Deutscher Kindergarten Pattburg

Auf schneidige Art ins Erzieherexamen

Auf schneidige Art ins Erzieherexamen

Auf schneidige Art ins Erzieherexamen

Tingleff/Tinglev
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Jill van Zoest mit Mads, Valdemar und Julie beim Schneiden von Obst und Gemüse Foto: kjt

Praktikantin Jill van Zoest schnippelt mit den Kindern im Kindergarten Pattburg regelmäßig Obst und Gemüse und hat den Umgang mit Lebensmitteln zum Thema ihrer Abschlussarbeit der Erzieherausbildung gemacht. Die Projektarbeit deckt viele Facetten ab.

In Kürze geht das zehnwöchige Praktikum von Jill van Zoest aus Flensburg im Deutschen Kindergarten Pattburg zu Ende.

Es ist bereits ihr zweites Praktikum an der Einrichtung, und sie nähert sich mit großen Schritten ihrem Abschluss der dreijährigen Erzieherausbildung im Sommer kommenden Jahres. Dafür ist eine Examensabschlussarbeit gefordert, und die hat Jill bei ihrem Praktikum in Pattburg vorbereitet.

Einmal die Woche sitzt die 23-Jährige mit den drei- und vierjährigen Kindern am Tisch und lässt sie mit echten Messern Obst und Gemüse schneiden. Darum geht es in ihrer Examensarbeit, die sie im März abgeben muss.

„Da steckt natürlich viel mehr drin als nur Obst schneiden“, erwähnt die angehende Erzieherin mit einem Schmunzeln, während sie an der Seite der Kinder wieder einmal am Schnippeln ist.

Der Umgang mit dem Messer, das Schulen der Feinmotorik und Selbstständigkeit sind nur ein Teil des Examensprojekts.

„Es geht auch um Partizipation. Die Kinder entscheiden mit, was am gemeinsamen Essenstag gegessen und zubereitet wird. Wir unterhalten uns darüber, und so spielt auch der Spracherwerb eine Rolle“, so die angehende Erzieherin, die vorher bereits eine zweijährige sonderpädagogische Ausbildung absolviert hat.

Für den gemeinsamen Speisetag im Pattburger Kindergarten wird jedes Mal eine Dose mit Essenssymbolen herausgeholt. Die Kinder kramen darin herum, und gemeinsam wird das Menü festgelegt.

Liste für die Eltern

Auf einem Elternbogen an der Pinnwand steht dann immer, was die Kinder mitbringen müssen. „Durch die Liste kommt man mit den Eltern noch mehr in Kontakt und lernt sie noch besser kennen“, nennt die Flensburgerin einen schönen Nebeneffekt des Projekts.

Die angehende Erzieherin mit der Besorgungsliste für die Eltern Foto: kjt

„Die Kinder sind stolz, wenn sie etwas mitbringen für die Gemeinschaft“, ergänzt die 23-Jährige. Der Essenstag einmal die Woche hat noch eine weitere wertvolle Komponente: „Das Essen ist für alle gleich, und manche essen dann auch mal etwas, was sie sonst nicht essen würden, nur weil es die anderen essen“, so Jill van Zoest.

Der neidische Blick in den womöglich attraktiveren Brotkasten des Nebenmannes entfällt beim gemeinsamen Essenstag ebenfalls.

Das Examensprojekt der 23-Jährigen hat viele Aspekte. Die gilt es für Jill nun in einer 25-seitigen Arbeit zusammenzufassen. „Abgabetermin ist erst im März. Ich habe zum Glück noch etwas Zeit“, sagt die prüfungserprobte junge Frau mit einem Lächeln.

Demnächst steht auch das Evaluierungsgespräch zum Praktikum mit ihrem Lehrer und mit ihrem Mentor in Pattburg an. Mentor ist der stellevertretende Leiter Stefan Holtorf.

Lob vom Mentor

Von ihm hat Jill offenbar Gutes zu erwarten. Eine konkrete Beurteilung, geschweige denn eine Note, konnte „Der Nordschleswiger“ dem Mentor nicht entlocken. Lob gab es aber schon.

„Sie geht offen auf die Kinder und die Eltern zu. Das gefällt uns. Man merkt, dass sie in ihrem dritten Ausbildungsjahr ist. Sie ist eine tolle Hilfe“, so Holtorf.

Ein großer Vorteil war ihm zufolge, „dass sie schon mal ein Praktikum in Pattburg absolviert hat. Sie kannte alle und so war es ein guter Einstieg. Sie brauchte keine lange Anlaufzeit“, so der stellvertretende Leiter.

Jill van Zoest war zuvor auch in einem Kinderheim tätig, als Schulbegleiterin und als Betreuerin in einer Freizeiteinrichtung für Obdachlose. Ihre möglichen Einsatzgebiete nach Abschluss der Erzieherausblildung sind breit gefächert.

Die Arbeit in einem Kindergarten sei für sie momentan der Favorit. Vor allem, wenn es ein Kindergarten wie der deutsche in Pattburg ist.

„Ich habe mich sehr wohlgefühlt. Es ist hier alles sehr familiär und nicht so übermodern eingerichtet“, so die 23-Jährige.

Sie könne sich gut vorstellen, in einem Kindergarten des Deutschen Schul- und Sprachvereins für Nordschleswig anzuheuern.

Vorher gilt es aber erst noch, die Abschlussarbeit und das Examen über die Bühne zu bringen.

Obst, Gemüse und die Box mit den Symbolen, mit denen Woche für Woche ein Menü zusammengestellt wird Foto: kjt
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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Ab die Post“