Fischerei

Apenrade: 180 Tonnen Miesmuscheln werden wöchentlich angelandet

Paul Sehstedt
Apenrade/Aabenraa
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Zufriedenheit spiegelt sich auf den Gesichtern der Musse-IV-Besatzung: Skipper Robert Høgedal (l.) und Lars Nex mit dem ersten Fang des neuen Kutters. Foto: Paul Sehstedt

Musse III und Musse IV – zwei Kutter aus Glyngøre sind auf Muschelfang im Kleinen Belt unterwegs. Für das Gewerbe gelten strenge Auflagen.

„Mit den Jahren habe ich auch gelernt, Muscheln zu essen, aber ich kann auch ohne leben“, gesteht Reeder und Muschelfischer John Hansen aus Glyngøre, während sein neuester Kutter, die Musse IV, ihren ersten Fang überhaupt am Gammelhavn in Apenrade anlandet. Mit dem Schwesterkutter Musse III ist Hansen auf Muschelfang in und vor der Apenrader Förde unterwegs. „Aber Austern rühre ich erst gar nicht an; die sind mir zu wabbelig“, fügt der Fischer in breitem nordjütischem Dialekt hinzu.

Beide Kutter sind schwerbeladen mit Miesmuscheln, und die Musse IV liegt besonders tief im Wasser. „Nein, nicht tief“, berichtigt der Mann aus Glyngøre die Bemerkung des Nordschleswiger-Reporters, „sie liegt gut im Wasser!“ Sein Ausdruck dafür, dass er mit dem ersten Törn seines Kutters durchaus zufrieden ist.

Zwei Kutter des Reeders und Muschelfischers John Hansen aus Glyngøre liegen im Gammelhavn und warten auf ihren Einsatz. Pro Woche darf jeder Kutter 180 Tonnen essbare Miesmuscheln fischen. Foto: Paul Sehstedt

„Selbstverständlich hinterlassen wir Spuren, wenn wir die Bänke abernten“

Robert Høgedal ist der Skipper auf der Musse IV. Seit 16 Jahren geht er auf Muschelfang und ihm zur Seite steht Lars Nex, der schon seit 32 Jahren dabei ist. Um 4 Uhr warfen sie die Leinen los und fuhren gemeinsam mit dem anderen Kutter von John Hansen Richtung Muschelbänke, die sie schon seit 1985 regelmäßig abschaben. Elf Stunden später sind sie wieder zurück. Am Kai stehen fünf Lastzüge, die gemeinsamen rund 140 Tonnen Miesmuscheln übernehmen und zur Verarbeitung bei Vildsund Blue in Nykøbing Mors frachten.

Wird der Meeresgrund vom Muscheltrawl aufgerissen und beschädigt?
„Selbstverständlich hinterlassen wir Spuren, wenn wir die Bänke abernten“, bestätigt Robert Høgedal, „doch je nach Strömungsverhältnissen glättet das Meer den Boden innerhalb von zwei bis vier Wochen wieder aus.

„Im deutschen Teil der Flensburger Förde ist nach Bürgerprotesten der Muschelfang verboten worden, nachdem Taucher Bilder vom zerstörten Meeresboden veröffentlicht hatten“, sagt Høgedal. „Niemand kann etwas produzieren ohne dass ein Nebeneffekt entsteht“, ergänzt der 49-jährige Nex. „Wir sind natürlich daran interessiert, dass die Muschelgründe nicht zerstört werden, damit wir sie auch künftig befischen können. Unser Fanggerät stellen wir so ein, dass nur Muscheln mit einer Größe ab sechs Zentimeter im Netz hängen bleiben. Die kleineren holen wir in ein oder zwei Jahren.“

„Die Auflagen für den Muschelfang sind streng“, meint der Reeder. „Unsere Kutter haben zum Beispiel lediglich 170 PS starke Motoren. Ist die Maschinenkraft größer, dürfen wir nicht innerhalb der Drei-Meilen-Zone fischen und gerade dort befinden sich die Muscheln.“
„Die Fangquote pro Kutter liegt bei 180 Tonnen pro Woche“, erläutert der 38-jährige Skipper Høgedal und fügt hinzu: „Daraus werden etwa 16 Tonnen Muschelfleisch gewonnen. Das meiste geht in den Export.“

Wenn die Wochenquote erreicht ist, packen die Fischer ihre Taschen und fahren nach Hause. Die Kutter bleiben in Apenrade liegen. Seit wann benutzt ihr den Hafen in Apenrade?
„Wir landeten schon vor etlichen Jahren in Apenrade an“, erinnert sich Lars Nex, „und waren später auch in anderen Häfen, die dichter an den Fanggründen lagen.“

„Weil aber immer mehr Häfen nicht industriell genutzt werden, sind wir notgedrungen wieder in Apenrade", ergänzt Høgedal die Erläuterungen seines Kollegen. „Die Verhältnisse für die Hafenbenutzer sind sehr gut und wir können die Muscheln zügig löschen.“ Zur Flotte von John Hansen gehören drei Kutter. Die Musse III und Musse IV sind technisch fast identisch. Der Rumpf wurde in Polen geschweißt, der Ausbau und die Ausrüstung der 65 BRT großen Kutter geschah in Dänemark. Mit einem Tiefgang von nur 2,5 Metern kann küstennah manövriert werden. Der Neubau Musse IV kostete rund zehn Millionen Kronen.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Eine neue Laufbahn“