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Osteopathin Lina behandelt in ihrer Praxis am Meer

Osteopathin Lina behandelt in ihrer Praxis am Meer

Osteopathin Lina behandelt in ihrer Praxis am Meer

Sandager
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Lina Bielfeldt-Braun in ihrem Wartezimmer am Sandagervej 38 Foto: Karin Riggelsen

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Leben in Deutschland, selbstständig in Dänemark: Lina Bielfeldt-Braun hat in Sandager eine Praxis für Osteopathie eröffnet. Wenige Meter von der Flensburger Förde entfernt behandelt sie Menschen aus beiden Ländern. Wie das funktioniert, erläutert sie bei einem Besuch.

Der Blick über die Flensburger Förde ist an diesem Mittwochnachmittag verschleiert. Graupelschauer wehen am Fenster des Wartezimmers vorbei, das wenige Meter vom Strand entfernt liegt. Hier am Sandagervej 38 hat sich Lina Bielfeldt-Braun mit einer Praxis für Osteopathie selbstständig gemacht.

Täglich fährt sie von Dollerup aus Deutschland nach Sandager in Dänemark, einem kleinen Dorf auf Broackerland. Die 39-Jährige lebt mit ihrer Familie in Schleswig-Holstein und arbeitet als Osteopathin in Nordschleswig.

„Ich hätte gerne ein Boot, mit dem ich einfach über die Förde zur Arbeit fahren könnte“, sagt die gebürtige Deutsche lachend, und zeigt auf das graue Wasser der Förde. „Bis auf Weiteres nehme ich aber das Auto und fahre von Dollerup nach Sandager.“

Nachschule in Tingleff und Studium in Esbjerg

Aufgewachsen in Kappeln, kam sie als 16-Jährige über ihren in Dänemark arbeitenden Vater ins Königreich, besuchte die Deutsche Nachschule Tingleff (Tinglev) und machte 2005 ihr Abitur am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig in Apenrade (Aabenraa). 

Auch Studium und Ausbildung verliefen zwischen Deutschland und Dänemark. Nach einem Sabbatjahr in Aarhus studierte Lina Bielfeldt-Braun im dänischen Esbjerg Physiotherapie und arbeitete viele Jahre in Praxen in Nordschleswig.

Dann absolvierte sie in Hamburg ihre vierjährige Ausbildung zur Osteopathin. Aktuell macht sie eine Weiterbildung, mit der sie sich auf die osteopathische Behandlung von Kindern spezialisiert. 

 

 

 

 

Die 39-Jährige fährt von ihrem Wohnsitz in Dollerup zur Arbeit einmal um die Flensburger Förde herum. Foto: Karin Riggelsen

Ihren deutschen Abschluss zur zertifizierten Osteopathin ließ Lina Bielfeldt-Braun in Dänemark autorisieren. „Es gibt in Dänemark keine Ausbildung zum Osteopathen. Es gibt nur Ausbildungen aus dem Ausland, über Zweigstellen aus Belgien und England.“

In ihrer Praxis behandelt sie Patientinnen und Patienten aus Deutschland und Dänemark. Was genau macht eine Osteopathin? 

„Osteopathie ist ein holistischer Zugang zur Gesundheit. Anstatt die Krankheit zu suchen, suchen wir den Weg, den Körper in die Gesundheit zu bringen. Das machen wir durch manuelle Therapie, aber auch durch Ernährungs- und Lebensstilberatung. Wir nehmen alle Aspekte des Lebens und des Menschens mit.“

„Stress kann auch einem Kinderwunsch im Wege stehen“

Osteopathie berücksichtige die verschiedenen Systeme des Körpers. Vom Muskel-Skelett-System mit all seinen Muskeln, Sehnen und Gelenke über Nervensysteme bis hin zum Verdauungssystem und der Psyche.

„Das schauen wir uns alles an, und sehen, wo die Störung liegt. So können Kaiserschnittnarben auf unsere inneren Organe wirken und vielleicht auch einen Beckenschiefstand und Rückenschmerzen verursachen“, sagt sie.

Auch Stress ist eine Belastung, der die Osteopathin Aufmerksamkeit schenkt. „Wenn wir chronisch dauerhaften Stress haben, dann haben wir Probleme in jedem einzelnen System in unserem Körper. Das können Verdauungsprobleme sein oder Schmerzen in den Muskeln. Stress kann auch einem Kinderwunsch im Wege stehen.“

Es ist für mich eine Herzensangelegenheit, dass Kinder gut ins Leben starten.

