Deutsche Minderheit

Zugezogene aus Deutschland: Studie sieht Kommunen in der Pflicht

Zugezogene aus Deutschland: Studie sieht Kommunen in der Pflicht

Zugezogene: Studie sieht Kommunen in der Pflicht

Flensburg/Apenrade
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Über das Mobiltelefon erhalten Zugezogene Informationen, hier aus der Kommune Apenrade. Was in den vier nordschleswigschen Kommunen fehlt, sind laut ECMI mehr Infos zur deutschen Minderheit. Foto: Aabenraa Kommune/Kerstin Bundgaard

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Aus einem Bericht des ECMI geht hervor, dass die Kommunen in Nordschleswig Zugezogene aus Deutschland nicht ausreichend über die deutsche Minderheit informieren. Eine Identifikation mit dieser scheint den Neubürgerinnen und -bürgern häufig schwer zu fallen.

In den vergangenen Jahren sind viele Menschen aus Deutschland nach Dänemark gezogen, beliebt ist Nordschleswig. Dieses Phänomen findet auch in der Wissenschaft Beachtung. Im Mai vergangenen Jahres berichtete der „Nordschleswiger“, dass Johann Hörkner vom Zentrums für europäische Minderheitenforschung (ECMI) sich mit dem Thema beschäftigen wolle. Nun ist seine Studie fertig. Der Wissenschaftler sieht die Kommunen Nordschleswigs in der Pflicht. 

Bekenntnis zur deutschen Minderheit

Seinen Worten nach werben diese zwar mit dem Vorhandensein deutscher Schulen, doch versäumten es die Kommunen ausreichend darauf hinzuweisen, dass diese Schulen Institutionen einer deutschen Minderheit sind. Das Vorhandensein der Minderheit sieht er als Standortfaktor, mit dem die Kommunen Nordschleswigs bei Zuzüglerinnen und Zuzüglern punkten können. Das Vorhandensein deutscher Institutionen und ehrenamtlicher Helfer ermögliche ein „Auswandern-Light". 

Zugezogene aus Bundesländern wie Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen seien, so Hörkner, oft nicht bekannt mit der Geschichte der Minderheiten im Grenzland. Er sagte dem „Nordschleswiger“: „Für viele Zugezogene ist es ungewohnt, wie sehr die Dänen ihrem Staat vertrauen und welch ein starkes kollektives Bewusstsein sie haben, das auch die Mitglieder der deutschen Minderheit teilen. Ich sehe, dass die deutsche Minderheit hier viel Integrationsarbeit leistet, was die kulturelle Eingewöhnung in den neuen Staat angeht. Hierbei müsste allerdings auch mehr von den Kommunen geleistet werden, die aktiv um deutsche Zuzüglerinnen und Zuzügler werben."

Zu wenig Kommunikation

Dabei geht es auch um Konkretes:  Werbemaßnahmen seitens der Kommunen sollten, so die Empfehlung des ECMI-Forschers mit der deutschen Minderheit abgesprochen werden, um Erwartungen der Zugezogenen nicht zu enttäuschen. Die Plätze in den deutschen Bildungseineinrichtungen seien nämlich begrenzt. Sollte die Zuwanderungsrate anhalten, könnte es also problematisch werden. 

Johann Hörkner hat sich in den vergangenen Monaten mit dem Thema „Zugezogene in Nordschleswig“ befasst. Foto: Privat

Aufgabe der Kommune sollte es Hörkner zufolge sein zu vermitteln, „dass ein Schulplatz an einer deutschen Schule in der Region nicht garantiert ist, dass die Minderheitenschulen keine öffentlichen dänischen Schulen, sondern gesondert gelagerte Privatschulen sind und dass Identifikation mit der Minderheit erwartet wird, wenn man sich an einer deutschen Minderheitenschule anmeldet.“

Konfliktpotenzial

Die Ergebnisse und das Fazit der Studie lassen zumindest das Potenzial zu Konflikten erkennen. Johann Hörkner schreibt, dass für viele Zugezogene ein negatives Verhältnis zur deutschen Politik mit ausschlaggebend für das Auswandern gewesen sei. Insbesondere bei Kulturveranstaltungen – der Wissenschaftler erwähnt im Gespräch mit dem „Nordschleswiger" das Knivsbergfest – auf denen es zu nationalen Bekenntnissen seitens der Minderheit komme, löse eine Ambivalenz bei Zugezogenen aus. Laut Studie nehmen die Zugezogenen die Angebote der deutschen Minderheit zwar umfangreich wahr, könnten sich aber häufig nicht selbst mit der Minderheit identifizieren. 

Forscher sieht keine großen Spannungen kommen

Johann Hörkner hält es aber nicht für wahrscheinlich, dass es zu großen Spannungen zwischen alteingesessenen Mitgliedern der deutschen Minderheit und den Zuzüglerinnen und Zuzüglern kommt. „Konflikte gibt es immer”, sagt der Forscher. Die Zugezogenen hat er auf den Informationsveranstaltungen der Kommunen als offen, mitteilsam und freundlich empfunden. 

Die Studie soll in Kürze auf der Homepage des ECMI veröffentlicht werden.

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