Jungunternehmer

Stauholz Tingleff: Zwei Nordschleswiger geben Metall einen Sinn

Stauholz Tingleff: Zwei Nordschleswiger geben Metall einen Sinn

Stauholz: Zwei Nordschleswiger geben Metall einen Sinn

Tingleff/Tinglev
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Stauholz
Sebastian Staugaard und Peter Langholz Schmidt mit einer Spezialanfertigung für einen Kunden. Die beiden Unternehmer entwickeln Produktlösungen für Industrie, Landwirtschaft und Ingenieurbüros. Foto: Karin Riggelsen

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Peter Langholz und Sebastian Staugaard sind Stauholz. In ihrer Schmiede in Tingleff bieten die beiden jungen Unternehmer Lösungen für die Probleme ihrer Auftraggeberinnen und -geber an. Warum sich die beiden Nordschleswiger in die Selbstständigkeit gewagt haben und warum sie für ihren Berufszweig brennen, zeigt sich vor Ort im Mads-Clausen-Vej.

Es riecht nach geschweißtem Metall und leichte Rauchschwaden wabern unter der hohen Decke. Überall stehen schwere Maschinen, liegen Stahlplatten, aus denen Teile herausgeschnitten wurden, blitzen die Schweißgeräte auf und stehen fertige Projekte auf Werkbänken in der Halle der Tingleffer Firma Stauholz.

Es ist deutlich zu spüren, dass Peter Langholz und Sebastian Staugaard für das, was sie tun, brennen. Die beiden betreiben mit gerade einmal 28 und 29 Jahren ihre eigene Firma. Der Name Stauholz leitet sich aus ihren Namen ab.

Produkte aus Stahl und Aluminium

Seit Januar 2019 entstehen unter der Führung der beiden Jungunternehmer in den Hallen am Mads-Clausen-Vej verschiedenste Produkte aus Stahl und Aluminium. Peter zeigt beim Rundgang auf Güllepumpen auf einer Werkbank, einen nahezu fertigen Kran für die Landwirtschaft und eine industrielle Waschtrommel aus einem Tagebau, die gerade instandgesetzt wird. 

Es scheint nichts zu geben, was Stauholz nicht herstellen kann. Das wird deutlich, als Peter zwei Maschinen erklärt, die mit Laser und Wasser alle erdenklichen Formen aus Metallen, Granit und sogar Holz schneiden können.

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Mit hochmoderner Technik können die Mitarbeitenden dicke Stahl- und Aluminiumplatten, aber auch Granit und Holz präzise schneiden. Foto: Karin Riggelsen

„Wir sind im Prinzip Zulieferer für Industrie, Landwirtschaft oder Ingenieurbüros“, sagt Peter. Kundinnen und Kunden kämen mit spezifischen Problemen, für die bei Stauholz individuelle Lösungen erarbeitet werden. „Wir können uns schnell an den Kundenwünschen orientieren und uns darauf einstellen“, so der gebürtige Renzer.

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Die beiden Unternehmer in ihren Produktionshallen in Tingleff. Für beide war klar, dass sie ihrer Heimat Nordschleswig treu bleiben. Foto: Karin Riggelsen

Nach der Ausbildung in die Selbstständigkeit

Der 28-jährige Peter und der 29-jährige Sebastian gingen gemeinsam in die Lehre bei örtlichen Ausbildungsbetrieben und eigneten sich während der Zeit ein breites Wissen über das Schmiedehandwerk und Maschinen an. Anschließend gingen beide in die Selbstständigkeit und starteten mit eigenen Ein-Mann-Betrieben. Doch dabei sollte es nicht bleiben.

„Wir wollten mehr“, sagt Peter. Beide hatten das gemeinsame Bestreben, ihre Produkte zu perfektionieren. „Wir brauchten mehr Platz und mehr Maschinen.“ Und so begann eine Zeit mit vielen Terminen bei Banken, Rechtsanwälten und einem Geschäftsplan. Die Gebäude am Mads-Clausen-Vej waren ideal für die Pläne der beiden Unternehmer und so ging es in den leeren Hallen im Januar 2019 los.

Ich finde es toll, dass man ein Stück Metall hat und diesem einen Sinn geben kann.

Peter Langholz
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Ein Schweißer im Team von Stauholz kommt auch aus Deutschland. Foto: Karin Riggelsen

Dem Metall einen Sinn geben

Peter, der sich schon immer für Maschinen und Landwirtschaft interessiert hat, geht in seinem Beruf auf. „Ich finde es toll, dass man ein Stück Metall hat und diesem einen Sinn geben kann“, sagt er. Das Schöne an der Selbstständigkeit sei auch, Projekte vom Start bis zum Schluss zu begleiten und ihnen den eigenen Stempel aufzudrücken. „Ich mag den Kontakt zum Kunden, das vor und zurück bei der Problemlösung bis zum fertigen Produkt“, schwärmt der 28-Jährige. Dabei gehe es oft mit einer einfachen Papierzeichnung los.

Sebastian hingegen gefällt die Gesamtverantwortung. „Das geht los beim Budget, dem Erreichen der gesetzten Ziele und dem Einfluss, den eigene Entscheidungen auf das Ganze nehmen“, sagt der Vater einer dreijährigen Tochter. 

Aus Fehlern gelernt

Dennoch ging gerade am Anfang nicht immer alles glatt. „Wir haben auch Fehler gemacht, aber wir konnten sie ausbügeln“, sagt Sebastian rückblickend. So haben die beiden beispielsweise gebrauchte Maschinen gekauft, in dem Glauben, diese auch selbst reparieren zu können. Das sei ein Trugschluss gewesen. „Man sollte nur das machen, was man auch kann“, sagt der 29-jährige Schmied und Maschineningenieur mit einem Lächeln. 

