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Not macht erfinderisch: Pastoren-Dating und knarzende Kirche

Not macht erfinderisch: Pastoren-Dating und knarzende Kirche

Not macht erfinderisch: Pastoren-Dating und knarzende Kirche

Wilstrup/Vilstrup  
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Christa Bloch (rechts) und die stellvertretende Vorsitzende Kirsten Dyngby können über den Zuspruch und den Zusammenhalt in ihrem Kirchspiel nicht klagen. Foto: Ute Levisen

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Was haben der Gemeinderat von Wilstrup, die Nordschleswigsche Gemeinde und die deutschen Teile der Haderslebener Domgemeinde gemein? Sie alle mussten lange ohne eigene Seelsorge auskommen. In Wilstrup ist der Kirchenrat sogar zum Theologen-Dating in die Hauptstadt gereist. Angebissen hat dort niemand, dafür haben die Gemeindeglieder viel Freude an ihrem Ersatz-Seelsorger aus Südschleswig.

Man muss sich als Kirchengemeinderat auf dem Haderslebener Ness etwas einfallen lassen, um für die Seelsorge im ländlichen Raum zu sorgen.

Nicht nur dort. Nach über einem Jahr der Suche sind die deutschen Gemeindeteile der Volkskirche in Hadersleben fündig geworden und haben wieder eine eigene Pastorin.

So weit ist der Kirchenrat in Wilstrup nicht. Dabei hatte er nichts unversucht gelassen, seit sich ihr Pastor im Vorjahr in den Ruhestand verabschiedet hat, verrät seine Kassiererin Christa Bloch.

Junge Geistliche wollen nicht aufs Land

Im Sommer war sie zum sogenannten Pastoren-Dating in die Hauptstadt gereist, um junge Theologinnen und Theologen direkt aus den Hörsälen der Universität für ein Pastorat auf dem Ness zu begeistern – erfolglos.

Warum aber zieht es junge Geistliche in die Ballungsgebiete statt aufs Land?

„Ich vermute, der Erwartungsdruck ist in einer Landgemeinde größer als in der Stadt“, sagt Kirsten Dyngby. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des Kirchspiels.

Mittlerweile hat der Wilstruper Kirchenrat die Suche aufgegeben – zumal ungewiss ist, wie die Zukunft der einzelnen Pastorate auf dem Ness aussieht. Vermutlich im Frühjahr wird Bischöfin Marianne Christiansen eine Entscheidung treffen, ob und wenn ja, welche Pastorate miteinander verschmelzen.

Christa Bloch (rechts) und Kirsten Dyngby Foto: Ute Levisen

Rotkohl und Sauerkraut in Wilstrup

Seit dem Herbst des Vorjahres hat die Gemeinde mit dem Südschleswiger Eberhard von Oettingen einen Pastor auf Zeit bekommen.

Der Seelsorger und Wahl-Däne bringt mit seiner Band Leben aufs Ness. So plant der Kirchenrat am 28. Februar ein Event rund um das deutsch-dänische Grenzland – unter dem verheißungsvollen Titel „Rotkohl und Sauerkraut“.

Event auch für Zugezogene

Für das musikalische Rahmenprogramm sorgt der Pastor höchstselbst mit seiner Band.

„Eberhard hat auch Jens Rosendals ,Du kom med alt det der var dig' ins Deutsche übersetzt“, erzählt Christa Bloch. Sie hofft, dass viele Menschen kommen, wenn die Gemeindeglieder in Wilstrup Rotkohl und Sauerkraut kredenzen. Auch die vielen Familien der Zugezogenen aus Deutschland seien herzlich willkommen.

Apropos deutsch!

Seit fast zehn Jahren arbeiten der dänische und der Kirchenrat der Nordschleswigschen Gemeinde auf dem Ness zusammen.

Vermutlich im Frühjahr wird Bischöfin Marianne Christiansen (rechts) entscheiden, wie die künftige Struktur der Pastorate auf dem Ness aussehen wird. Hier ist sie mit der neuen deutschen Pastorin in Hadersleben, Bettina Sender, zu sehen. Foto: Ute Levisen

Deutsch-dänische Zusammenarbeit – auch am Strand

Das sei nicht immer so gewesen, erinnert sich Kirsten Dyngby: „Als ich herkam, gab es noch diese Unterteilung in zwei kirchliche Lager, die wenig miteinander zu schaffen hatten.“

In den vergangenen Jahren sind die deutsch-dänischen Kirchenbande auf dem Ness enger geworden – seit der damalige Pastor Lars-Peter Melchiorsen die Nordschleswigsche Gemeinde und ihren früheren Pastor Martin Witte zu den alljährlichen Strandgottesdiensten eingeladen hatte.

Seither hat sich das Sommer-Event zu einer beliebten deutsch-dänischen kirchlichen Tradition für Einheimische und Gäste gemausert.

13 Jahre war Lars-Peter Melchiorsen (rechts) Seelsorger auf dem Ness. Jetzt wacht er als Nachtwächter über die Domstadt. Foto: Ute Levisen

Knarzende Kirche und Heilige Kühe

Auf rege Beteiligung hofft die Kirchengemeinde auch bei ihrem nächsten kulturellen Streich: „Knirkerevyen“ – die Knarz-Revue.

Denn es knarzt in den altehrwürdigen Gemäuern der dänischen Volkskirche. Das zeigen aktuelle Analysen des Arbeitsklimas dort – und „Knirkerevyen“ am 8. Februar im Wilstruper Versammlungshaus.

Der Gemeinderat von Wilstrup hat die vier früheren Pfadfinder aus Pattburg (Padborg), aus denen im Laufe der Jahrzehnte gestandene Knarz-Kabarettisten geworden sind, gebucht und hofft, dass viele Menschen vom Ness kommen.

„120 Plätze haben wir – und bislang sind 70 Eintrittskarten verkauft“, verrät Christa Bloch.

„Knirkerevyen“, die vor zwei Jahren 30-jähriges Bestehen feierte, dreht der Volkskirche nach eigenem Bekunden den Arm um, ohne ihn auszukugeln. Ihr Name ist Programm: Sie versprechen, den Heiligen Kühen an der Ostküste ordentlich einzuheizen.
 

Anfang Februar nehmen die vier Kabarettisten die Kirche aufs Korn. Foto: Vilstrup Sogn
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