Diese Woche in Kopenhagen

„Das Einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst“

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Unsere wichtigste Verteidigung sind nicht ausgeklügelte Systeme, um Drohnen zu entdecken und abzufangen, meint Walter Turnowsky. Es ist die Fähigkeit, mit kühlem Kopf auf solche Vorfälle zu reagieren. Denn das Schüren unserer Angst war das eigentliche Ziel der Hinterleute.

Geschichtsbewussten Leserinnen und Lesern wird klar sein, dass die Überschrift nicht von mir stammt. Es ist ein Zitat des ehemaligen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt und lautet im Original „The only thing we have to fear is fear itself“.

Es fiel mir in der Nacht zu Freitag im Halbschlaf ein. Doch auch im wachen Zustand halte ich es in der aktuellen Situation immer noch für treffend.

Der wesentlichste Grund dafür ist, dass von den Drohnen nach Aussagen der Polizei keine Gefahr für Menschen ausgegangen ist. Jetzt ist die Frage, woher die Polizei das weiß, wenn sie bislang nicht einmal sagt, um welche Drohnen es sich handelt.

Ich hatte die Gelegenheit, diese Frage bei einer Pressekonferenz am Freitag zu stellen. Chefpolizeinspektor Peter Ekebjerg antwortete, dass man es an den Flugmustern ablesen konnte. Nichts hat darauf hingedeutet, dass die Drohnen einen Angriff zum Ziel hatten.

Das Ziel ist die Verängstigung

Natürlich war es unbequem für die Fluggäste in Kopenhagen und Aalborg, dass sie Verspätungen in Kauf nehmen mussten. In Sonderburg (Sønderborg) und Esbjerg gab es nicht einmal diese Unannehmlichkeit.

Auch ist es natürlich nicht gerade wünschenswert, dass die Drohnen über dem Fliegerhorst Skrydstrup herumkreuzen und damit eventuell auch Aufnahmen vom Standort sämtlicher dänischer Fighterjets machen konnten. Doch können wir getrost davon ausgehen, dass Akteure, die uns feindlich gesinnt sind, ohnehin schon Bescheid wissen, wie es dort aussieht.

Gefährlich ist beides also nicht, und das ist eben auch nicht das Ziel der Kräfte, die dahinterstecken. Ziel ist es, Verunsicherung, Verwirrung, Angst und Zwiespalt zu stiften – und das habe nicht ich mir ausgedacht, sondern es kommt von Menschen, die über Sicherheitsfragen deutlich besser Bescheid wissen.

War es überhaupt ein Angriff?

Das meint die Regierung, wenn sie von einem „hybriden Angriff“ spricht. Jetzt ist in gewisser Weise paradox, dass der Begriff seinerseits zur Verunsicherung und Verängstigung beiträgt.

Und kann man überhaupt von einem Angriff sprechen, wenn doch gar nichts angegriffen worden ist? Die Frage kam in der Redaktion auf, als wir das Thema am Freitagvormittag besprachen.

Bei der Antwort darauf kommt der erste Teil des Begriffs ins Spiel, also „hybrid“. Bei der hybriden Kriegsführung kommt es nicht zu einem offenen militärischen Schlagabtausch. Was nichts daran ändert, dass die Absichten dahinter ausgesprochen aggressiv sind.

Hybride Kriegsführung

Russland ist einer der Staaten, die nachweislich hybride Angriffe ausführen – aber es ist bei weitem nicht der einzige. Ziel des Putin-Regimes ist es letztlich, die westlichen Demokratien zu destabilisieren.

Die Methoden reichen von Sabotage, Cyberangriffen und Spionage über politische Einflussnahme bis hin zur Verbreitung von Desinformation und Schürung von Konflikten über die sozialen Medien. Dabei verschleiert der Aggressor meist bewusst seine Identität. Was seinerseits zur Verunsicherung beiträgt.

Es ist also häufig nicht Ziel eines hybriden Angriffes, größtmöglichen Schaden anzurichten. Vielmehr geht es um die bereits erwähnte Verängstigung und um Spaltung innerhalb unserer Gesellschaft und zwischen alliierten Staaten.

Daher ist es durchaus korrekt, bei den Drohnenvorfällen von einem hybriden Angriff zu sprechen. Auch wenn wir bislang nicht wissen, wer dahintersteckt. Es kann auch ein privater Akteur sein, der als Stellvertreter für einen Staat agiert.

Abwehr der Attacken

Sicher ist es sinnvoll, dass Polizei und Militär Material anschaffen, um Drohnen besser entdecken und abfangen zu können. So wie es klug ist, dass Betriebe und Institutionen ihre Cybersicherheit verbessern.

Die eigentliche Verteidigung gegen die hybriden Angriffe ist jedoch eine andere. Wie erwähnt, setzen feindliche Akteure einen ganzen Fächer von Methoden ein. Wir wissen nicht, aus welcher Ecke die nächste Attacke kommen wird.

Wir sollten uns jedoch darauf einstellen, dass sie kommt. Doch nur, wenn wir uns einschüchtern lassen, gelingt der Angriff, ansonsten verfehlt er sein Ziel. Und damit ist auch klar, wie unsere Verteidigung aussehen muss.

Womit wir wieder bei Roosevelt wären: Die Angst ist also unsere eigentliche Gegnerin. Und an dieser Stelle ist es angebracht, den zweiten Teil des Satzes ebenfalls zu zitieren: „Das Einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst – die namenlose, blinde, sinnlose Angst, die die Anstrengungen lähmt, die es bedarf, um den Rückzug in einen Vormarsch umzuwandeln.“