Tønder Festival

Abenteuerreise in die Welt der Musik

Brigitta Lassen
Brigitta Lassen Lokalredakteurin
Tondern/Tønder
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Anne Linnet bei ihrem ersten Auftritt beim Tønder Festival. Foto: Elise Rahbek

Ein Kommentar von Lokalredakteurin Brigitta Lassen.

Hätte man mir früher erzählt, dass Anne Linnet beim Tønder Festival auftreten würde, hätte ich es für einen Witz gehalten. Doch auch die 65-jährige Rock-Mama verstand mit ihren Liedern, ihrer rauchigen Stimme und Lebensweisheiten das Publikum im gerammelt vollen Zelt 1 zu begeistern. Laut sangen die textsicheren Zuschauer mit.

Mit ihrer Verpflichtung hat die künstlerische Festivalchefin Maria Theessink Mut zur Veränderung bewiesen. Auch wenn es die „Grufties“ bei den Esbjerger „Kellermenschen“ aus dem Zelt trieb, blieben überwiegend junge aber begeisterte junge Leute zurück. Alles Musik für jeden Geschmack.

In diesem Jahr lieferten Künstler mit Wurzeln in der Kommune/im Festival unglaubliche Konzerte. Lukas Graham, der quasi auf dem Festival aufgewachsen ist, Michael Falch, der in seiner Jugend ein paar Jahre hier gelebt hat, und Anne Linnet mit Großeltern in Rohrkarr. Nur am Rande erlebte man Jacob Dinesen bei Spontankonzerten mit Allan Taylor und seiner Kollegin Laura Mo.

„Die Theessink“ wird sich für 2019 bestimmt wieder neue Überraschungen einfallen lassen. Für einige vielleicht erst gewöhnungsbedürftig, für andere eine spannende Entdeckungsreise durch eine unbekannte Musikwelt. Wo früher die Haudegen von The Chieftains, Runrig und The Dubliners standen, stehen heute andere und jüngere Musiker und so muss es sein. Das nennt man Innovation. Dies gilt auch für den Camping- und Festivalplatz. Mit Blümchen und Kräutern auf den Tischen und immer mehr lauschigen Plätzchen zum Ausruhen und einem kulinarischen Angebot, das von Jahr zu Jahr besser wird.

Mit dem überaus interessanten und abwechslungsreichen 4+Programm vor Beginn des Festivals kamen erneut viele Besucher frühzeitig nach Tondern. Das Festival schwebt auf Wolke sieben. Es schrieb wieder einen neuen Publikumsrekord (erstmals mit ausverkauften Vier-Tages-Armbändern und auch die Sonnabend-Armbänder waren weg). Doch Erfolg verpflichtet. Es muss nicht so bleiben und das weiß die Organisation. Ständig wird daher am Produkt Festival gefeilt.

Verpflichtungen hat das Festival auch gegenüber seinen mehr als 2.500 Freiwilligen. Denn ohne sie kein Festival. Sollte man sie löhnen, wäre das Festival Geschichte. Daher ist es besonders wichtig, die bewährten Freiwilligen bei der Stange zu halten und Neue zu gewinnen. Da geht es nicht, frühere Privilegien zu streichen. Da reicht ein kostenloses Mitarbeiterfest am Montag, bei dem viele der Festivalkünstler spielen, nicht aus.

Minderjährige Helfer zu fortgeschrittener Stunde arbeiten zu lassen, sie an das Leeren der Aschenbecher in Out Law Village zu setzen, oder gar Alkohol in der mobilen Ginbar ausschenken zu lassen, geht gar nicht. Auch wenn es Spaß macht. In diesem Punkt ist nicht nur das Festival gefragt, sondern die Eltern.

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