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Überraschendes Forschungsergebnis: Viele dänische Dünen sind von Menschen erschaffen

Überraschendes Ergebnis: Viele dänische Dünen sind von Menschen erschaffen

Viele dänische Dünen sind von Menschen erschaffen

Fröslee/Frøslev
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Bei Ausgrabungen bei Harrild Hede traten die verschiedenen Sedimentschichten deutlich zutage. Die dunkle Schicht zeigt vermoderte Reisigreste. Foto: Kristian Dalsgaard/Geologisk Tidsskrift

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Der Flugsandwall in der Frösleer Plantage soll seinen Ursprung durch Menschenhand erfahren haben.

„Sandgård“ ist ein vier Kilometer langer Wall, der sich durch den nördlichen Teil der Frösleer Plantage zieht. „Er (der Wall, red. Anm.) sieht aus, als ob er von Menschenhand geschaffen wurde, aber er ist einzig und allein den Naturkräften geschuldet.“ Diesen Satz muss das nordschleswigsche Forstamt wohl von seiner Homepage streichen, nachdem Forschende der Universität Aarhus jetzt herausgefunden haben, dass viele der Dünen in Dänemark tatsächlich das Ergebnis von frühem Landschaftsschutz unserer Vorfahren sind.

Reisig in den Boden gesteckt

Um die umliegenden Ländereien und Dörfer vor Flugsand zu schützen, haben sich die Bewohner der betroffenen Gebiete im 18. Jahrhundert und später offensichtlich einer Technik bedient, wie sie wohl schon die alten Römer verwendeten, um der sogenannten Abblasung von Lockermaterial (z. B. Sand oder trockener Erde) Herr zu werden. Sie steckten dünne Zweige in den Boden, damit leichte, feinkörnige Bodenpartikel, die vom Wind erfasst und durch die Lüfte gewirbelt wurden, sich dort ablagern konnten. Der Sand blieb an diesen dünnen Zweigen hängen; waren die Zweige mit Sand bedeckt, wurden neue Reiser in den Boden gesteckt. So bildeten sich nach und nach meterhohe Dünen.

Zu diesem Ergebnis sind Forschende der Uni Aarhus nun gekommen. Archäologinnen und Geologen sind nicht nur tief in die Archive getaucht, sondern haben auch tief gegraben. Bei den Ausgrabungen sind die Forschenden jetzt auf Sedimentschichten gestoßen, die die früheren Vermutungen nun auch belegen.

Die Karte zeigt die 14 bislang bekannten „unnatürlichen“ Dünen. Foto: Uni Aarhus

Es sind wahrscheinlich noch mehr

Zumindest sind 14 der dänischen Dünen ursprünglich von Menschen geschaffen worden. Zu den 10 „entlarvten“ Dünen in Jütland, 3 auf der Insel Seeland und der einen auf Bornholm gehören so „berühmte“ wie Rubjerg Knude, Østerild und Harrild Hede in Nord- und Mitteljütland, aber eben auch der „Sandgård“ in der Frösleer Plantage. „Die 14 Dünen, von denen wir jetzt wissen, dass sie von Menschen geschaffen sind, sind wohl nicht die einzigen. Es gibt wahrscheinlich mehr“, lautet die Einschätzung von Søren Munch Kristensen. Er ist Dozent am Institut für Geowissenschaften an der Uni Aarhus.

Altes Rätsel gelöst

„Wir haben endlich ein altes Rätsel unter Geologinnen und Archäologen lösen können“, unterstreicht er. Es ist nicht so, dass die Wissenschaft sich nicht schon lange mit dem Thema befasst hätte. Allerdings hat es auch modernster Lasertechnik bedurft, um letztlich die Beweise dafür zu finden, dass die Dünen in der Heide nicht allein von der Natur geschaffen wurden. Um herauszufinden, welche Gebiete Dänemarks durch Klimaänderungen von Hochwasser als erste betroffen würden, wurde das gesamte Land aus der Luft mittels Laserstrahl abgetastet. Die dadurch gewonnenen Erkenntnisse haben die Geologinnen und Archäologen jetzt auch in ihrer Forschung nutzen können.

Wie die Binnendünen in den dänischen Heidelandschaften wie hier im mitteljütischen Stråsø entstanden sind, hat die dänische Wissenschaft schon über 100 Jahre beschäftigt. Jetzt konnte das Rätsel geknackt werden. Foto: Kristian Dalsgaard

Nicht alle Fragen beantwortet

 

„In Westjütland, Nordjütland und auch in Nordschleswig haben die Menschen wahrscheinlich über die Jahre vergessen, dass die Dünen durch harte Arbeit entstanden sind. Bei den anderen Flugsandwällen hatten Archäologen und Historiker schon eine Ahnung, dass sie von Menschen geschaffen wurden. Das gilt für die im Norden Seelands und auf Bornholm“, präzisiert es Søren Munch Kristensen.

Wann genau die Idee entstand, den Flugsand durch Reisig aufzuhalten, sei ungewiss, sagt der Dozent. „Wir wissen nicht, wer die Idee hatte, auf diese Weise Wälle aufzuschichten. Die Technik stammt höchstwahrscheinlich aus den südlichen Ländern. Vielleicht beherrschten schon die alten Römer diese Technik vor mehr als 2.000 Jahren“, lautet die Vermutung Munch Kristensens.

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