Angst vor der Afrikanischen Schweinepest

Nervöser Schweinemarkt macht Produzenten zu schaffen

Sara Wasmund
Sara Wasmund Hauptredaktion
Nordschleswig
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Ferkelzucht unter Druck: Die Angst vorm Verlust eines Bestandes wirkt sich auf den Markt aus. Foto: dpa

Noch ist sie in Deutschland und in Dänemark nicht ausgebrochen. Doch die Afrikanische Schweinepest macht den Schweinebauern im Land schon jetzt zu schaffen. Warum, und was jetzt zu tun ist – die Branche diskutiert.

Volle Ställe, ängstliche Abnehmer, fallende Preise – die Negativspirale innerhalb der dänischen Schweineerzeuger-Branche dreht sich immer weiter. Die Schweinetransportfirma SPF sieht sich bereits gezwungen, Verträge mit Zulieferern neu zu verhandeln. Denn die Nachfrage nach Ferkeln sinkt.

„Gemeinsam mit unseren Lieferanten arbeiten wir an einer realistischen Absatzstrategie, auf kurze und auch auf lange Sicht“, so SPF-Geschäftsführer Jens Kongensholm gegenüber dem Magazin LandbrugsAvisen.

Angst, auf dem Bestand sitzen zu bleiben

Die Ursache der steigenden Nachfrage sieht er unter anderem in der Angst vor der Afrikanischen Schweinepest. „Viele haben Angst, zu teure Ferkel zu kaufen. Sollte die Schweinepest in Deutschland ausbrechen, würden die Preise weiter fallen. Dann werden sowohl Schlachtschweine- als auch Ferkelproduzenten in ganz Europa stark beeinflusst“, so Kongensholm.

  • Seit März 2016 hat Dänemark mindestens 1 Million Ferkel im Monat exportiert
  • Im August 2018 waren es laut Danske Svineproducenter 1,2 Millionen Ferkel
  • Im September 2018 fiel die Zahl um 210.000 Ferkel
  • Die Afrikanische Schweinepest ist in vielen Ländern Osteuropas ausgebrochen und wurde kürzlich in Belgien festgestellt
  • Außerhalb der EU sind Russland und China betroffen
  • Aus Angst vor dem Ausbruch in Deutschland fällt das Interesse an der Aufzucht von Ferkeln. Bauern fürchten, bei Ausbruch der Krankheit und beim Einbruch des Exportes auf vollen Ställen sitzenzubleiben.


Schweineproduzent Werner Petersen aus Nordschleswig bestätigt gegenüber LandbrugsAvisen, dass die vergangenen Wochen sehr unsicher waren. Er habe nie sicher sein können, wann seine Ferkel abgeholt würden. „Ich habe von meinen Abnehmern nichts Konkretes zu wissen gekriegt, bis zum allerletzten Augenblick. Daher sah ich mich gezwungen, die Möglichkeiten zu untersuchen, meine Ferkel zum Spottpreis zu verkaufen. Das würde einen Preis von 180 Kronen bedeuten und dann würde ich insgesamt 66.500 Kronen mit einer einzigen Sendung verlieren“, so Schweineproduzent Werner Petersen. Man wisse derzeit nicht, wie es in der kommenden Woche aussehe, ob Ferkel abgeholt werden, oder nicht.

Der LHN rät: Ruhe bewahren

Was können Schweineproduzenten in dieser angespannten Marktsituation tun? Ruhe bewahren, rät Frank Andersen. Er ist Berater für Betriebsökonomie und Strategieratgeber beim Landwirtschaftlichen Hauptverein für Nordschleswig (LHN).
„Wichtig ist, die Effizienz und die Zuversicht aufrechtzuerhalten. Denn in so einer unsicheren Lage kann man nichts anderes tun, als abzuwarten.“ Bei einigen Schweinebauern im Land dürfte die nervöse Marktsituation aber dazu beitragen, die Betriebsaufgabe zu beschleunigen, so die Einschätzung des Branchenkenners.

Alle beobachten die Lage und sind sehr vorsichtig geworden. Das macht dem Markt auf jeden Fall zu schaffen.

Frank Andersen, LHN-Berater

„Vielleicht gibt der ein oder andere Produzent, der ohnehin vorhatte, in nächster Zeit den Betrieb aufzugeben, etwas vorher auf. Aber das kann dem Markt – insgesamt betrachtet – ja auch guttun.“
Die Abnehmer aus Deutschland, das bestätigt auch Andersen, hielten sich derzeit sehr zurück. „Alle beobachten die Lage und sind sehr vorsichtig geworden. Das macht dem Markt auf jeden Fall zu schaffen“, so der LHN-Berater.

Manche Schweinefleischproduzenten in Deutschland scheuen derzeit den Aufkauf größerer Bestände aus Dänemark. Die Zulieferer bleiben daher teilweise auf ihren Ferkeln sitzen. Foto: dpa
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