Konfliktlösung

Engelbrecht: Minderheiten sollten Einsatz für Ukraine vorbereiten

Engelbrecht: Minderheiten sollten Einsatz für Ukraine vorbereiten

„Minderheiten sollten Einsatz für Ukraine vorbereiten“

Allinge/Nordschleswig
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Benny Engelbrecht (rechts) diskutiert mit Martin Klatt (ECMI) und Jens A. Christiansen (SSF). Die Auslandsredakteurin von „Weekendavisen“, Anna Libak, moderiert. Foto: Walter Turnowsky

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Das friedliche Mit- und Füreinander im deutsch-dänischen Grenzland wird gerne als Vorzeigebeispiel hervorgehoben. Ein Beispiel, das auch bei einem zukünftigen Wiederaufbau der Ukraine den Weg für Minderheitenrechte weisen könne. Das meint zumindest der Vorsitzende des Südschleswigausschusses, Benny Engelbrecht.

Frieden in der Ukraine scheint noch in weiter Ferne, doch wenn er kommt, hat Dänemark sich verpflichtet, sich am Wiederaufbau zu beteiligen. Zu diesem Wiederaufbau gehöre auch die Sicherung von Minderheitenrechten, meint der Vorsitzende des Südschleswigausschusses des Folketings, Benny Engelbrecht (Soz.). Die Erfahrungen aus dem deutsch-dänischen Grenzland könnten in dem Zusammenhang nützlich sein.

„Den größten Effekt können wir erzielen, wenn man in der dänischen und deutschen Minderheit Überlegungen anstellt, wie man selbst mit seinen eigenen Erfahrungen beitragen kann“, sagt er dem „Nordschleswiger“.

Die Worte fallen, nachdem der Abgeordnete aus Atzbüll (Adsbøl) beim Folkemøde auf Bornholm an einer Debatte mit dem Generalsekretär des Südschleswigschen Verbandes (SSF), Jens A. Christiansen, und Professor Martin Klatt vom Zentrum für europäische Minderheitenforschung (ECMI) in Flensburg teilgenommen hatte. Es ging darum, wie Staaten Minderheiten missbrauchen, um territoriale Ansprüche zu stellen.

Glanzland-Erfahrungen als Lösungsansatz

Klatt konnte eine ganz Reihe solcher Beispiele aufzählen. So habe Wladimir Putin 2014 den Angriff auf die Ukraine mit einem angeblich drohenden Völkermord an der russischsprachigen Bevölkerung auf der Krim begründet. (Den Angriff 2022 hat er anders begründet).

Weil wir das Privileg des guten Zusammenlebens haben, dann hat man auch eine Verpflichtung, die Erfahrungen zu teilen.

Benny Engelbrecht

Folkemøde auf Bornholm

Das Folkemøde ist ein dreitägiges Demokratiefestival, das seit  2011 jährlich in der Stadt Allinge stattfindet.

Auf über 200 Bühnen in Zelten und auf Schiffen veranstalten Parteien, Verbände, Medien, Unternehmen und PR-Büros Debatten und Events.

Die Idee stammt von dem nordschleswigschen Venstre-Politiker Bertel Haarder, der ein entsprechendes Event, die „Almedalsveckan” auf der schwedischen Insel Gotland erlebt hat.

2023 haben zwischen 28.000 und 44.000 Menschen pro Tag das Folkemøde besucht

„Wenn hoffentlich hoffentlich Frieden in der Ukraine kommt, wünsche ich mir, dass die Minderheiten bereit sind, ihre Erfahrungen zu teilen. Das könnte geschehen, indem man Vertreterinnen und Vertreter in die Ukraine schickt, oder indem man Menschen aus der Ukraine ins Grenzland einlädt, um zu zeigen, wie das deutsch-dänische Minderheitenmodell funktioniert“, so Engelbrecht.

Er betont, dass Minister wechselnder Regierungen, das Außenministerium und der diplomatische Dienst, die Erfahrungen aus dem Grenzland als Vorbild für die Lösung von Minderheitenkonflikten einbringen.

„Weil wir das Privileg des guten Zusammenlebens haben, hat man auch eine Verpflichtung, die Erfahrungen zu teilen, wenn Situationen entstehen, bei denen sie möglicherweise zu einer Lösung beitragen können.“

Stimme der Minderheiten wichtig

Engelbrecht ist bewusst, dass solch ein Erfahrungsaustausch bereits im Rahmen des Dachverbandes der Europäischen Minderheiten, FUEN, geschieht. Die Berichte der beiden Minderheiten, wie aus dem Gegeneinander ein Miteinander und seither ein Füreinander geworden ist, könnten jedoch in der Ukraine Entscheidendes bewegen.

„Es ist besser, wenn das von den Minderheitenbevölkerungen selbst kommt, als wenn es von der Mehrheitsbevölkerung kommt. Die Glaubwürdigkeit ist dann größer, wenn vermittelt werden soll, dass ein friedliches Zusammenleben möglich ist.“

Katalog erstellen

Engelbrechts Aufforderung an die Minderheiten lautetet deshalb, dass sie jetzt schon anfangen sollten, zu überlegen, wie sie am besten beitragen können. Es könne beispielsweise darum gehen, Material über die Minderheitenmodelle zu erarbeiten, Seminare vorzubereiten, Referentinnen und Referenten in die Ukraine schicken oder junge Menschen aus der Ukraine zu einem Aufenthalt nach Süd- und Nordschleswig einzuladen.

„Wichtig ist nur, dass man überlegt, was Sinn ergibt. Wenn dann der Tag kommt, und wir zum Wiederaufbau der Ukraine beitragen sollen, dann hat das Entwicklungsministerium somit einen Katalog mit Vorschlägen. Und wenn es dafür Geld braucht, werden wir das selbstverständlich lösen“, meint Engelbrecht.

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Siegfried Matlok Senior-Korrespondent
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