Wohnpolitik

Sonderburger Ghetto: Antrag auf weniger Abriss ist genehmigt

Sonderburger Ghetto: Antrag auf weniger Abriss ist genehmigt

Sonderburger Ghetto: Antrag auf weniger Abriss genehmigt

Sonderburg/Sønderborg
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Nørager in Sonderburg Foto: Karin Riggelsen

Das Ministerium für Wohnen hat den Sonderburger Ghetto-Plan gutgeheißen. Das bedeutet, dass die Kommune weniger Baumasse abreißen muss als gesetzlich für sogenannte „Ghetto“-Gebiete vorgesehen.

Die Antwort aus dem Ministerium für Wohnen erfolgte am Dienstag nach Ostern: Der vorgelegte Entwicklungsplan für die Sonderburger Wohngebiete Nørager und Søstjernevej ist akzeptiert. Das gilt auch für den Wunsch, nur 180 der 560 Wohnungen vor Ort abzureißen.

Die Wohnblöcke rund um Nørager und Søstjernevej waren 2020 vom Ministerium für Wohnen als sogenanntes „hartes“ Ghetto klassifiziert worden. Die Kommune Sonderburg hatte daraufhin um eine Ausnahmeregelung gebeten, um möglichst wenige Wohnungen abreißen zu müssen.

Ich bin sehr froh darüber, dass wir eine Sondergenehmigung erhalten haben, um mehr Wohnungen in dem Bereich zu erhalten, und wir schätzen es sehr, dass der Minister für Inland und Wohnen unseren Argumenten Gehör geschenkt hat.

Erik Lauritzen, Bürgermeister

„Ich bin sehr froh darüber, dass wir eine Sondergenehmigung erhalten haben, um mehr Wohnungen in dem Bereich zu erhalten, und wir schätzen es sehr, dass der Minister für Inland und Wohnen unseren Argumenten Gehör geschenkt hat“, so Bürgermeister Erik Lauritzen (Soz.) am Dienstag.

„Wir haben in der Wohngegend über mehrere Jahre hinweg eine positive Entwicklung aller Kriterien der Ghetto-Liste beobachten können, und wir stehen nicht vor den gleichen Herausforderungen wie andere Ghetto-Gebiete im Land“, so der Bürgermeister.

„Ein heftiger Eingriff in das Leben der Anwohner“

Der Abriss von Wohnungen und die damit einhergehende Umsiedelung von Bewohnern sei ein „heftiger Eingriff in das Leben der Anwohner“. „Und auch wenn wir anerkennen, dass eine Reduzierung ein Werkzeug ist, um eine Wohngegend zu verändern, wäre die Reduzierung der Wohnmasse auf 40 Prozent ein allzu drastischer Schritt.“

Diese Skizze aus dem Antrag zeigt den Entwicklungsplan für das Wohngebiet. Foto: Kommune Sønderborg

Auch die Vorsitzende der Wohngenossenschaft SAB, Vivian Engelbredt, ist erleichtert über die Antwort aus Kopenhagen. „Viele Familien haben dort seit Jahren ihr Zuhause und sind froh darüber, dort zu wohnen“, so Vivian Engelbredt.

Anwohner sollen laufend informiert werden

„Wir sind uns darüber einig, dass es eine physische Veränderung in den Wohngebieten geben muss, aber nicht in dem großen Umfang, wie es das gesetzt eigentlich vorsieht. Daher bin ich sehr zufrieden, dass wir jetzt mit unserem Entwicklungsplan weiterarbeiten können, sodass die Wohngegend ein besserer Ort zum Leben wird.“

Jetzt gehe es darum, die Anwohner laufend zu informieren und in den Prozess einzubeziehen.

Wohnhäuser am Søstjernevej Foto: Sara Wasmund

Der fertige Entwicklungsplan zur Umwandlung des Wohngebietes muss am 1. Juni vorliegen. Gilt eine Wohngegend als „hartes Ghetto“, müssen eigentlich 60 Prozent der Baumasse vor Ort abgerissen werden. Abriss, Renovierung und Neubau könnten ab 2023 in die Tat umgesetzt werden und würden sich über sechs bis sieben Jahre hinziehen.

Der Entwicklungsplan für die Wohngebiete war auf der Sonderburger Stadtratssitzung mit den Stimmen von Sozialdemokraten, Schleswigscher Partei und Fælleslisten verabschiedet worden. Venstre und Dänische Volkspartei wollten dem Antrag nicht zustimmen, da sie mit der Einrichtung von Jugendwohnungen nicht einverstanden waren.

Konkret ging es um das Vorhaben, im Zuge der Umgestaltung der Wohnviertel 18 Wohnungen am Søstjernevej und Søgræsvej als Jugendwohnungen („ungdomsboliger“) auszuweisen. Diesen Teil des Entwicklungsplans wollten die beiden Parteien nicht länger akzeptieren.

Kaare Dybvad Bek (r.) mit Bürgermeister Erik Lauritzen und der SAB-Vorsitzenden Vivian Engelbredt Foto: Karin Riggelsen
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