Deutsche Bücherei

Politisches Forum zum Thema Antisemitismus

Politisches Forum zum Thema Antisemitismus

Politisches Forum zum Thema Antisemitismus

Apenrade/Aabenraa
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Auch uns als deutsche Minderheit geht der Umgang mit Antisemitismus etwas an, sagt Claudia Knauer (Archivbild). Foto: Karin Riggelsen

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Das Erstarken der Rechten sorgt für Handlungsbedarf. Das dachte sich auch Büchereidirektorin Claudia Knauer und organisierte kurzentschlossen ein politisches Forum. In diesem Rahmen tauschen sich drei Experten am kommenden Mittwoch zum Thema Antisemitismus im Hier und Jetzt aus.

Die in einigen Bundesländern vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei AfD findet bei Wählerinnen und Wählern in Deutschland mehr Zustimmung denn je. Seit Jahren verschiebt sich die Grenze des öffentlich Sagbaren immer weiter nach rechts. Gleichzeitig wird offene Judenfeindlichkeit nicht erst durch den wieder aufgeflammten Nahost-Konflikt wieder salonfähig. Diese auch weltpolitische Entwicklung sollte uns hier in Nordschleswig ebenfalls massiv zu denken geben, findet Claudia Knauer, Büchereidirektorin der Deutschen Büchereien: „Mich treibt das Thema seit geraumer Zeit sehr um.“

Ihr war schnell klar, dass eine Veranstaltung zum Thema Antisemitismus stattfinden muss. „Ich finde es wichtig, dass wir uns als deutsche Minderheit damit auseinandersetzen. Und dann stellte ich in der Vorstandssitzung fest, dass auch andere schon in diese Richtung gedacht haben“, erinnert sie sich. „Das politische Forum ist ein erprobtes Format, also haben wir uns dafür entschieden. Daraufhin begann die Suche nach Referenten.“

Ich finde es wichtig, dass wir als deutsche Minderheit uns damit auseinandersetzen.

Einen Beitrag leisten

„Es ist auch für uns als Minderheit wichtig, Stellung zu beziehen“, sagt die Büchereidirektorin und überlegt: „Wie müssen sich Juden in diesen Tagen fühlen? Ich denke, dass uns das alle interessieren sollte.“

Wichtig zu erwähnen ist, dass an diesem Tag nicht der Nahost-Konflikt zwischen Gaza und Israel im Vordergrund steht, sondern das Thema Antisemitismus und Menschen jüdischen Glaubens in unseren westlichen Demokratien heute. „Ich bin traurig, entsetzt und ja, auch böse, dass wir so viele Jahre nach dem Holocaust wieder an diesem Punkt stehen“, sagt Knauer und fügt hinzu: „Ich versuche, mit der Organisation dieses Forums meinen Beitrag zu leisten.“

Drei Experten hat Claudia Knauer für das politische Forum gewinnen können: Prof. Therkel Stræde von der Süddänischen Universität forscht zu Holocaust und Antisemitismus und wird gemeinsam mit seinen zwei Diskussionspartnern Gershom Jessen von der Jüdischen Gemeinde Flensburg (Flensborg) und Jair Melchior, Oberrabbiner in Kopenhagen, über den Antisemitismus im Heute sprechen. Jair Melchior wird über Zoom dazugeschaltet sein und auf Dänisch sprechen.

Ich bin traurig, entsetzt und ja, auch böse, dass wir so viele Jahre nach dem Holocaust wieder an diesem Punkt stehen.

Polizei in Kenntnis gesetzt

Doch womit die Büchereidirektorin nicht gerechnet hatte, war die Reaktion der Polizei. Knauer hatte diese angerufen, um sie über die bevorstehende Veranstaltung in Kenntnis zu setzen. „Der Polizist, mit dem ich gesprochen habe, fand es richtig gut, dass ich ihnen Bescheid gegeben habe. So etwas wollen sie unbedingt wissen. Er sagte mir, sie nähmen die Sicherheitslage sehr ernst“, erzählt sie.

Ob die Beamtinnen und Beamten in irgendeiner Form aktiv werden oder ihnen allein die Kenntnis über die Veranstaltung ausreicht, ist nicht bekannt.

Ein mulmiges Gefühl bleibe bei Claudia Knauer dennoch zurück: „Das ist schon komisch und macht mich durchaus traurig.“ Aber natürlich sei es auch positiv anzuerkennen, dass die Sicherheitsfrage jeder Veranstaltung mit dieser Thematik ernst genommen wird.

Das politische Forum findet am 31. Januar, 19 Uhr, in der Zentralbücherei Apenrade statt.

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