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Gelungene Jagd mit der Kamera auf Naturmotive

Gelungene Jagd mit der Kamera auf Naturmotive

Gelungene Jagd mit der Kamera auf Naturmotive

Tondern/Tønder
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Carl Christian Christiansen hat erneut mit seiner Kamera besondere Naturschauspiele eingefangen. (Archiv) Foto: Elise Rahbek

Der Tonderner Naturfilmer Carl Christian Christiansen hat seinen 19. Film im Kasten. Es zieht den 85-Jährigen nahezu täglich hinaus in die Köge.

„Ich kann es einfach nicht lassen. Ich bin fünf- bis siebenmal in der Woche draußen, sonst ist es ein verlorener Tag“, sagt der Tonderner Naturfilmer Carl Christian Christiansen in Gedanken an seine nahezu täglichen Abstecher in die Natur.

Sein ständiger Begleiter ist dabei die Kamera. Er hat mit einer Nikon und einer Cannon zwei Fotoapparate, die filmen können.

Mittlerweile liegt mit „In Marsch und Moor“ (I marsk og mose) seine 19. Produktion vor.

Ein passend grauer Tag, um zu redigieren

Gewöhnlich zieht es ihn über Mittag in die Natur hinaus.

Als der „Der Nordschleswiger“ ihn an einem Novembervormittag besucht, nutzt er die graue Witterung dazu, um seinen Film Nummer 20 zu redigieren.

Heute gibt es draußen nicht genügend Kontraste.

Carl Christian Christiansen, Naturfilmer

„Heute gibt es draußen nicht genügend Kontraste“, so Christiansen, der 1999 verwitwete. Seine Tochter lebt in Kopenhagen und sein Sohn in Abel (Abild).

Mit seinen Aufnahmen und dem Blick für das Detail von Fauna und Flora nimmt er die Zuschauer unter anderem ins Kongsmoor im Drawitter Wald mit.

Es gibt jedoch auch Winteraufnahmen aus seinem Garten am Kongevej in unmittelbarer Nähe des Museums.

Das Dompfaff-Pärchen gehört zu den treuen Wintergästen in Christiansens Garten (Bildschirmfoto) Foto: Carl Chr. Christiansen

Bei Vogelfütterer Christiansen geben sich Blaumeise, Kohlmeise, Specht und Dompfaff ein vergnügt zwitscherndes Stelldichein.

„Das Dompfaff-Pärchen kommt jedes Jahr“, so Christiansen. Auf der heimischen Terrasse ist ihm eine Nahaufnahme einer Maus gelungen, die Vogelfutter stibitzt.

Zu sehen sind außerdem enorme Schwärme von Staren, die auf dem zugefrorenen Ruttebüller See landen.

Der Salzwassersee wird gerne angepeilt

Oft verschlägt es den Naturliebhaber mit seiner Kamera an ein anderes Gewässer, den Salzwassersee im Margrethenkoog.

„Ich bin aber auch im Neuen und Alten Friedrichenkoog unterwegs.

„Dort ist mir auch eine lustige Aufnahme mit einem Fischreiher gelungen, der eine große Ratte gefangen hat“, so Christiansen in Gedanken an die Sequenz, bei der der Vogel seine Beute zwischendurch laufen lässt, nur damit sie im nächsten Moment wieder in seinem Schnabel herumzappelt.

Lieblingsposition am Grænsevej

Sein Lieblingsplatz zum Filmen ist der Grænsevej.

„Dort ist immer zu beiden Seiten der Straße etwas los“, meint er auch mit Blick auf den Rickelsbüller Koog.

„Die Augen eines Naturfotografen werden jedoch durch den Wildschweinzaun gestört. Da sind nur Nahaufnahmen möglich.“

Der Auto-Ornithologe

Da der 85-jährige Christiansen sich meistens im Auto an seine Motive heranpirscht und aus dem Autofenster heraus filmt, tituliert er sich selbst mit einem Augenzwinkern als „Auto-Ornithologe“.

„Die großen Schwärme der weißen Goldregenpfeiffer sind mindestens genauso schön wie Sort sol“, so Christiansen mit Bezug auf die dänische Bezeichnung des Phänomens mit den Formationen der Stare, bevor sie ihr Nachtquartier aufsuchen.

Kämpfende Hirsche

Zu den vierbeinigen „Darstellern“ gehört Rotwild in der Brunft. Zudem gibt es ein „Duell“ zwischen zwei kämpfenden Hirschen, wobei der Platzhirsch erfolgreich sein Revier verteidigt und seinen Nebenbuhler in die Flucht schlägt.

