Wirtschaft und Corona

Trotz angekündigter Entschädigung: Nerzzüchter noch im Ungewissen

Trotz Entschädigung: Nerzzüchter noch im Ungewissen

Trotz Entschädigung: Nerzzüchter noch im Ungewissen

Kitschelund/Kiskelund
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Jens Wistoft hat seine Nerzzucht nach über 30 Jahren aufgrund der Corona-Pandemie aufgeben müssen. Foto: Paul Sehstedt (Archiv)

Nach der coronabedingten Keulung sämtlicher Nerze in dänischen Zuchtbetrieben ist ein milliardenschweres Hilfspaket geschnürt worden. Jens Wistoft aus Kitschelund verspricht sich eine angemessene Kompensation, weiß aber immer noch nicht genau, womit er rechnen kann und was danach kommt.

Wie geht es weiter?

Diese Frage haben sich Ende vergangenen Jahres Nerzzüchter in Dänemark stellen müssen, nachdem die Regierung aus Furcht vor der Ansteckung mit der Coronavirus-Mutation die Tötung sämtlicher Nerzbestände in den rund 1.000 Betrieben anordnete.

Eine ganze Branche wurde mit der Tötung von 15,5 Millionen Nerzen einschließlich Zuchttiere binnen kurzer Zeit ausgelöscht.

Viele Züchter verloren ihr Lebenswerk, das sie über Jahrzehnte aufgebaut hatten. Darunter ist Jens Wistoft aus Kitschelund bei Krusau (Kruså), der seit mehr als 30 Jahren Nerze züchtet.

Schadenersatz der entscheidende Faktor

Wie alle seine Kollegen wartet er gespannt darauf, wie die Schadenersatzzahlung des Staates ausfallen wird.

Laut Zahlen der Lebensmittelbehörde („Fødevarestyrelsen“) sollen zwischen 10,9 und 11,9 Milliarden Kronen direkte Entschädigungszahlungen an die Nerzzüchter gehen.

Die Gelder werden nach einem Stufenplan ausgezahlt. Mit den Hilfsgeldern für Betriebe, die mit der Nerzzucht verknüpft sind, wird laut Regierungsbeschluss eine Gesamtsumme zwischen 15,6 und 18,8 Milliarden Kronen zur Verfügung gestellt.

Erste Gelder fließen an Betriebe, die von einer Infektion betroffen waren und alle Tiere einschließlich der Felle verloren.

50 Millionen Kronen Soforthilfe sind nach Angaben der Behörde bislang an 97 Betriebe ausgezahlt worden.

Das ist erst einmal ein Tropfen auf dem heißen Stein. Entscheidend für Wistoft und viele seiner Kollegen sind die Langzeitentschädigungen.

Zugrunde gelegt wird ein Verdienstausfall bis 2030. Es geht aber auch um die Umstellung auf eine andere Betriebsform, wenn man sich, wie Wistoft, dafür entscheidet, aus der Nerzbranche ganz auszusteigen. Auch das kostet Geld.

Endsumme noch unklar

Nach bisherigen Berechnungen könne sein Betrieb mit einer Schadenersatzzahlung von mehr als 10 Millionen Kronen rechnen, so Jens Wistoft.

Ob es am Ende 12 oder 15 Millionen oder womöglich noch mehr werden, hänge von der Bewertung der Schätzkommission ab, die jeden Betrieb einzeln betrachtet.

Der politische Beschluss, dass alle Nerze gekeult werden müssen, wird formell mit einer Enteignung gleichgestellt.

Ein Bild vom vergangenen Sommer, das es so wohl nicht mehr geben wird: Jens Wistoft im Stall mit Nerzkäfigen. Foto: Paul Sehstedt (Archiv)

Laut staatlichen Stellen beträgt die durchschnittliche Schuldenlast eines Nerzzüchters 8,7 Millionen Kronen.