In ihrer Praxis behandelt Lina Bielfeldt-Braun auch Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch, Menschen mit Gelenk- und Muskel- oder Kopfschmerzen, und auch Babys mit Verdauungsbeschwerden oder anderem sind zu Gast am Sandagervej. Sie werden beispielsweise mit osteopathischer manueller Therapie, Kraniosakraltherapie und faszialen Techniken behandelt. 

„Wir gehen genauso wie der Arzt Tests durch, und wenn der Patient eine ganz andere Krankheit hat, an die wir mit unseren Methoden nicht rankommen, dann sende ich die Person natürlich weiter“, so die Osteopathin. 

Diplom-Ausbildung zur Kinder-Osteopathin

Den Besuch bei Lina Bielfeldt-Braun zahlen Patientinnen und Patienten zunächst selbst. Die meisten privaten Zusatzkrankenkassen in Dänemark und „Sygesikring Danmark“ bezuschussen die Behandlung. Auch bei den deutschen Krankenkassen ist die Ausbildung von Lina Bielfeldt-Braun anerkannt – und für Zuschüsse berechtigt.

Aktuell macht Lina Bielfeldt-Braun in Deutschland eine zusätzliche Diplom-Ausbildung zur Kinder-Osteopathin, die sie Ende 2024 abschließen will. 

„Mir macht die Arbeit mit Kindern total viel Spaß. Ich bin selbst Mama von zwei Töchtern, und es ist für mich eine Herzensangelegenheit, dass Kinder gut ins Leben starten. Kinder können nicht immer sagen, was ihnen fehlt, aber wir können es fühlen und uns mit den Kindern abstimmen.“

So könne es bei einer Geburt zu Problemen kommen, die zu Spannungen und Schmerzen im Kinderkörper führen. 

„Das kann eine Nackenblockade sein, die zu Problemen beim Stillen und daraufhin zu Verdauungsproblemen führen kann“, gibt die Osteopathin ein Beispiel. Auch Kinder mit motorischen Auffälligkeiten, Autismus oder Gliederschmerzen sind zu Besuch in der Praxis am Meer.

Von Mittwoch bis Freitag behandelt die Osteopathin in ihrer Praxis, nach Absprache macht sie auch Hausbesuche. Foto: Karin Riggelsen

Wie hat sie ihre Karriere und die Familie vereinen können? „Mein Mann und meine Familie haben mich dabei sehr unterstützt. Ich konnte immer vormittags arbeiten, und in der Klausurenzeit haben mein Mann und meine Mutter mir den Rücken freigehalten. So konnte ich es schaffen. Einmal im Monat hat mein Mann die Kinder übernommen, und ich bin übers Wochenende zum Unterricht nach Hamburg gefahren.“

Pendeln in die Praxis über die Grenze

Über eine befreundete Arbeitskollegin erhielt Lina Bielfeldt-Braun das Angebot, in Sandager die Praxisräume von mittwochs bis freitags zu nutzen. Dass sie von Dollerup nach Sandager und zurück pendelt, macht ihr nichts aus. 

„Ich fahre 40 Minuten, und während der Fahrt habe ich Zeit, um abzuschalten und im Feierabend anzukommen. Das passt mir gut“, so die zweifache Mutter, deren Töchter mittlerweile sieben und zehn Jahre alt sind. 

Für Dänemark als Standort ihrer Praxis hat sie sich entschieden, weil sie ein Fan des Grenzlandes ist. „Das Arbeiten gefällt mir in Dänemark einfach besser, und ich kenne richtig viele Menschen in Nordschleswig. Ich mag die nordschleswigsche Art und das Arbeitsleben hier sehr.“ Unter anderem hat sie in Praxen in Pattburg (Padborg) und Hadersleben (Haderslev) gearbeitet.

„Da gibt es noch viel Bedarf an Aufklärungsarbeit“

Dabei hat Dänemark in Sachen alternative Behandlungsmethoden noch viel Luft nach oben. „Da setzt Dänemark mit seinem Gesundheitssystem noch sehr auf evidenzbasierte Medizin und nicht sonderlich auf alternative Behandlungsmethoden. Osteopathie ist ja ein Zwischending zwischen hochevidenzbasierter Medizin und alternativer Behandlung. Da gibt es noch viel Bedarf an Aufklärungsarbeit. In Deutschland gehen fast alle Eltern mit ihrem Kind zum Osteopathen.“

Mit der Praxis am Meer, die wenige Meter vom Strand entfernt liegt, wird das nun auch in Dänemark mehr und mehr zum Alltag. Mehr zur Arbeit von Lina Bielfeldt-Braun gibt es hier.

 

 

 

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