Kultur

Tragisches aus Nordschleswig beeindruckt Publikum weltweit

Tragisches aus Nordschleswig beeindruckt Publikum weltweit

Tragisches aus Nordschleswig beeindruckt Publikum weltweit

Tondern/Tønder
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Regisseur Frelle Petersen (links) ist mit dem Leben in Läden seit seiner Kindheit in Apenrade vertraut. Lasse Lorenzen (Mitte) und Ole Sørensen spielen im Film „Resten af livet", der unter anderem in den Räumen des Tonderner Geschäftes „Christian X." gedreht wird, Sohn und Vater, die beide hinter dem Ladentisch agieren. Foto: Jane Rahbek Ohlsen

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Regisseur Frelle Petersen gibt am Rande der Aufnahmen zu seinem neuen Film „Resten af livet“ im Tonderner Kaffeeladen Einblick in sein Schaffen. Auswahlkriterium für sein Schauspielerteam war wie bei seinem Film „Onkel“ Beherrschung des Dialektes „Sønderjysk“.

Ein hektisches Treiben können seit Tagen die Passanten auf der Tonderner Westerstraße (Vestergade) erleben. Schaupielerinnen und Schauspieler sowie jede Menge Mitarbeitende des dänischen Filmproduktionsunternehmens Zentropa gehen aus und ein im bekannten Laden „Christian X.“. Dort werden unter der Leitung des durch seinen Film „Onkel“ bekannt gewordenen Regisseurs Frelle Petersen Szenen für dessen neues Werk „Resten af livet“ gedreht, das am 7. Juli 2022 Premiere haben wird.

Regisseur Frelle Petersen, Ladeninhaberin Kirsten Lützen und vom Schauspielerteam Jette Søndergaard, Mette Munk Plum, Ole Sørensen und Lasse Lorenzen (v. links), stellten sich der Presse am Drehort an der Tonderner Westerstraße. Foto: Jane Rahbek Ohlsen

„Sønderjysk“ als Auswahlkriterium

Am Donnerstag durften Vertreterinnen und Vertreter der regionalen Medien einen Blick hinter die Kulissen der Filmproduktion werfen, in der neben Jette Søndergaard, die schon eine Hauptrolle im Film „Onkel“ gespielt hatte, mit Mette Munk Plum, Ole Sørensen und Lasse Lorenzen weitere zentrale Figuren in einer, wie Frelle Petersen verriet, tragischen Geschichte gemimt werden.

Entscheidendes Auswahlkriterium war bei der Besetzung der Rollen die Beherrschung des Dialektes ‘Sønderjysk‘“, berichtet Mette Munk Plum, die im neuen Film in die Rolle der Mutter einer Familie schlüpft, in der Vater (Ole Sørensen) und Sohn (Lasse Lorenzen) in einem Kaffeegeschäft tätig sind, und zu der auch eine Tochter gehört, gespielt von Jette Søndergaard.

Mette Munk Plum kommt aus Sonderburg. Sie spielt erstmals eine Rolle im heimatlichen Dialekt „Sønderjysk“. Auf der Schauspielschule habe sie „Reichsdänisch" pauken müssen. Foto: Jane R. Ohlsen

Frelle Petersen berichtet, dass sein neuer Film, zweiter Teil der mit „Onkel“ eingeleiteten Trilogie, von der sprachlichen und regionalen Eigenart Nordschleswigs geprägt wird. „Doch der Film erzählt eine Geschichte, die Menschen in aller Welt verstehen“, so der Regissieur, der über einen überraschenden Erfolg des Nordschleswig-Films „Onkel“ in Japan berichtet, wo in 40 Kinos „Sønderjysk“ erklang, mit englischen und japanischen Untertiteln auf der Leinwand. Auf vielen Filmfestivals, auch in Deutschland, wurde sein Werk präsentiert.

