Kommunalpolitik

Tondern Stadtrat zieht „Drohung“ an sein Personal zurück

Tonderner Stadtrat zieht „Drohung“ an sein Personal zurück

Tonderner Stadtrat zieht „Drohung“ an sein Personal zurück

Lügumkloster/Løgumkloster
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Das Personal der Kommune Tondern kann aufatmen. Die Lohnkürzung ist vom Tisch. (Archiv) Foto: Monika Thomsen

Die Angestellten müssen nicht mehr vor einer Lohnkürzung bei einer Fahrt über die deutsch-dänische Grenze fürchten. Bei der Entscheidungsfindung entspann sich eine heiße Diskussion mit vielen Änderungsvorschlägen.

Unterschiedliche Interpretationen über die Reiseempfehlungen des Außenministeriums in Corona-Zeiten, Vertrauen kontra Misstrauen, Verantwortung kontra Verantwortungslosigkeit und wenn aus einem Kann ein Muss wird.

Darüber konnte der Tonderner Stadtrat am Donnerstagabend mehr als eine Stunde diskutieren, bis ein Vorschlag von Claus Hansen (Liberale Allianz) die notwendige Mehrheit von 17 Stimmen erlangte. Das Ergebnis der langen Debatte ist, dass die 3.800 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Kommune Tondern nicht mehr eine Lohnkürzung fürchten müssen, wenn sie sich nach einer Fahrt über die deutsch-dänische Grenze und sich nach einer Empfehlung des Ministeriums in zweiwöchige Quarantäne begeben.

Die Kommune Tondern wollte für die 14 Tage kein Gehalt zahlen. Schließlich sei die Fahrt in der Freizeit des Personals unternommen worden.

Die Verwaltung hatte die Reiseempfehlung dahingehend interpretiert, dass der Lohnanspruch bei einer Isolation entfalle. Ganz klar auf dieser Wellenlänge lag Bürgermeister Henrik Frandsen, ohne dass er jedoch von einer Bestrafung der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen explizit einging. Er sprach nur von einer Einhaltung der Reiseempfehlung.

Personal ist gewissenhaft und verantwortungsbewusst

Die Befolgung wollten alle 30 anwesenden Stadtratsmitglieder (Venstre-Politiker Matthias Hansen verfolgte die Sitzung virtuell aufgrund eines Corona-Verdachts), wenn es diesen erwähnten Absatz über die 14-tägige Isolation ohne Lohn nicht gegeben hätte. Es wurden verschiedene Formulierungsänderungen vorgeschlagen, denn es dürfe nicht der Verdacht aufkommen, dass die Kommune ihrem Personal nicht vertraue, unterstrichen mehrere Politiker.

Jens Møller (l.) feierte sein Comeback in der Venstre-Fraktion. Foto: Brigitta Lassen

Die 14-tägige Isolation auf eigene Kosten könne als Drohung interpretiert werden. Dabei seien die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sehr gewissenhaft und verantwortungsbewusst. In Bezug auf die Lohnkürzung bei der empfohlenen häuslichen Quarantäne würde aus einem Kann plötzlich ein Muss werden, lautete die Kritik.

Nach meiner Meinung ist es egal, ob man seine Tante in Tingleff besucht oder nach Schleswig-Holstein fährt. Hier geht es nicht um Grenzhandel, Marzipan für Weihnachten zu kaufen oder eine Ländertournee zu starten, sondern ums Grenzland und zwischenmenschliche Beziehungen.

Mathilde Ziefeldt, SF-Stadtratsmitglied

Die Grenze zu Schleswig-Holstein würde eher als eine kommunale Grenze denn als eine Landesgrenze aufgefasst werden. Im nördlichen Bundesland sei der Infektionsdruck um ein Vielfaches geringer. „Und viele unserer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben Verwandte südlich der Grenze haben. Nach meiner Meinung ist es egal, ob man seine Tante in Tingleff besucht oder nach Schleswig-Holstein fährt. Hier geht es nicht um Grenzhandel, Marzipan für Weihnachten zu kaufen oder eine Ländertournee zu starten, sondern nur ums Grenzland und zwischenmenschliche Beziehungen“, meinte SF-Mitglied Mathilde Ziefeldt, unterstützt von mehreren Kollegen, die den verschärften Kurs gegenüber dem Personal auch ablehnten.

Ein leicht irritierter Bürgermeister Henrik Frandsen versuchte, den Überblick zu bewahren und Konklusionen zu ziehen, in welcher Reihenfolge die Vorschläge zur Abstimmung gebracht werden sollten. Von verschiedenen Seiten wurden seine Schlussfolgerungen in Frage gestellt.

Nach geschlagenen 81 Minuten und einer langen und zähen Diskussion wurde über den Vorschlag von Claus Hansen abgestimmt. 17 der 31 Politiker unterstützten seinen Vorschlag, den Absatz einfach fallen zu lassen. Henrik Frandsen und seine fünf Kollegen von der Tønder Listen votierten dagegen, Sozialdemokraten und Dänische Volkspartei enthielten sich der Stimme.

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