Wunderlampen im Einsatz

Magische Lampen erzählen Geschichte(n)

Anke Haagensen
Anke Haagensen Lokalredakteurin
Apenrade/Aabenraa
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Foto: Anke Haagensen

Geschichte mal anders: Der Apenrader Museumshof „Jacob Michelsens Gård“ hat sein Vermittlungskonzept um zehn sprechende Petroleumlampen erweitert.

Im Jacob-Michelsen-Hof spielen zehn Petroleumlampen und 50 kreisrunde Untersetzer künftig in der Vermittlungsstrategie eine wichtige Rolle. In dieser Woche stellte der Freundeskreis des Apenrader Museumshofes der Öffentlichkeit seine neueste Errungenschaft vor.

Die Petroleumlampen sehen zwar mit ihrer lodernden Funzel täuschend echt aus, aber sie sollen dem Besucher nicht den Weg durch das Museum leuchten, sondern ihm gewissermaßen Erleuchtung bringen. Sobald eine „Magische Lampe“ auf einen der 50 Untersetzer gestellt wird, die künftig überall im Museum und im Garten ausgelegt werden, zeigt sich ihr eigentlicher Sinn. Sie kann nämlich sprechen.

Der große Waschtag

Modernste Technik im Petroleumbehälter macht dies möglich. Man kann jetzt die Enkelkinder des ehemaligen Besitzers von „Kolstrupgård“ – inzwischen selbst schon im Rentenalter – erzählen hören. Sie berichten unter anderem vom großen Waschtag auf dem Hof oder warum das Kaffeetrinken mit den Bewerberinnen um die Hausmädchen-Stellung so wichtig war.

Viele solcher Erzählungen und Kindheitserinnerungen haben die Familie Michelsen und später auch das Museum gesammelt. Es gab sie früher auf Kassette und CD, aber jetzt mit den Wunderlampen kommen die authentischen Erzählungen erst richtig zur Geltung.

Die erzählte Geschichte bleibt

„Die Lampen sollen das lebendige Erzählen nicht ersetzen, sondern sind als Ergänzung gedacht“, unterstreicht Karin Becker, Vorsitzende des Museums.

Dem (erwachsenen) Sohn von Anne-Marie Luckmann, die seit drei Jahren der Aktivitätsgruppe des Hauses angehört, kam die Idee für diese moderne Art der Geschichtsvermittlung. Martin Luckmann ist Interaktionsdesigner und hat bereits für mehrere Museen und Ausstellungen sogenannte taktile Interfaces, also greifbare Schnittstellen zwischen den Museumsbesuchern und den Informationen, die ihm vermittelt werden sollen, entwickelt.

Der Petroleumtank der „Magischen Lampe" ist mit modernster Technik gefüllt. Foto: Anke Haagensen

Geniale Verpackung

Beim Stöbern auf dem Dachboden des Michelsen-Hofes war er auf eine Petroleumlampe gestoßen und als ihm seine Mutter dann auch von der Existenz der Tondateien berichtete, war ihm die Idee gekommen, dass eine solche Lampe die geniale „Verpackung“ für eine interaktive Geschichts- und Geschichtenvermittlung im Museumshof wäre. Er rüstet die „schnöden“ Petroleumlampen mit MP3-Player, Batterie, Mikroprozessor, Verstärker, Lautsprecher und RFID-Empfänger zu wahren Wunderlampen um.

Anschaffung durch Stiftungsgelder

Im März dieses Jahres hat er dem Freundeskreis zum ersten Mal von seiner Idee erzählt. Im April wurde bereits auf der Generalversammlung der Beschluss gefasst und schon ging der Vorstand auf die Suche nach den erforderlichen 80.000 Kronen. Stiftungsgelder ermöglichten schließlich den Einkauf. Den Löwenanteil steuerte der A.-P.-Møller-Fond bei.

Die Lampen werden allerdings kaum an den beliebten Backwochenenden des Museums zum Einsatz kommen. „Da herrschen so viel Trubel und Lärm im Haus. Sie sind eher etwas für die anderen Öffnungstage, wenn es etwas ruhiger ist“, sagt Anne-Marie Luckmann.

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