„Kulturkompass“

Kultur ist wichtiger Wirtschaftsfaktor

Ruth Nielsen
Ruth Nielsen Lokalredakteurin
Sonderburg/Sønderborg
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Musik (Marianne Nielsen) trifft Theater (Birgit B. Jessen). Foto: Ruth Nielsen

Treffen zum „Kulturkompass“ der Kommune: Status und künftige Planungen. Akteure gaben ihre Ideen weiter.

Was passiert im kulturellen Bereich? Ist die Kommune weiterhin auf dem Weg, ihre drei Ziele bis 2025 zu erreichen, wie sie im Kulturkompass von 2014 festgeschrieben worden sind? Die Antwort lautet Ja nach dem Treffen am Mittwoch im Theater, auf dem Bilanz gezogen und ein Blick in die Zukunft getätigt wurde von den über 80 Kulturakteuren, die daran teilgenommen hatten, oder wie Stephan Kleinschmidt sie nannte, „kulturelle Schwergewichte“.

Er als Vorsitzender des Ausschusses für kulturelle und regionale Entwicklung und Charlotte Riis Engelbrecht als Vorsitzende des Kulturausschusses legten Ergebnisse vor. Das Jahr 2017 ist ein besonderes mit einem enormen Angebot an Veranstaltungen wie Sternfahrt, Pfadfinderlager, Theaterfestival, Stella Polaris, Musik-i-tide. Denn „Kultur wird in der Kommune mit einem großen K geschrieben“, so die Politikerin. Und das muss nicht viel kosten: Im Schnitt gibt eine Kommune pro Kopf 485 Kronen für Kultur aus, in Sonderburg sind es 377 Kronen: „Wir kriegen viel für unser Geld“, sagte sie dazu.

Lob für die Nachwuchspflege

Lob erhielt das „House of Creativity“ für seine Nachwuchspflege. Volksschüler können in der „Kultur Crew“ mitarbeiten. Sie helfen bei Veranstaltungen aus und entdecken dabei vielleicht, dass sie gerne singen, tanzen oder Theater spielen möchten? „Das ist eine riesige Chance für uns“, meinte Crew-Mitglied Eva, die zu ihrem Bedauern 2018 ausscheiden muss: Dann wird sie die Volksschule beenden.

Zum ersten Ziel im Kompass „Ein guter Ort zum Wohnen“ tragen vielerlei Veranstaltungen bei, wie der Theaterverein, einer der größten im Lande, pro Saison kommen um die 10.000 Zuschauer ins Theater. Das Schloss hatte 2016 37.852 Besucher, von Januar bis August 2017 waren es bereits 39.808, um die 25.000 Musikfreunde hören Konzerte im Alsion. Dank Pfadfinderlager hat „Als Færgen“ im Juli 19.300 Personenwagen und 73 Busse befördert, die Sternfahrt sorgte für volle Übernachtungsstätten. „Kultur nutzt allen, auch der Handelsstadt“, erklärte Charlotte Riis Engelbrecht. Das bestätigte Rikke Torré, Vorsitzende von Sønderborg Handel. Allein an den Aktivitäten im Rahmen des Pfadfinderlagers auf dem Rønhaveplads hätten 3.000 Jugendliche teilgenommen.

Jugendhaus in der alten Meierei

Das dritte Ziel „Hot Spot für Kinder und Jugendliche“ würde u. a. gefördert durch das geplante Jugendhaus in der alten Meierei am Løngang und durch internationale Gruppen wie die „Student Foundations“, kurz ein Milieu, das diese Generation motiviert, sich einzubringen und (gerne) am Ort zu bleiben.
Es blieb nicht unerwähnt, dass Sonderburg nicht EU-Kulturhauptstadt geworden ist, und dennoch „ist 2017 stark geworden, weil wir es wagen und weil wir es können. Kultur über die Grenzen zu tragen, das ist für uns ganz natürlich“, sagte Engelbrecht zu einer im Kulturkompass verankerten Idee, grenzüberschreitend zu arbeiten.

Wie sieht eine Welt der Zukunft aus? Welche Konsequenzen hat die Technologie auf den Menschen. Was sind die Trends in der Stadt- und gesellschaftlichen Entwicklung? Darüber hielt Innovationsexperte Kim Bisgaard, Horsens, einen inspirierenden, aufrüttelnden und humorvollen Vortrag. Mehrmals lobte er Sonderburg als „nette Stadt mit großem Kulturerbe“. Seine abschließende Frage „Ist Sonderburg zu lieb/nett (paen)?“ wurde in der Pause von vielen diskutiert.

Sollte Sonderburg frecher werden? Die Frage könnte kommen. In vier Workshops notierten die Kulturakteure, was 2018 und in den kommenden Jahren auf kulturellem Gebiet passieren soll. Ein zentrales Ereignis beschäftigte alle: das Jahr 2020, Wiedereingliederung des Landesteils in Dänemark und damit Geburtsstunde der deutschen Minderheit.

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