2020

Buhrkaller Schüler machten Geschichte lebendig

Geschichte lebendig gemacht

Geschichte lebendig gemacht

Saxburg/Saksborg
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Lehrerin Heike Clauen verstand es, die Schüler zum Thema Grenze aus der Reserve zu locken. Foto: kjt

Was hat es mit der deutsch-dänischen Grenze so alles auf sich? Damit befassten sich Schüler der Deutschen Schule Buhrkall auf kreative Weise. Mit einem Happening zum Jubiläum der Grenzziehung von vor 100 Jahren drehten sie die Zeit zurück.

„Was fällt euch zu Grenze ein“, möchte Lehrerin Heike Clausen im Gemeinschaftsraum der Deutschen Schule Buhrkall von den Schülern wissen.

Sie gibt ein Beispiel und rückt mit dem Gesicht ganz nah an eine Schülerin heran. Das ist dann doch etwas zu dicht dran. Sie habe wohl eine Grenze überschritten, so Clausen zu den Schülern.

In den Mittelpunkt rücken dann Ländergrenzen, unterschiedliche Sprachen und insbesondere die deutsch-dänische Grenze. Heike Clausen versteht es geschickt, die Schüler „aus der Reserve“ zu locken. Die Schüler wissen allerhand dazu zu sagen.

Im Sitzkreis wurde das Thema Grenzen angeregt besprochen. Die Schüler meldeten sich häufig zu Wort. Foto: kjt

Roter Faden der Thementage

„Das hier war mal deutsch“, wirft irgendwann Max aus der dritten Klasse ein und meint Buhrkall und Umgebung. Bei den Lehrkräften und Schulleiterin Ute Eigenmann ruft es ein kleines Raunen hervor, denn genau das wird in den kommenden Wochen und Monaten ein roter Faden für die Thementage in der Schule sein.

Zum 100-jährigen Bestehen der Wiedereingliederung Nordschleswigs werden Schüler sich mit der Grenzziehung und der Geschichte des Grenzlandes befassen.

„Wir gehen etwas weiter zurück und greifen zunächst die Schleswigschen Kriege auf“, so die Schulleiterin im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“. Der Aktionstag war der Startschuss für weitere Themen- und Projekttage an der Buhrkaller Schule.

Kinder begeben sich auf Zeitreise

Im Gemeinschaftsraum wurde die Zeit um rund 150 Jahre zurückgedreht. Die Schüler bekamen Berufe und Wohnorte jener Zeit zugeteilt und Aufgaben, die sie in den Sprachen Deutsch, Dänisch und/oder im dänischen Dialekt „Sønderjysk“ im Herzogtum Schleswig erledigen sollten.

So viele Urgroßväter zurück: Schulleiterin Ute Eigenmann erklärt die Zeitreise für die Aktion in der Turnhalle. Foto: kjt

Das Herzogtum mit Orten wie Tingleff, Tondern, Schleswig, Buhrkall und Flensburg befand sich in der Turnhalle. Der Arzt verbindet hier einen Soldaten, der Kaufmann liefert der Magd einen Lappen, und auch der Koch, der Bauer, der Gastwirt und der Schmied haben dieses und jenes zu erledigen.

Auch Amtmänner waren dabei. Die sitzen aber in Kolding und in Kiel. Im Gegensatz zum Raum Schleswig werden dort allerdings nicht mehrere Sprachen und Dialekte gesprochen. In Kolding wurde damals schon Dänisch und in Kiel Deutsch gesprochen, so der Hinweis an die Schüler zu den damaligen Grenzverhältnissen.

Drittklässler Max war beim Spontantheater Müller und sollte dem Pastor einen Sack Mehl bringen. Der Neunjährige war es, der erwähnte, dass Buhrkall mal deutsch war.

Woher er das wisse, so die Frage an den Schüler. „Das habe ich mal gehört“, sagt Max schlicht. Er und seine Mitschüler werden in nächster Zeit nun viel mehr darüber erfahren.

Drittklässler Max spielte einen Müller, der einen Mehlsack zum Pastor bringen muss. Foto: kjt

An jedem 20. des Monats – am kommenden Montag geht es somit gleich weiter – werden die Schultage in Buhrkall im Zeichen des 2020-Jubiläums und der Grenzlandgeschichte stehen.

„Battle" am Montag

„Am Montag machen wir ein Battle zum ersten Schleswigschen Krieg“, so Ute Eigenmann zum Ereignis von 1848. Die Schüler werden in Deutsch und Dänisch aufgeteilt und sollen sich anhand von Vorgaben verbal auseinandersetzen.

Höhepunkt des 2020-Projekts wird die Maiwoche 20 sein. „Da werden wir im Rahmen einer Projektwoche ein Rollenspiel zu der Grenzziehung einstudieren. Außerdem ist die friesisch-dänische Schule Risum einige Tage bei uns zu Gast“, so Ute Eigenmann.

Sämtliche südschleswigsche Schulen schwärmen in der Woche 20 nach Dänemark aus, um sich mit der Wiedereingliederung („genforening“) nördlich der Grenze zu befassen. Die Risumer haben mit der Buhrkaller Schule einen Partner gefunden.

Teil eines Museumsprojekts

Als wenn noch nicht genug im Jubiläumsjahr 2020 in Buhrkall los ist, weiß die Schulleiterin von einem weiteren Projekt zu erzählen.

„Wir sind Teil eines Stickprojekts des Kunstmuseums Trapholt in Kolding. Es heißt ‚grænseløse sting‘. Schulen bekommen eine Stoffleiste, die sie zu einem Thema mit Motiven besticken sollen. Alles wird zu einer großen Collage zusammengefügt und dann ausgestellt. Im Mai ist die Vernissage.“

Mark war Arzt und behandelte Emil, der einen Gastwirt von vor über 150 Jahren spielte. Foto: kjt
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