Deutsche Minderheit

In memoriam: Christian Kier

In memoriam: Christian Kier

In memoriam: Christian Kier

jeising/Jejsing
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Christian Kier bei der Präsentation seines lokalhistorischen Buchs in der Lokalredaktion des „Nordschleswigers“ in Tondern Foto: Volker Heesch

Der frühere Stadtratspolitiker der Schleswigschen Partei, Christian Kier, ist im Alter von 93 Jahren verstorben. 24 Jahre lang gehörte der Jeisinger dem Kommunalrat an. Sein letzter Wunsch erfüllte sich.

Seinen Humor behielt er bis zuletzt, schäkerte gerne auch im hohen Alter mit Frauen, und er war zu zufrieden. Im Alter von 93 Jahren ist Christian Kier verstorben. Seine letzte Lebensstation war Richtsens Pflegeheim in Tondern. Dorthin zog er im Jahr 2019, und fühlte sich dort gleich sehr wohl. Die längste Zeit seines Lebens verbrachte er aber in seinem Heimatort Jeising (Jejsing).

Christian Kier war ein geselliger und kontaktfreudiger Mensch. Er besuchte viele Veranstaltungen, nicht nur die der deutschen Minderheit. Zuletzt machte er sich mit seinem Elektroroller auf den Weg und war ein bekanntes Gesicht in Jeising und in Tondern.

Sein großer Wunsch vor seinem Tod war, ein letztes Mal mit seinem Sohn Thomas, dessen Frau Ina und den beiden Enkeln Anne und Lars Weihnachten in Osterhoist (Øster Højst) feiern zu dürfen. Dieses Ziel hatte er sich gesetzt und erreichte es, obwohl es für ihn zur großen Kraftanstrengung wurde.

Keiner konnte ihm böse sein

Christian Kier war ein Mensch, dem keiner böse sein konnte. Er kommentierte vieles mit seinem ureigenen Humor und neckte auch gerne mit einem Augenzwinkern. So lernten ihn seine Mitbewohner und das Personal in Richtsens Pflegeheim auch kennen, wo er oft auch von Freunden und Bekannten aus nah und fern besucht wurde.

Sein gutes Miteinander mit anderen Menschen zeigte sich auch in seiner langjährigen Arbeit als Stadtratsmitglied der Schleswigschen Partei (SP). 1974 wurde er erstmals in den Kommunalrat gewählt und gehörte diesem 24 Jahre an, 20 Jahre davon als engagierter Vorsitzender des Technischen Ausschusses. Mit allen Kollegen, egal welcher Parteiangehörigkeit, hatte er ein gutes Auskommen. Der Kontakt bestand noch bis vor einigen Jahren.

Marie und Christian Kier fotografiert anlässlich ihrer goldenen Hochzeit Foto: Archivfoto

SP-intern krachte es

Intern krachte es schon mal in der Fraktion der Schleswigschen Partei, da Christian Kier sich nicht immer mit seinen Kollegen Jens Peter Hansen und Dieter Wernich einig war. Als einen seiner größten Erfolge bezeichnete er den Erhalt des Tonderner Wassersturms. Dieser und der Turm der Christkirche dienten ihm beim Viehtreiben auf den Markt als Peilmarke, hat er oft erzählt.

Christian Kier machte keinen Hehl aus seiner deutschen Gesinnung, sei aber nach eigenen Aussagen nie fanatisch gewesen. Er kam mit allen Dorfbewohnern gut aus. Auch sie schätzten ihn wegen seiner großen Ehrlichkeit und seiner positive Ausstrahlung.

Ahnenforschung war eine große Leidenschaft

Sehr gern widmete sich Christian Kier der Ahnenforschung. Auch mit der Kamera war er oft unterwegs und produzierte viele interessante Schmal- und Videofilme, die er später auf DVD überspielte. Denn Berührungsängste mit den technischen Errungenschaften hatte er nicht.

Vor vielen Jahren brachte er auch eine lokalhistorische Schrift über seinen Heimatort heraus. Denn Jeising war der Dreh- und Angelpunkt seines Lebens. Auf dem elterlichen Hof, der 1933 abbrannte, wurde er geboren und wuchs dort mit sechs Geschwistern auf. Aus seinem eigentlichen Berufswunsch, Mechaniker oder Seefahrer zu werden, wurde nichts, als sein ältester Bruder Ernst Broder im Krieg fiel.

So musste „Chrischan“ Kier ran. 1988 setzte er sich mit seiner geliebten Ehefrau Marie zur Ruhe, die er bis zu ihrem Tod Anfang 2005 nach unheilbarer Krankheit und nach mehr als 50 Ehejahren verlor. In der Ehe wuchs der Sohn Thomas auf. Eine enge Beziehung hatte er zu seinen beiden Enkelkindern, und er verfolgte interessiert deren Werdegang.

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