Deutsche MInderheit

Erfolg in Kopenhagen: „Grenzgenial“ gesichert und Zusagen an Sozialdienst

Erfolg in Kopenhagen: „Grenzgenial“ gesichert und Zusagen an Sozialdienst

„Grenzgenial“ gesichert und Zusagen an Sozialdienst

Gwyn Nissen und Cornelius von Tiedemann
Kopenhagen
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Joy Mogensen
Kulturministerin Joy Mogensen umrahmt von (von links): Steen Kyed (Büroleiter im Kulturministerium), Uwe Jessen (BDN-Generalsekretär), Harro Hallmann (BDN-Sekretariatsleiter Kopenhagen), Hinrich Jürgensen (BDN-Hauptvorsitzender), Steffen Bang (Sekretär für Minderheitenfragen im Kulturministerium) Foto: BDN

Antrittsbesuch bei Kulturministerin: Joy Mogensen sagt Geld für Deutsch-Lern-Plattform zu und stellt konstruktive Gespräche über Zuschüsse für Sozialarbeit in der Minderheit in Aussicht.

Vertreter der deutschen Minderheit in Dänemark sind mit guten Nachrichten vom Antrittsbesuch bei der für die Minderheit zuständigen Kulturministerin Joy Mogensen (Soz.) nach Nordschleswig zurückgekehrt.

„Das war ein sehr, sehr gutes Gespräch in lockerer Atmosphäre. Minderheit ist Neuland für sie, doch sie ist sehr aufgeschlossen und interessiert. Ihr war es wichtig, uns als Minderheit besser kennenzulernen“, so Hinrich Jürgensen, Hauptvorsitzender des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), dem Dachverband der deutschen Minderheit in Dänemark, nach dem Treffen am Donnerstag.

Grenzgenial

„Grenzgenial“ ist eine digitale Plattform für den Deutschunterricht in Dänemark. Produziert in Regie des „Nordschleswigers“, versorgt es Lehrer und Schüler mit Unterrichtsmaterial, zu großen Teilen basierend auf „Nordschleswiger“-Inhalten. Das Projekt wurde im Rahmen der Deutschlandstrategie der ehemaligen Regierung lanciert, dann aber, trotz großen Anklanges bei der Lehrerschaft, nicht weiter von ihr finanziert und musste somit vorläufig auf Eis gelegt werden.

Grenzgenial im Netz

Ministerin interessiert an Geschichte der Minderheit

Gemeinsam mit BDN-Generalsekretär Uwe Jessen und dem BDN-Sekretariatsleiter in Kopenhagen, Harro Hallmann, informierte Jürgensen die Ministerin, die sich sehr wissbegierig gezeigt habe, über die Minderheit, ihre Sprache, Identität und auch darüber, wie die Minderheit zum Jubiläumsjahr 2020 und dem Begriff „Genforeningen“ (Wiedervereinigung) steht.

„Wir haben darüber berichtet, welche Projekte wir geplant haben, und Joy Mogensen war sehr interessiert an dem Promotionsstellen-Projekt zur Gedenkstätte Knivsberg und wie wir mit unserer Vergangenheit umgehen“, so Jürgensen.

Zusage zu Deutschunterrichts-Plattform kam „kurz und bündig“

Aufgrund des gesundheitlichen Ausfalls der Ministerin hat das erste Treffen mit Mogensen erst sieben Monate nach Antritt der neuen Regierung stattfinden können. Entsprechend dicht war die Tagesordnung besetzt – entsprechend dringlich waren einige Herausforderungen. Etwa die des „Grenzgenial“-Projektes, einer digitalen Plattform für Deutschlehrer in Dänemark.

„Als es zum Eingemachten kam, hat Joy Mogensen kurz und bündig gesagt, dass sie Grenzgenial die kommenden zwei Jahre gesichert hat. Sie musste dazu nur noch ein Aktenstück anfertigen, dann wäre das geregelt. Es sei eine Überbrückung – sie werde sich um eine permanente Regelung bemühen“, so Hinrich Jürgensen.

„Wir warten nun auf eine Mail mit Einzelheiten, freuen uns aber sehr, dass es gelungen ist, Grenzgenial zu sichern.“

Sozialdienst: „Regierung arbeitet daran“

Laut Jürgensen machte die Ministerin auch bei einem weiteren, aus Sicht der Minderheit dringlichen, Punkt Zusagen. Es werde „positiv an einer Lösung gearbeitet“, so die Aussage der Ministerin laut Jürgensen.
Da sich der Fall in einem anderen Ministerium als dem ihren abspiele, könne sie dazu derzeit nicht mehr sagen. „Wir gehen mit einem sehr positiven Eindruck aus dem Gespräch und sind sehr guter Hoffnung, dass eine Lösung gefunden wird“, so der BDN-Hauptvorsitzende zum „Nordschleswiger“.

Sozialdienst Nordschleswig – der Hintergrund: Der Sozialdienst, der die soziale Arbeit der deutschen Minderheit in Dänemark koordiniert, hat eine deutliche Zuwendungskürzung hinnehmen müssen, weil die dänische Sozialbehörde zu dem Schluss gekommen ist, dass die Arbeit nicht entsprechend der Richtlinien für die finanzielle Förderung von sogenannten Freiwilligkeitszentren strukturiert sei. 350.000 Kronen sind deshalb im zweiten Jahr in Folge nicht wie früher ausgezahlt worden.

Weitere Treffen in Aussicht

Jürgensen hofft nun, dass Joy Mogensen am 14. März für Dänemark die Unesco-Bewerbung unterschreiben kann – gemeinsam mit einem Vertreter der deutschen Seite. Das deutsch-dänische Grenzland bewirbt sich unter dem Motto „Zusammenleben von Minderheiten und Mehrheiten im deutsch-dänischen Grenzland“.

Zudem wird nun ein Termin für die nächste Sitzung des Kontaktausschusses des Folketings für die deutsche Minderheit in Nordschleswig gesucht. Das letzte Treffen hatte es, noch unter der Vorgängerregierung, im April 2019 gegeben.

Die Ministerin sagte, sie wolle gerne dem Knivsberg, dem Deutschen Museum in Sonderburg und natürlich der Minderheit im Haus Nordschleswig einen Besuch abstatten. Laut Jürgensen werde ein Termin noch vor den Sommerferien angestrebt.

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