Carl Christiansen beim Redigieren Foto: Monika Thomsen

Neben der Vielfalt der verschiedenen Gänsearten meldet sich ein Frosch quakend zu Wort. Ein Seeadler spielt mit großen Flügelschlägen mit, und es gibt einen „Boxkampf“ zwischen zwei Rammlern.

Bei Christiansen sitzt der Zuschauer auch in der ersten Reihe, wenn ein Rotschenkel sein Gefieder putzt.

Nonnengänse in großen Scharen

Immer wieder zu sehen sind die supergroßen Scharen der Nonnengänse, die im September und Oktober wieder Kurs auf die Marsch nehmen, wenn sie in den nördlicheren Gefilden gebrütet haben.

„Ich hatte Glück und habe sie beim Hasberger See gefunden. Das ist ein gutes Vogelgebiet“, weist Christiansen auf eine Aufnahme mit der seltenen Rohrdommel hin.

Den Silberreiher sieht man zunehmend, er ist weiß wie Schnee.

Carl Chr. Christiansen, Naturfilmer

„Den Silberreiher sieht man zunehmend, er ist weiß wie Schnee“, führt Christiansen an.

Während er schon als Junge fotografierte, so hatte seine Leidenschaft fürs Filmen vor knapp sechs Jahrzehnten mit einer 8-Millimeter-Kamera angefangen.

Als er 1963 dem vor einigen Jahren verstorbenen Filmfotografen Hans Friedrich Hansen aus Risum-Lindholm begegnete, riet dieser ihm, auf 16 Millimeter umzusteigen.

2002 auf digital umgesattelt

Das digitale Zeitalter brach vor 18 Jahren bei dem früheren Kaufmann an. Hans Christian Høijer Apenrade (Aabenraa), bei dem er die Filme bespricht, hatte ihn damals dazu überredet, so Christiansen.

Die Nummer 20 in Christiansen Produktion, die den Titel „Markslandskabet fra forår til vinter” tragen wird, ist zweiteilig.

Für einen Nachschlag

„Bei meinen Filmvorführungen erlebe ich oft, dass die Leute nach mehr fragen. Daher habe ich einen kürzeren Teil eingespielt, der eine passende Länge hat, um nach der Kaffeepause gezeigt zu werden“, so Christiansen.

In diesem Streifen wird es auch einen Eindruck von der Vogelgrippe geben, da er bei seinen Aufnahmen im November auf viele verendete Vögel gestoßen ist.

Coronabedingt sind viele seiner gebuchten Filmabende abgesagt worden. Er hofft, dass sich die Lage im kommenden Jahr bessert.

Eine Maus macht den Vögeln im Garten ihr Futter abspenstig. (Bildschirmfoto) Foto: Carl Christian Christiansen

Und welche Lieblingsvögel hat der Naturfilmer?

„Meine Favoriten sind der Kampfläufer und die Doppelschnepfe", verrät Christiansen.

Passierschein für den Margrethenkoog

Als 1982 der neue Deich eingeweiht wurde, hatte Christiansen einen Film für die Ausstellung an der Schleuse gedreht.

Vom damaligen Umweltminister Christian Clausen habe er eine Ausnahmezulassung erhalten, in den Margrethenkoog fahren zu dürfen. Diesen Passierschein hat er immer noch.

Neuerdings gehörten zu seinen Aufträgen fünf kleinere Streifen für das Naturcenter Tønnisgård auf Röm (Rømø).

Früh aus den Federn

Während er in dieser Jahreszeit erst über Mittag mit seiner Kamera loszieht, so ist er im Sommer früh aus den Federn und ist um 4 oder 5 Uhr unterwegs.

Ausschlaggebend dafür war seinerzeit ein Rat des befreundeten Filmmannes Hans Friedrich Hansen: „Du musst los morgens, bevor der Mensch wach ist“, so Christiansen, der sich immer noch daran hält.

Die Natur hat den früheren Jäger immer interessiert, besonders im Koog.

Christiansen zieht zu allen Jahreszeiten mit seiner Kamera los. (Archiv) Foto: Elise Rahbek

„Du musst dafür geboren sein“, meint er auf die gute Portion Geduld angesprochen, die das Filmen in der Natur erfordert.

Ans Aufhören verschwendet er keine Gedanken.

„Keine Zeit, um alt zu werden"

„Bei uns im Freundeskreis lautet ein Spruch: Wir haben keine Zeit, um alt zu werden“, so der 85-Jährige mit einem Lachen.

Einige Kunden haben den DVD-Film, der bei ihm direkt für 200 Kronen erhältlich ist, bereits vorbestellt.

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