SchicksaIsschwere Handlung

„Im Mittelpunkt des neuen Werks steht ein schwerwiegendes Geschehen, das eine Familie ereilt, so wie es Menschen überall treffen kann“, verrät der Regisseur. „Der Film spielt in der Gegenwart“, so Petersen, der auch darauf hinweist, dass mehrere Personen, die im Film „Onkel“ zu sehen waren, auch im neuen Film vertreten sind.

Tierarzt Ole Caspersen ist mit weiteren Mitwirkenden des Films „Onkel" auch in der neuen Produktion Frelle Petersens beteiligt. Foto: Jane R. Ohlsen

So ist Tierarzt Ole Caspersen aus Lügumkloster (Løgumkloster) wieder bei den Aufnahmen dabei, aus der Klosterstadt stammt ebenfalls Jette Søndergaard.

„Es gibt auch nordschleswigsche Gemütlichkeit, in jeder Familie hier gibt es einen Onkel Hans“, so Frelle Petersen, der verrät, dass in die neue Produktion auch an sein eigenes Leben anknüpft: „Ich komme ja aus Apenrade, genauer gesagt aus Stübbek. Mein Vater hat einen Tierhandel betrieben, in dem ich auch oft hinter dem Ladentisch gestanden habe.“

Während Petersen seine Erläuterungen gibt, stärken sich Ole Sørensen, der im Theater „Møllen“ in Hadersleben (Haderslev) tätig ist, ebenso wie Mette Munk Plum, die aus Sonderburg stammend, in Kopenhagen meist Theaterarbeit mit jungen Menschen betreibt, ebenso wie Amateur-Nachwuchsschauspieler Lasse Lorenzen mit Sandwiches. Hinter ihnen lagen schon stundenlage Dreharbeiten.

Stolzer Nordschleswiger

„Ich bin stolz, Nordschleswiger zu sein“, erklärt der 1980 geborene Frelle Petersen, der 21 Jahre in Apenrade (Aabenraa) und 21 Jahre in Kopenhagen gelebt hat. Auf Jette Søndergaard hat das Produktionsteam ein waches Auge, etwas bleich geschminkt darf sie sich nicht der prallen Sonne aussetzen, denn die Szenen spielen teilweise in der dunklen Jahreszeit, sodass sie nicht sonnengebräunt vor der Kamera stehen darf.

Ole Sørensen schlüpft in die Rolle des Ladeninhabers im Film. Er gehört zum Ensemble des Theaters Møllen in Hadersleben. Foto: Jane R. Ohlsen

Mette Munk Plum erzählt, es sei in dem Film ganz wichtig ist, dass die familiäre Konstellation überzeugend gespielt wird. Sie berichtet, vor fast 40 Jahren, als sie die Schauspielschule besucht habe, sei es dort darum gegangen, korrektes „Reichsdänisch“ zu sprechen. „Nun spiele ich erstmals auf ‘Sønderjysk‘“, fügt sie schmunzelnd hinzu. Sie habe ihre Heimatsprache aber immer pflegen können, da mehrere Geschwister von ihr im Landesteil leben.

Finanzielle Unterstützung durch die Kommune

Ole Caspersen bezeichnet sich als Amateurschauspieler, aber er gibt doch zu, dass er schon in Verbindung mit dem Jahrmarkt „Klostermærken“ sein schauspielerisches Talent habe entwickeln können. Im Film „Onkel“ konnte er sich selbst, den Tierarzt neben einem Team von Amateurschauspielerinnen und -schauspielern mimen. Für Jette Søndergaard war das Engagement bei „Onkel“ Anlass, die Schauspielkarriere einzuschlagen.

Nicht nur die Nordschleswiger sind gespannt auf den neuen Film. „Uns war der Verkauf von 3.000 Kinokarten vorausgesagt worden, es wurden aber 46.000“, so Frelle Petersen, der sehr dankbar für die finanzielle Unterstützung seines neuen Filmprojektes durch die Kommune Tondern, weitere Fördereinrichtungen und örtliche Statisten ist. Die Inhaberin des Geschäftes „Christian X.“, Kirsten Lützen wirkt übrigens auch in der Produktion mit.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Lokale Medien als demokratische Eckpfeiler“