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Die beiden Nordschleswiger begutachten eine Reihe von Güllepumpen für die Landwirtschaft. Foto: Karin Riggelsen

Vorteil, Deutsch zu sprechen

Inzwischen reicht der Kundenkreis von Stauholz von Deutschland bis nach Nordjütland und Seeland. Gerade im Umgang mit deutschen Kundinnen und Kunden oder bei der Bestellung von Material sei es sehr hilfreich, Deutsch zu können, weiß Peter, der die Deutschen Schulen in Buhrkall und Tingleff besucht hat. 

Weil Sebastian nur wenig Deutsch spricht, sei Peter also der Hauptverantwortliche, wenn es um den deutschen Markt und das Grenzland gehe.

Man sollte nur das machen, was man auch kann.

Sebastian Staugaard

Herausforderung Personalverantwortung

Die Personalverantwortung war nur am Anfang schwer. „Wir müssen ja dafür sorgen, dass es genug Arbeit gibt. Da gibt es immer ein Auf und Ab“, sagt Sebastian. Im Oktober 2019 stellten die beiden ihren ersten Mitarbeiter ein. Heute sind die beiden verantwortlich für zehn Angestellte. „Die meisten kommen hier aus der Region, wir haben aktuell auch einen Mitarbeiter aus Deutschland“, sagt Peter. „Wir arbeiten also grenzüberschreitend“, sagt er und lacht. 

„Wir haben natürlich ein Interesse daran, dass alle unsere Mitarbeiter glücklich sind und Spaß bei der Arbeit haben“, ergänzt Sebastian. Das zahle sich dann am Ende auch wirtschaftlich aus. Beide setzen ihre Mannschaft daher auch entsprechend der jeweiligen Kompetenzen ein. 

Weder die Corona-Pandemie noch die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung hätten Stauholz geschadet. „Wir sind bislang nur gewachsen“, sagt Peter. 

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Sebastian Staugaard erklärt, wie im Betrieb Metall geschnitten wird. Foto: Karin Riggelsen

Zu jung für den Job?

Am Anfang sei es aber trotzdem schwer gewesen, weil neue Auftraggebende zunächst nicht an die Kompetenz „der jungen Kerle“ geglaubt hätten. „Einige dachten bestimmt, die haben doch keine Ahnung“, sagt der Renzer. Einige der Kundinnen und Kunden aus den Anfangszeiten des Betriebs kämen noch heute immer wieder. 

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Lösungen für Kundinnen und Kunden zu entwickeln, ist für die beiden Unternehmer ein Grund, warum sie den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt haben. Foto: Karin Riggelsen

Wir haben dann einen Beschluss gefasst, dass wir an den Wochenenden freihaben, weil wir ja auch noch was anderes im Leben machen wollen.

Peter Langholz

Inhaber mit festen Freiheiten

Herausfordernd war für die beiden Nordschleswiger gerade am Anfang auch das Thema Arbeitszeit.  „In den ersten drei Monaten haben wir fast rund um die Uhr gearbeitet. Das hat viel Energie gekostet“, sagt Peter. „Wir haben dann einen Beschluss gefasst, dass wir an den Wochenenden freihaben, weil wir ja auch noch was anderes im Leben machen wollen.“ 

Gebe es Auftragsfristen, so würden die natürlich eingehalten, sagt der Unternehmer. „Unter der Woche sind wir meist von 6 bis 17 Uhr im Betrieb“, erzählt der 28-Jährige, der zusammen mit seiner Freundin gerade ein Haus bei Rothenkrug (Rødekro) gekauft hat.

Wo geht die Reise hin?

Die beiden geben sich aber noch lange nicht zufrieden und blicken bereits ein Stück in die Zukunft. Mit einem professionellen Verwaltungsrat, der aus zwei pensionierten Experten besteht, wollen die beiden jetzt ausloten, wie sie zum einen wachsen und zum anderen zu einem modernen metallverarbeitenden Betrieb werden können. „Es geht darum, wie wir uns strategisch ausrichten und größer denken können“, sagt Peter. 

„Wir wollen uns gerne auf drei, vier bestimmte Kernkompetenzen spezialisieren“, ergänzt Sebastian. Schon heute stehen beide immer weniger an den Maschinen, sondern planen Projekte und betreuen Kundinnen und Kunden. Was es brauche, sei mehr Zeit für die Weiterentwicklung.  

 

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Wollen ihr Unternehmen spezialisieren und weiter wachsen: Sebastian Staugaard und Peter Langholz. Foto: Karin Riggelsen

Irgendwas müssen wir richtig gemacht haben.

Sebastian Staugaard

Gerade bei Großprojekten müsse in den Hallen bereits jetzt viel herumgeräumt werden, sagt Peter schon zu Beginn. „Wir sind bereits auf einem guten Weg, wollen aber nicht bei jedem Projekt das Rad neu erfinden“, sagt Sebastian im Hinblick auf Workflows. Dabei gehe es um die Entwicklung fester Arbeitsabläufe, aber auch um die Qualitätskontrolle.

Auszeichnung als Belohnung

Der Einsatz der beiden Jungunternehmer zahlt sich nicht nur bei der Auftragslage aus. Vor kurzem fischte Peter einen goldenen Briefumschlag aus dem Postkasten. „Ich dachte zunächst an eine Einladung zu einer Goldenen Hochzeit“, sagt er grinsend. Als er dann die Auszeichnung mit dem Gazelle-Preis von „Børsen“ aus dem Umschlag zog, war er baff. „Das war natürlich fantastisch und eine Belohnung für die Arbeit, die wir uns gemacht haben“, sagt Peter. Und Sebastian ergänzt: „Irgendwas müssen wir richtig gemacht haben.“

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