Kulturaustausch

Von Tigern und Winkekatzen: Schwanzloser Besuch im Waldkindergarten

Gesche Picolin
Gesche Picolin Journalistin
Feldstedt/Felsted
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Begeistert waren die Gäste von der Höhle, die unter anderem aus entsorgten Weihnachtsbäumen besteht. Foto: Karin Riggelsen

Fünf Frauen aus China waren am Freitag zu Besuch im Waldkindergarten in Feldstedt. Dabei wurden pädagogische sowie kulturelle Gegensätze und Gemeinsamkeiten deutlich.

Erzieherinnen aus einer Einrichtung in der Nähe von Hongkong waren am Freitag auf Stippvisite in Feldstedt. Hier besuchten die fünf mit einem Dolmetscher den deutschen Waldkindergarten.

In Feldstedt gab es dann erst mal ein großes Hallo mit den Besucherinnen. Die Gesamtleiterin der Deutschen Kindergärten Apenrade (DKA), Morlyn Albert, begrüßte alle. Bei einer Führung begutachteten die Gäste zunächst das Gebäude.

Diese Beiden haben im Waldkindergarten ein neues Zuhause gefunden: sonnenbetriebene Winkekatzen. Foto: Privat

Im Stuhlkreis begleitete Abteilungsleiterin Lisa Thietje das allseits beliebte Morgenlied „Halli, hallo, schön, dass ihr da seid!“ auf der Gitarre. In dem Lied wird jedes Kind einzeln mit Namen begrüßt, und so wurden dann auch die Besucherinnen mit – für hiesige Ohren schwierigen – Vornamen angesungen.

Die Kinder sangen „Bruder Jakob“ auf Deutsch, Dänisch und Englisch. Der international bekannte Kanon (u. a. „Frère Jacques“ im Französischen) ist offenbar auch in chinesischer Version vorhanden. Allerdings wunderten sich die Feldstedter über scheinbar nicht zum Text passende Gesten, als die Gäste aus Hongkong es sangen. Es zeigte sich auf Nachfrage, dass das Musikstück im Chinesischen von zwei Tigern handelt, die hintereinander hergehen. „Dem ersten fehlt der Schwanz, dem zweiten der Kopf. Das fällt aber von vorne nicht auf, da sie hintereinander hergehen. So haben wir das jedenfalls verstanden“, so Thietje.

Bruder Jakob auf chinesisch: Dort handelt der Kanon von zwei Tigern. Die Gäste führten deshalb auch andere Gesten aus. Foto: Karin Riggelsen

Mit großem Interesse stellten die Besucherinnen Fragen zur Organisation. Ähnlich wie die sieben Kindergärten im DSSV ist auch der Kindergarten der Chinesinnen im Verbund mit anderen sechs Kindergarten. Die allerdings sind ungleich größer als der Waldkindergarten. „Die arbeiten in einer Einrichtung mit 200 bis 300 Kindern“, so Thietje, „aber es wurde nicht ganz deutlich, ob das eine Einrichtung ist oder alle sieben zusammen.“

Bei diesem Kulturaustausch wurden sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede deutlich. Die Frauen machten zum Beispiel auf die Minibühne aufmerksam, eine kniehohe Stufe im Kindergarten. „Das wäre in China nicht erlaubt, viel zu gefährlich, erzählten sie uns“, so Thietje. Sie war überhaupt erstaunt über den größtenteils durchstrukturierten Tagesablauf, den die Besucherinnen aus ihrer eigenen Einrichtung präsentierten.

William führte die Schaukel vor. Foto: Karin Riggelsen

Anschließend spielten alle noch gemeinsam im Schnee, die Frauen durften die Höhle besuchen, die Kerstin Meyer kürzlich mit den Kindern aus den eingesammelten Weihnachtsbäumen und Ästen gebaut hatte. Eine flexible Schaukel wurde angehängt und eifrig benutzt.

Als Gastgeschenk gab es zwei solarbetriebene Winkekatzen fürs Fensterbrett. Die Kindergärtnerin erklärte: „Solche Winkekatzen hätte ich niemals selbst gekauft. So aber sind sie eine schöne Erinnerung an den Tag.“

Nach drei Stunden interessanten Austauschs luden die Frauen Morlyn Albert und Lisa Thietje zum Gegenbesuch ein. „Das würden wir gerne mal machen“, so Thietje.

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