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Viertelfinale! Das dänische Faustball-Sommermärchen geht weiter

Viertelfinale! Das dänische Faustball-Sommermärchen geht weiter

Das dänische Faustball-Sommermärchen geht weiter

Mannheim
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Dänemark steht im Viertelfinale der Faustball-WM. Foto: Moritz Kaufmann

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Dänemarks Faustballer sorgen bei der Weltmeisterschaft für die nächste Sensation. Nach einem 3:1 Sieg gegen das favorisierte Namibia steht das Team aus Nordschleswig nun im Viertelfinale der Weltmeisterschaft und hat damit einen Platz unter den Top 8 bereits sicher.

Das dänische Team beschert der Weltmeisterschaft den nächsten Faustball-Krimi. In einem Spiel mit Herzschlagfinale bewahren die Spieler aus Nordschleswig abermals einen kühlen Kopf und schlagen das favorisierte Namibia mit 3:1 (11:5, 11:9, 6:11, 15:14).

„Ich wusste, dass die Jungs in der Lage sind, es bis ins Viertelfinale zu schaffen, aber das, was sie heute gezeigt haben, war wirklich unglaublich“, sagt Trainer Peter Diedrichsen.

Konzentrierter Beginn

Bereits vor dem Spiel kündigt er zuversichtlich an, dass seine Mannschaft da weitermachen wird, wo sie gegen die USA aufgehört hat. „Ich bin mir sicher, dass die Jungs sofort voll da sein werden“, so der Coach.

Josef Khalil lieferte wieder ein souveränes Spiel ab. Foto: Moritz Kaufmann

Und er sollte recht behalten.

Dänemark präsentiert sich von Beginn an hoch konzentriert und fokussiert. Vor allem ein Spieler zeigt sofort enorme Präsenz. Ohne zu übertreiben, könnte man den ersten Satz getrost als Hans-Martin-Asmussen-Show betiteln. Der erfahrene Angreifer nimmt direkt alle Zügel in die Hand, serviert den Namibiern immer wieder Angaben, die sie auf dem nassen Boden nicht unter Kontrolle bringen können und schließt nach Zuspielen immer wieder überlegt oder auch kraftvoll ab.

Starke Verteidigung

Doch ein Titel, wie oben erwähnt, würde dem Rest der Mannschaft keineswegs gerecht werden, denn auch die Verteidigung um Florian Wittmann, Josef Khalil und Thore Naujeck verwertet auf dem nassen Spielfeld immer wieder Bälle, die selbst die zahlreichen namibischen Fans auf den Rängen anerkennend nicken lassen.

Hans Martin Asmussen spielte im ersten Satz komplett fehlerfrei. Foto: Moritz Kaufmann

„Ich habe den Jungs vor dem Turnier gesagt, dass man mit einem guten Angriff vielleicht ein Spiel gewinnt, aber mit einer guten Abwehr kommt man bei einem Turnier sehr weit. Dass diese Weisheit richtig ist, haben die Jungs heute eindrucksvoll bewiesen. Was sie da heute hinten angenommen haben, war Wahnsinn“, sagt Co-Trainer Henrik Nielsen.

Namibia hat nichts entgegenzusetzen

Dem nahezu fehlerlosen Spiel der Dänen hat Namibia in der Anfangsphase nichts entgegenzusetzen. Mit 11:5 holt sich Dänemark den ersten Satz.

Im zweiten Satz kommen die Afrikaner dann besser ins Spiel, doch auch Dänemark bleibt weiter hoch konzentriert. Es kommt zu vielen langen und intensiven Ballwechseln, bei denen die Namibier am Ende zwar häufig das Quäntchen Glück mehr haben. Doch Dänemark tritt weiter unglaublich dominant und konzentriert auf.

Jakob Jürgensen sorgte nach seiner Einwechslung für Stabilität in der Zentrale. Foto: Moritz Kaufmann

Es entwickelt sich ein enger Satz. Immer wieder gelingt es den Nordschleswigern durch starke Angaben von Hans Martin Asmussen und überlegte Abschlüsse von Rune Hinrichsen, in Führung zu gehen, und immer wieder schaffen es die Namibier, auszugleichen.

Beim Stand von 9:9 zeigt Asmussen abermals seine ganze Klasse und schlägt eine Angabe hart durch die Mitte der namibischen Reihen. Drei Verteidiger Namibias versuchen erfolglos an den Ball zu kommen. Der folgende Angabenfehler der Afrikaner sichert den Dänen die 2:0 Satzführung.

Nervosität kommt auf

Einen Satz benötigt Dänemark noch, um die Sensation perfekt zu machen. Doch das ist leichter gesagt als getan. Bei den dänischen Spielern lässt plötzlich die Konzentration nach. „Es ist das alte Problem, wir wollen dann auf Krampf versuchen, das Spiel zuzumachen und leisten uns leichte Fehler“, konstatiert Verteidiger Florian Wittmann nach dem Spiel. Tatsächlich ist im dänischen Spiel auf einmal der Wurm drin. Vermeintlich leichte Bälle verspringen, Angaben gehen ins Aus, und das Stellen der Bälle wird immer ungenauer. Gleichzeitig kommen die Namibier immer besser ins Spiel und übernehmen im dritten Satz schnell die Oberhand.

