Tønder Festival

Fünf Dinge die wir beim Tønder Festival gelernt haben

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Tondern/Tønder
Zuletzt aktualisiert um:
Ein Konzert der Superlative: Die schottische Band Skerryvore , die bereits 2014 und 2015 beim Festival auftrat. Foto: Karin Riggelsen

Wenn der letzte Ton verklungen und das letzte Bier getrunken ist, bleibt eine Frage: Wie war es, das Tønder Festival? Chefredakteur Gwyn Nissen zieht eine Bilanz in fünf Punkten.

  1. Das neue Konzept mit einem geschlossenen, gesammelten Festplatz hat sich endgültig bewährt. In diesem Jahr waren die Mehrtageskarten erstmals ausverkauft – ein riesiger Erfolg für das Festival, denn vor allem darauf basieren die Finanzen. Da auch die Tageskarten für Sonnabend alle vergriffen waren, kann der Kartenverkauf eine Herausforderung werden, denn ein ausverkauftes Festival bedeutet auch, dass man einen Teil seines Publikums enttäuschen muss. Auf der anderen Seite darf das Festival auch nicht viel größer werden: In Tondern trifft sich ein verwöhntes Publikum, dass sich lange Wartezeiten und Schlangen nicht gefallen lässt. Ein Dilemma für das Festival – aber ein erfreuliches.
  2. Das Tønder Festival sorgt weiterhin für Überraschungen. Auch wenn der Laden heute professioneller geführt wird denn je, gibt es diese kleinen magischen Momente in Tondern, die es anderswo nicht gibt. Wer hätte gedacht, dass es ein riesiger Spaß sein würde, an einem verkaterten Sonnabendvormittag gemeinsam mit Romengo alte Zigeunerlieder zu singen – und zu tanzen?
  3. Tondern kennt sein Publikum und legt dabei einen schwierigen Spagat hin: Die alten, treuen Fans der irischen und schottischen Folkmusik kommen weiterhin auf ihre Kosten (auch wenn Geige und Flöte weniger werden), während das neue Publikum ebenfalls viel für sein Geld bekommt. Dabei scheint das Tønder Festival immer noch nicht ganz die musikalische Linie gefunden zu haben, dem man ein Prädikat aufsetzen kann: Ist es ein Folk-, Country-, Rock-, Blues-, Americana-Festival? Aber was macht das, so lange alle finden, dass es ein gutes Festival mit hohem Niveau ist.
  4. Tondern bleibt experimentierfreudig. Das ist vielleicht die aller größte Stärke des Tønder Festivals: hier traut man sich Chancen zu ergreifen und hat keine Angst, mal neben der Zielscheibe zu treffen. Wer Radiohits hören möchte, geht woanders hin. Wer neue, spannende Musik und Namen entdecken möchte, der kommt nach Tondern und wird nicht enttäuscht.
  5. Das Tønder Festival ruht sich nicht auf den Lorbeeren der Vorjahre aus. Es unterzieht sich selbst einer ständigen Entwicklung und das in allen Bereichen die etwas für das Publikum bedeuten: Musik, Catering, Festplatz und Stimmung. Das Tønder Festival ist nicht mehr wie früher – und das ist gut so. Es ist besser und die beiden starken Frauen Maria Theessink und Kirstine Uhrbrand sind an der Spitze des Festivals nicht mehr wegzudenken.
Mehr lesen