Wat mut, dat mut

Die fleißigen Herren vom Gjenner Wasserwerk

Gesche Picolin
Gesche Picolin Journalistin
Gjenner/Genner
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Die „Schaltzentrale“ ist sein Element: Bent hat sein gesamtes aktives Berufsleben mit Abwasserhandtierung verbracht. Er weiß, wie der Hase läuft, und kontrolliert täglich die Zahlen. Foto: Gesche Picolin

Das unscheinbare Wasserwerk von 1938 versorgt von der Gjenner Bygade aus auch Teile Haderslebens. Die Wächter des Werkes sind mit Leib und Seele dabei.

Sie tun, was getan werden muss. Sie kümmern sich um ihr Wasserwerk. Und sie tun es gerne. Erik Berg, ein Gjenner Jung’, ist der Kassierer, er ist mit dem Werk aufgewachsen. Bent Jensen, auch aus dem 700 Seelen-Ort, ist der dritte Wart des Wasserwerks.
Der erste freiwillige Wart war 40 Jahre lang im Dienst und erhielt dafür 1978 von einer jungen Königin Margrethe die Treuemedallie. Der zweite „Werksaufpasser“ machte seine Arbeit auch nebenher, aber „nur“ 30 Jahre lang. Ihm folgte Jensen.

Kassierer Berg erläutert in kurzen Zügen den Prozess: Wenn das Wasser aus dem Erdreich kommt, sei es „schwarz wie Pech“, so Berg. „Es wird dann in riesigen Filtern geklärt, und schließlich in einem Tank gelagert. Und von dort aus gelangt es zu den Verbrauchern.“ Geklärt, gefiltert, einfach köstlich.
An ihr Werk sind etwa 600 Haushalte angeschlossen. Klingt nach viel? Ist es auch. Denn das Wasserwerk versorgt nicht nur den Ort, sondern auch viele umliegende Bereiche. Und über die Kommunegrenze hinaus versorgt es auch. Doch dazu später mehr.

Das Werk stammt aus dem Jahr 1938. Es startete mit 40 Anteilseignern. Warum aber wurde genau hier, an der Genner Bygade ein Wasserwerk gebaut? „Hier wurde damals nach Wasser gebohrt, hier liegt es in nur etwa 75 Metern Tiefe. Da war relativ leicht ranzukommen“, so Berg.

Investitionen in der Zukunft

Hinterm Werk haben sie jetzt einen Grund dazugekauft. Um auszuweiten. Um in Zukunft mehr pumpen zu können. Apropos Zukunft, wie sieht die aus? „Die Finanzen sind in Ordnung“, so der Kassierer, „wir werden jetzt innerhalb von zwei Jahren investieren in drei neue Filter, die jetzigen sind komplett überdimensioniert. Auch in bessere Pumpen werden wir investieren. Die jetzigen verbrauchen zuviel Strom. Und es soll neue elektronische Messgeräte geben. Diese Geräte haben einen Sensor, so dass der Messwagen nur an einem Haus vorbeifahren muss, um abzulesen. In Loit Kirkeby gibt es bereits dieses elektronische Ablesen.
Und mit Loit Kirkeby schließen sie sich demnächst im Herbst zusammen. Eine neue Wasserleitung wird gelegt. Denn da waren sie damals schlau; als der neue Radweg gegraben wurden, hat das Gjenner Wasserwerk vorsorglich Rohre gelegt, um eine Verbindung nach Loit etablieren zu können.

„Wir liegen hier allein, wenn was kaputt ist, brauchen wir Tankwagen zum Transport des Wassers“, so der engagierte Kassierer. Wenn sie künftig mit Loit Kirkeby verbunden sind, gibt das mehr Sicherheit.
„Du weisst ja selbst, wenn kein Wasser da ist, rufst du an.“ Und dann sehen sie nach. Doch wer ist jetzt eigentlich angeschlossen? Das sind über Gjenner hinaus Haushalte am Haderslevvej bis zum Knivsberg, auf dem Nørreskovvej, dem Østerløgumvej, Skølsigvej, die Bodummer Pfadfinderhütte, Gjenner, das Kalöer Badehotel, Gjenner Strand, Süderballig und Süderballig-Hoved (Solbakken). Somit liefern sie kommuneübergreifend auch nach Hadersleben.

Erik Berg und Bent Jensen im Büro. Hier können sie die Aussicht Richtung Gjenner genießen. Gerade erst haben sie 1000 Quadratmeter hinter dem Werk hinzugekauft. Foto: Gesche Picolin

Schmeckt gut

Und wie ist das mit Kalk im Wasser? „Absolut akzeptabel. Das merkt man nicht in unserem Wasser. Und wenn jemand sagt „Mein Wasser schmeckt nicht“, dann fahren wir hin und messen. Und sagen gegebenenfalls „Doch. Dein Wasser schmeckt gut.“

„Im Juni gab es einen Vorfall, da lief nachts Wasser. Das konnten wir hier anhand der Zahlen eruieren, wo das herkam: Da gab es ein Leck in Gjenner Strand. Da haben wir den Hausbesitzer informiert“, so Berg.
Früher, im alten Amt Apenrade, da gab es sieben Wasserwerke. Wenn da mal einer zum Prüfen vorbei kam, hieß es „Ein schönes Wasserwerk. Rein und sauber.“ In der neuen Großkommune sind es 47 Stück. Heute kommt keiner mehr zum Prüfen.

Das Gjenner Wasserwerk verkauft 60.000 Kubikmeter Wasser im Jahr. Eine Kapazität hat es allerdings für 240.000 Kubikmeter.

Und dann ist da noch der Metalldetektor. „Den brauchen wir manchmal unten im Ort, damals wurde querbeet gebaut und Gärten angelegt, da müssen wir die Wasserschlösser manchmal mit dem Detektor suchen gehen.“

Und auch wenn es so scheint, als ob das Wasser wie von alleine sauber aus dem Hahn kommt, irgendwer muss sich zuvor darum kümmern. Das tun die beiden fleißigen Herren aus Gjenner. Denn wat mut, dat mut.

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Leitartikel

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
„Venstre-Wellen“