Tourismus

Ferienpark in Emmerleff: Mit dem Wattenmeer als Panorama

Ferienpark in Emmerleff: Mit dem Wattenmeer als Panorama

Ferienpark in Emmerleff: Mit dem Wattenmeer als Panorama

Emmerleff-Kliff
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Ein Blick aus den geplanten Ferienwohnungen in Emmerleff: Hier sitzt man wirklich in der ersten Reihe. Foto: Tegnestuen Mejeriet

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Die Kommune Tondern hat jetzt die Katze aus dem Sack gelassen: 65 Wohnungen mit Wellnessbereich und Restaurant sollen gebaut werden. Bürgermeister lässt einen Vergleich mit gescheiterten Milliarden-Projekt Nordseeland nicht zu.

In Lakolk auf Röm (Rømø) soll ein großes Hotel mit Blick auf das Wattenmeer gebaut werden. Der Tourismus in der Kommune Tondern soll weiter angekurbelt werden. Und auch am Emmerleffer Kliff soll sich etwas tun.

Was dort genau entstehen soll, über das „Der Nordschleswiger“ schon am 23. Juni berichten konnte, darüber informiert die Kommune jetzt in einer Pressemitteilung und lässt die Katze aus dem Sack. Zumal am Montagabend die Grundbesitzer zu einem Informationsabend eingeladen sind.

Der Plan der Aarhuser Firma Pantheon A/S sieht vor, direkt in Strand-/Küstenlage und mit dem Wattenmeer als Panorama 65 kleinere Ferienwohnungen mit Wellnessbereich und einem Restaurant zu bauen. So sollen 240 Bettenplätze geschaffen werden. Pantheon entwickelte das Projekt, für das jetzt Investoren gefunden werden müssen.

Vom hochgelegenen Kliff bietet sich freier Blick auf das Wattenmeer (Archivfoto). Foto: Volker Heesch

Gleiches gelte für die Außenanlagen des Ferienparks. Gepflanzt wird das, was mit dem natürlichen Umfeld des Emmerleffer Kliffs harmoniert. Es werden Gehwege zwischen den Neubauten angelegt, sodass sich Spaziergängerinnen und Spaziergänger auch weiter dort aufhalten können. Im nördlichen Bereich des Emmerleffer Kliffs liegen schon heute mehrere Sommerhäuser. Dort liegt auch ein Campingplatz. Außerdem sind schon in früheren Jahren Ferienwohnungen gebaut worden.

Wie „Der Nordschleswiger“ in der vergangenen Woche schrieb, hat sich das Unternehmen schon Vorkaufsrechte für fünf Immobilien gesichert. Mit dem Projekt, so die Kommune, würden benötigte Übernachtungsmöglichkeiten für den Tourismus in der Tonderner Marsch geschaffen. Großer Wert wird darauf gelegt, dass sich der Neubau in die Natur und an die bestehende Bausubstanz einpasst werden, so der Projektmacher von Pantheon, Flemming Therkelsen. Das Projekt würde sich sehr unauffällig in die Landschaft einpassen, versichert er.

Viele Gäste am Emmerleffer Kliff

An das Kliff mit seinem einzigartigen Ausblick auf das Wattenmeer und das Weltnaturerbe führt es schon heute viele Einheimische und Urlauberinnen und Urlauber. Die Kommune hatte schon früher das Gebiet als neues Feriengebiet auf dem Plan gehabt, als zehn neue Flächen in Küstennähe als neue Tourismusareal erschlossen werden durften. Das Emmerleffer Projekt wurde nicht gewählt und wurde seitens der staatlichen Behörden gebremst.

Innerhalb der rot gestrichelten Linie soll der Ferienpark entstehen. Foto: Kommune Tondern

Gebaut wird ein- und zweistöckig. Das in früheren Jahrzehnten berühmte Strandhotel wird abgerissen. Es war früher ein beliebtes Tanzlokal. Das Hotel, das zuletzt als Ferienwohnungskomplex genutzt wurde, sowie vier weitere Gebäude an den Adressen Emmerlev Klev 2 bis 10, sollen aufgekauft werden. Lediglich der Hof, Emmerlev Klev 6, dessen Wohnhaus als bewahrungswürdig eingestuft wird, wird vom Abriss verschont. Er soll nach einer Renovierung und einem Umbau als Zentrum für den Ferienpark und als Restaurant dienen.

200 Millionen Kronen

Dort können auch sechs Ferienwohnungen in einem der Wirtschaftsgebäude eingerichtet werden. „Wir werden uns darum bemühen, so viel wie möglich von der früheren Bausubstanz wiederzuverwerten. Darum hat auch der jetzige Besitzer gebeten. Zwei der Ställe/Scheunen sind in den vergangenen Jahren schon umfassend umgebaut worden. Daher soll versucht werden, das Ursprüngliche dieser Gebäude wieder herzustellen“, erklärt Flemming Therkelsen.

Wenn alles nach Plan verläuft, sollen die Ferienwohnungen Ende 2025 beziehungsweise Anfang 2026 bezugsfertig sein. Damit dieser Termin erreicht werden kann, muss der Baustart Anfang 2024 erfolgen. Das Projekt, das 200 Millionen Kronen kosten soll, erfordert einen neuen Bebauungsplan. Dieser sollte spätestens in der zweiten Hälfte des Jahres 2023 genehmigt werden, um den Zeitplan zu halten. Im Zuge der Planungsarbeit wird auch eine öffentliche Anhörung durchgeführt.

Ein Blick vom Westen auf das Strandhotel und die schon existierenden Ferienhäuser (Archivfoto) Foto: DN-Archiv

Kaum sind die Pläne veröffentlicht, meldet sich schon der erste Kritiker zu Wort. Torben Ravn, Lügumkloster (Løgumkloster), erinnert in einem Leserbrief an das gigantische Ferienprojekt Nordseeland, das sich als Fata Morgana erwies und Bruchlandung erlitt. Geplant waren unter anderem ein überdachter Campingplatz und ein künstliche Skisprungschanze. Er schreibt, dass er nicht wisse , ob kommunale Naivität eine besondere Disziplin sei, die Tondern meistere.

Keinesfalls vergleichbar seien das neue Ferienpark-Projekt mit dem Nordseeland-Vorhaben. „Im aktuellen Fall wissen wir, wer hinter dem Projekt steht. Außerdem sind schon Vorverkaufsabsprachen getroffen worden. Die Partnerschaftsabsprache zwischen der Tonderner-Marsch-Initiative mit dem Tourismus zeigte, dass es an Übernachtungskapazität in der gehobenen Klasse fehlt“, erklärt Bürgermeister Jørgen Popp Petersen von der Schleswigschen Partei. Daher sehe es seriöser aus.

Auch in Bezug auf mögliche Naturschutzrestriktionen (Küstenschutzlinie, Nationalpark, Weltnaturerbe und Tonderner Marsch-Gesetz) sei das Projekt eine Wiederbelebung eines bestehenden Touristikgebiets. „Sieht man das Interesse für Projekte entlang der Nord- und Ostsee, dann wollen wir auch ein Stück von der Torte haben“, versicherte Popp Petersen.

Gastgeber des heutigen Informationstreffens sind Pantheon A/S, die Tonderner Kommune und die Tonderner-Marsch-Initiative.

Der Artikel wurde um 16.15 Uhr mit dem Kommentar von Bürgermeister Jørgen Popp Petersen ergänzt.

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