„Es wird eine Weile dauern, bis Sachverständige der Kommission alle Betriebe besucht und bewertet haben. Vor nächstes Jahr werde ich meinen Betrieb nicht umstellen können“, so Jens Wistoft, dem eine Umstellung auf Pflanzenzucht vorschwebt. Genau habe er sich aber noch nicht festgelegt.

Für die Endsumme wird entscheidend sein, wie der Betrieb aufgebaut war, welche Gebäude, Maschinen und Geräte vorhanden und in welchem Zustand sie sind.

Sich jetzt nicht mehr um die Trakte zu kümmern und alles brachliegen zu lassen, wäre da nicht ratsam.

„Ich versuche generell, die Anlagen instand zu halten“, so Wistoft, der immer noch zwei Mitarbeiter auf dem Hof beschäftigt.

Schuldenabbau

Mit den in Aussicht gestellten Kompensationen sei zumindest finanziell eine gute Lösung gefunden worden, meint der 61-Jährige.

Viele Betriebe, darunter auch seiner, werden zumindest die Schulden abbauen können.

„Dem Staat ist ja viel daran gelegen, zu einer gütlichen Vereinbarung zu kommen, um einen Rechtsstreit zu vermeiden“, sagt der ehemalige Nerzzüchter.

Er sei daher zuversichtlich, dass am Ende faire Lösungen herausspringen werden.

„Unser Dasein wird aber nicht vergoldet. Mit den Zahlungen bekommen wir nicht einen neuen Betrieb geschenkt“, betont Jens Wistoft.

Das Züchten von Nerzen ist in Dänemark zum Unmut von Tierzüchtern weit verbreitet gewesen. Foto: Paul Sehstedt (Archiv)

So bitter das Ende von dem einen auf den anderen Augenblick auch sei, die recht lange Ära seines Betriebs sehe er im Entschädigungsverfahren als Vorteil.

Er wisse, woran er sei und was er die kommenden Jahre bis zum Ruhestand ungefähr erwarten könne.

„Mir tun vor allem die jüngeren Züchter leid, die erst 10, 15 Jahre dabei sind und sich etwas aufbauen. Für sie ist es hart, sich ganz neu orientieren zu müssen. Sie blicken zwangsläufig anders in die Zukunft“, so Wistoft, seines Zeichens auch Vorsitzender des regionalen Nerzzüchterverbandes („Grænseegnens Pelsdyravlerforening“).

Doch auch er kann die Zukunft letztendlich nicht genau abschätzen.

Chance für eine betriebliche Umstellung

Es stehe und falle mit der staatlichen Entschädigung. Es dürfe nicht nur darum gehen, den entstandenen Schaden und einen mittelfristigen Verdienstausfall zu ersetzen.

Unser Dasein wird aber nicht vergoldet. Mit den Zahlungen bekommen wir nicht einen neuen Betrieb geschenkt.

Jens Wistoft

Auch die Umstellung von Betrieben müsse angemessen unterstützt werden, so Wistoft.

„Ich würde ungern mein Erspartes dafür opfern müssen, und wir wissen auch noch nicht genau, welche Steuerabzüge es bei den Zahlungen gibt“, sieht Wistoft bei aller Zustimmung für die bislang zugesagten Mittel noch ein paar Unklarheiten.

Die Hoffnung ruht auf der Einschätzung der Schätzkommission. Wann die auf dem Hof am Aabenraavej vorbeikommen wird, steht noch nicht fest.

Übergangsmittel stehen dem Kitschelunder Unternehmer durch Restbestände von Pelzen aus der eigenen Zucht zur Verfügung.

2.000 davon sind just zu einer Auktion in Richtung Kopenhagen geschickt worden. „Die Quoten sehen ganz gut aus“, erwähnt der 61-Jährige.

Die Preise für Pelze, die nahezu zu 100 Prozent ins Ausland gehen mit China als Hauptabnehmer, haben in den vergangenen Jahren stark variiert.

In einem Jahr lag der Preis gerade mal bei 200 Kronen, in anderen Jahren stieg er auf bis zu 600 Kronen an.

Tierschützer fordern schon seit vielen Jahren das Ende der Nerzzucht.

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