Freiwilliges Engagement

„Ehrenamt blüht in der Minderheit“

„Ehrenamt blüht in der Minderheit“

„Ehrenamt blüht in der Minderheit“

Kopenhagen/Apenrade
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Der Vorsitzende des Sozialdienstes Nordschleswig, Gösta Toft, freut sich über das große Engagement innerhalb der Minderheit. Foto: Volker Heesch

Neue Statistiken zeigen, dass jeder dritte Bürger in Dänemark sich freiwillig engagiert. Auch in der deutschen Minderheit in Nordschleswig sei der Trend zum Ehrenamt deutlich
spürbar, sagt Gösta Toft.

Der Vorsitzende des Sozialdienstes Nordschleswig, Gösta Toft, kann durch eigene langjährige Erfahrungen in der Jugendarbeit, in Sportvereinen und gemeinnützigen Initiativen die aktuellen Angaben des statistischen Amtes Danmarks Statistik bestätigen, dass in Dänemark in der Bevölkerung große Bereitschaft für ehrenamtliches Engagement besteht.

Laut einer neuen Erhebung von Danmarks Statistik hat auf Landesebene fast jeder dritte erwachsene Bürger Dänemarks im Alter von über 16 Jahren während der vergangenen drei Monate einen freiwilligen, ehrenamtlichen Einsatz in Sportvereinen, für soziale Einrichtungen oder im kulturellen Bereich geleistet.

Regionale Unterschiede

Allerdings ist die Bereitschaft zu ehrenamtlichem Einsatz innerhalb des Landes unterschiedlich groß. In den Regionen Süddänemark und Mitteljütland ist die Bereitschaft dazu im Landsvergleich am stärksten ausgeprägt. Dort sind 36 bzw. 31 Prozent ehrenamtlich aktiv, im Landesschnitt sind es nur 27 Prozent. Und das zeigt auch, dass es innerhalb der älteren Generation (65 bis 74 Jahre) mit Engagement von 41 Prozent den größten Einsatz gibt – und auf dem Lande in dünn besiedelten Gebieten auch die größte Bereitschaft für Mitarbeit in den genannten Ehrenamtsbereichen herrscht.

Gösta Toft berichtet, dass die von Danmarks Statistik genannten Angaben mit seinen Erfahrungen übereinstimmen. Und aus Sicht eines Spitzen-Ehrenamtlers in Nordschleswig kann er feststellen: „Das Ehrenamt blüht in der deutschen Minderheit in Nordschleswig.“

Toft: „Haben immer die Kurve gekriegt“

Er weist darauf hin, dass es zwar auch innerhalb des Sozialdienstes, besonders wenn Aufgaben sehr lange Zeit von aktiven Kräften übernommen worden sind, zu Verzögerungen gekommen ist, um einen erforderlichen Generationswechsel zu schaffen. „Wir haben aber meist die Kurve gekriegt“, so Toft, der an die erfolgreiche Neugewinnung von Sozialdienstmitgliedern für örtliche Vorstände wie in Hoyer oder Jeising erinnert. Mitunter seien auch flexible Lösungen gefragt.

Generell sei festzustellen, dass es im Jugend- wie im Seniorenbereich Bereitschaft zu Mitarbeit gibt. Und als „Triebfeder“ gilt laut Gösta Toft: „Ehrenamtlicher Einsatz macht vielen Aktiven in Nordschleswig viel Freude, im Jugendbereich wie beim Einsatz für die Älteren.“
„Ich habe das Gefühl, dass innerhalb der deutschen Minderheit der Grad der Ehrenamtlichkeit besonders hoch ist“, so der Sozialdienstvorsitzende, der aus dem Bereich „seines“ Sportvereins MTV Apenrade berichten kann, dass Eltern bereit sind, sich für den Kinder- und Jugendsport im Verein zu engagieren.

„Ich glaube, wir sind, was das Ehrenamt angeht, gut davor“, so Gösta Toft.

Männer und Frauen gleich aktiv

Interessant an den Erhebungen von Danmarks Statistik ist, dass Männer und Frauen in Dänemark gleich stark ehrenamtlich aktiv sind.
Dabei fällt aber auf, dass Frauen sich deutlich mehr sozialen Aufgaben widmen, während sich Männer deutlich stärker im Bereich Sport engagieren.
In der jüngeren Generation wird weniger ehrenamtlicher Einsatz geleistet als unter den Älteren.

Dennoch engagieren sich unter den 25- bis 34-Jährigen immerhin 28 Prozent. In der Altersstufe 16 bis 24 Jahre sogar 29 Prozent.
In den Ballungsgebieten wurde geringere Bereitschaft für ehrenamtlichen Einsatz registriert als auf dem Lande. Im Schnitt waren es in der Region Hauptstadt nur 29 Prozent.

Festgestellt wurde bei der Erhebung auch, dass Menschen mit langem Studium mehr ehrenamtlich tätig sind als Menschen mit niedrigerem Bildungsgrad. Dabei wurde allerdings insgesamt auch nicht angegeben, ob auch berufliche Inanspruchnahme oder familiäre Belastungen eine Rolle spielen.

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