Trainer Diedrichsen reagiert und bringt Jakob Jürgensen für Thore Naujeck in der Zentrale. Das dänische Team wird dadurch zwar etwas stabiler, zieht bei einigen längeren Ballwechseln aber immer wieder den Kürzeren, weil sie es nicht schaffen, die Namibier mit ihren Abschlüssen unter Druck zu setzen. „Unser Zuspiel fing plötzlich an zu wackeln. Wir haben nicht mehr die richtige Höhe und Entfernung zur Leine hinbekommen, sodass Rune mit seinem Hammer durchziehen kann“, beschreibt Angreifer Hans Martin Asmussen die Probleme der dänischen Mannschaft in dieser Phase des Spiels.

Diesmal kein goldenes Händchen

Beim Stand von 6:8 für Namibia versucht das Trainergespann wieder, mit einem goldenen Händchen die Wende einzuläuten, wie es im Spiel gegen die USA wiederholt geklappt hatte. Für Hans Martin Asmussen kommt dessen Bruder Kurt.

Zwischenzeitlich war Peter Diedrichsen mit der Leistung seiner Mannschaft nicht zufrieden. Foto: Moritz Kaufmann

Doch zum Gamechanger wird der Faustball-Routinier diesmal nicht. Nach zwei Angabenfehlern seinerseits und einem starken Abschluss von Namibia geht der dritte Satz aus Sicht von Dänemark klar mit 6:11 verloren.

So schnell wie Kurt Asmussen gekommen war, ging er auch wieder. Zu Beginn des vierten Satzes wurde er wieder von seinem Bruder Hans Martin ersetzt.

Dänemark hält dagegen

Nachdem sie den dritten Satz am Ende halbwegs hergeschenkt hatten, sind die Dänen nun wieder voll auf der Höhe. Im Angriff kommt das Zuspiel zwar weiter oft zu ungenau und die Abschlüsse sind zu zaghaft, doch in der Abwehr präsentiert sich Dänemark weiter solide, zudem ist Jakob Jürgensen in der Zentrale mittlerweile gut im Spiel und bringt immer wieder Ruhe rein. Doch auch Namibia wird mit den lautstarken Fans im Rücken und dem Lichtblick durch den Satzgewinn zunehmend konstanter. Es entwickelt sich ein enger Satz, in dem sich beide Teams nicht schenken.

Kurt Asmussen agierte heute glücklos. Foto: Moritz Kaufmann

Faustball-Krimi

Es steht 10:10, das Spiel geht in die Crunch-Time. Was dann passiert, ist ein wahrer Faustball-Krimi. Zweimal in Folge geht Namibia in Führung, beide Male können die Dänen ausgleichen. Beiden Mannschaften ist die Nervosität sichtlich anzumerken. Keines der Teams will einen Fehler machen. Durch Abstimmungsprobleme der Namibier geht Dänemark mit 13:12 in Führung und hat erstmals einen Matchball. Der namibische Aufschläger zeigt keinerlei Nerven, spielt die Angabe kurz über die Leine und verlädt das gesamte dänische Team. 13:13.

Auf den Rängen herrscht mittlerweile absolute Stille. Alle halten die Luft an. Peter Diedrichsen nimmt eine Auszeit und schwört seine Jungs noch mal ein. Doch vergebens, den Dänen gelingt es nicht, Druck aufzubauen, und der namibische Angreifer kann durch einen starken Abschluss auf 14:13 für sein Team stellen.

Die Spannung ist kaum noch auszuhalten. Trainer Diedrichsen läuft mittlerweile wie ein Duracell-Hase an der Außenlinie auf und ab. Hans Martin Asmussen hat Angabe. Er geht volles Risiko und schlägt den Ball unerreichbar für die namibischen Verteidiger durch die Mitte. Es steht 14:14. Der nächste Punkt entscheidet. Es beginnt der längste Ballwechsel im Spiel. Beide Teams haben Angst, einen Fehler zu machen und trauen sich nicht, beim Abschluss volles Risiko zu gehen.

„Es war eine Zitterpartie. Ich war mir sicher, dass Namibia den Fehler machen muss, weil wir den Punkt nicht selbst machen“, sagt Kapitän Naujeck nach dem Spiel. Und so kommt es auch. Nach einem schlechten Zuspiel des namibischen Verteidigers berührt der Ball die Leine, und Dänemark gewinnt den Satz mit 15:14 und holt damit den Sieg.

Alle Dämme brechen

Auf dänischer Seite brechen alle Dämme. Spieler, Trainer und das Betreuerteam liegen sich in den Armen und feiern die Sensation. Applaus bekommen sie vom gesamten Stadion, selbst von den Anhängerinnen und Anhängern von Namibia.

Die Freude ist riesig. Foto: Moritz Kaufmann
Nach dem Spiel gibt es kein Halten mehr auf dänischer Seite. Foto: Moritz Kaufmann

Im Viertelfinale wartet mit Österreich nun eine wahre Faustballmacht. „Da müssen wir realistisch sein, da werden wir nichts holen. Aber es ist eine gute Möglichkeit, durchzuwechseln und Spieler zu schonen. Es ist ein langes Turnier, und einige der Jungs fangen jetzt an, Probleme mit den Schultern zu bekommen“, so Trainer Diedrichsen, der seinen Hauptfokus auf ein mögliches Spiel um Platz 5 und 6 legen will, für das sich sein Team nach einem verlorenen Viertelfinale gegen Österreich qualifizieren kann.

Das Spiel gegen Österreich findet am Mittwoch ab 19 Uhr statt.

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