Dänemark und den Feriengästen Erlebnisse gefunden werden, die der Natur zugutekommen. Hinzu sollen einheitliche Verhaltensregeln festgelegt und die Qualität der Naturführungen gesteigert werden. Der Antrag wird von den dänischen Tourismusverbänden Destination Sønderjylland, Destination Vadehavskysten, Destination Vesterhavet, Dansk Kyst og Naturturisme, VisitDenmark, dem Nationalpark Thy und deutschen Partnern unterstützt.

Die Feriengäste lieben die breiten Strände auf Röm (Archivfoto). Foto: Karin Riggelsen

Dass sich die Westküste als Urlaubsziel im Aufwind befindet, zeigt auch eine Analyse, die die Tourismusorganisation Vestkystturisme (ein Zusammenschluss der Destinationen Vadehavskysten, Vesterhavet und Nordvestkysten) im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben hatte. 3.048 Feriengäste aus Dänemark, Deutschland, Norwegen, Schweden und den Niederlanden wurden an 20 verschiedenen Orten in der Hauptferiensaison vom 13. Juli bis zum 31. Oktober befragt. Die meisten Gäste an der Westküste kommen aus diesen fünf Ländern. 83 Prozent der Befragten haben die Westküste mehr als einmal besucht.

 

Im ersten Halbjahr 2022: 7 Millionen Übernachtungen

 

Im ersten Halbjahr 2022 wurden 7 Millionen übernachtende Gäste verzeichnet. Das sind 2 Millionen mehr als in Kopenhagen. Die Westküste sei Dänemarks treibende Kraft innerhalb des Tourismus, aber es müsse national investiert werden, um erfolgreich zu sein, meint Mogens Christen Gade, Vorsitzender für die Partnerschaft Vestkystturisme und Bürgermeister in Jammerbugt Kommune.

Zehn Kommunen in einem Boot

In der Destination Küstentourismus ziehen zehn Kommunen an einem Strang. Das sind:  Hjørring, Jammerbugt, Thisted, Lemvig, Holstebro, Ringkøbing-Skjern, Varde, Esbjerg, Fanø und Tondern.

Als besonders attraktiv halten die Feriengäste die kostenlosen Erlebnisse in der Natur, ein breites Angebot an kulturellen Höhepunkten und kulinarischen Erlebnissen sowie Shoppingmöglichkeiten, wenn man mehr als den Badeurlaub wünscht oder schlechtes Wetter ist. Die Befragten haben aber zu erkennen gegeben, dass diese Lust nur in der Hauptsaison befriedigt wird.

„Die Touristen, die hauptsächlich aus Dänemark und Deutschland kommen, loben die Natur, meinen aber doch, dass ihnen das Angebot an Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants besonders außerhalb der Hauptsaison nicht ausreicht. Wer zum ersten Mal an die Westküste kommt, legt großen Wert auf Erlebnisse für Feinschmecker. „Vielen Gästen reicht die Pommes-Frites-Straße nicht aus. Es gibt Verbesserungsmöglichkeiten, um so auch andere Zielgruppen ansprechen zu können“, so Mogens Christen Gade.

Im Volksmund wird die Einkaufsmeile in Lakolk Pommes-Frites-Straße genannt (Archivfoto). Foto: Karin Riggelsen

Das hat die Kommune Tondern erkannt, als sie vor einigen Jahren die Geschäftsmeile in Lakolk verschönerte und auch den Gewerbetreibenden attraktivere Bedingungen bot. Die Lakolker Meile wird zumindest bei Bürgerinnen und Bürgern der Kommune Tondern als Pommes- oder Fritten-Straße bezeichnet. Doch auch hier und auf dem Rest der Insel ist während der Wintermonate rein kulinarisch nicht viel zu holen. Die Restaurants ruhen sich nach einer hektischen Hauptsaison aus.

Auf ein geteiltes Echo ist der Plan gestoßen, in Lakolk ein Luxushotel zu bauen. Die einen sehen die Notwendigkeit, die anderen fürchten um die Natur nahe der Dünen und des Strandes.

 

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