Spendenstaffel

Kerstin und Amira liefen nachts um 3 Uhr für das Leben

Kerstin und Amira liefen nachts um 3 Uhr für das Leben

Kerstin und Amira liefen nachts um 3 Uhr für das Leben

Anna Itter
Anna Ittner
Apenrade/Aabenraa
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Angehörige zünden Kerzen für Betroffene an oder gedenken damit den bereits an Krebs Verstorbenen.
Angehörige zünden Kerzen für Betroffene an oder gedenken damit den bereits an Krebs Verstorbenen. Foto: Anna Ittner

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Bei der „Stafet for livet“ oder „Staffel fürs Leben” laufen Menschen 24 Stunden lang Spendengelder für krebskranke Menschen ein. Wieso es für die Teilnehmenden oft mehr ist als ein normaler Spendenlauf.

„Es ist wichtig zu sehen, dass es eine Gemeinschaft gibt, die von Krebs Betroffenen und deren Angehörige wahrnimmt“, sagt Kerstin Gosch. Sie arbeitet beim Deutschen Schul- und Sprachverein (DSSV) und nahm am Wochenende zusammen mit ihrer Tochter Amira Wenzel an der „Staffel fürs Leben“ teil.

Gemeinsam mit Anja Eggert vom Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN) und Maike Minor vom DSSV gehörten sie einem größeren Team an, den „Bjergladies og venner“, also Bergladies und Freunde.

(v. l.) Kerstin Gosch, Amira Wenzel, Anja Eggert und Maike Minor
(v. l.) Kerstin Gosch, Amira Wenzel, Anja Eggert und Maike Minor Foto: Anna Ittner

Die Staffel startete am Sonnabend um 12 Uhr mittags und dauerte bis 12 Uhr mittags am Sonntag, 24 Stunden also. Die Teilnehmenden liefen dabei natürlich nicht permanent durch, sondern wechselten sich ab. Es sollte dabei aber durchgehend jemand auf der Strecke sein.

Die Idee dahinter ist, dass Betroffene auch 24 Stunden am Tag mit der Krankheit zu kämpfen haben. Der Lauf soll kranken Menschen zeigen: Wir halten zusammen mit euch durch und unterstützen euch.

So eine Veranstaltung kann auch Mut geben, das Leben zu feiern.

Amira Wenzel, Teilnehmerin

Kerstin und Amira hatten sich zum Beispiel für die „Schicht“ von 3 Uhr bis 4 Uhr eingetragen und schliefen dafür sogar im Zelt. „Es ist mir wichtig, diesen guten Zweck zu unterstützen, damit in Zukunft weniger Menschen an Krebs erkranken müssen. Es ist auch schön, hier die Gemeinschaft zu sehen und zu wissen, dass man nicht allein ist“, sagt Amira, die wie viele hier einen persönlichen Bezug zum Thema hat. Ein Freund der Familie ist an Krebs erkrankt, über ihn haben Amira und Kerstin auch von der Staffel erfahren. Das war noch auf Fünen (Fyn), der Lauf findet nämlich in ganz Dänemark statt. In Apenrade sind sie dann über Anja Eggert ins Team gekommen, die sie über die Arbeit im Haus Nordschleswig kennen.

 

Auf dem Brett zählt das Team der „Bergladies" seine Runden.
Auf dem Brett zählt das Team der "Bergladies" seine Runden. Foto: Anna Ittner

Die Teams haben jeweils mehrere Sponsoren, die pro Runde 22,50 Kronen spenden. Zusammen gekommen sind so am Ende des Laufs in Apenrade rund 50.000 Kronen, die an die Dänische Krebsgesellschaft „Kræftens Bekæmpelse" gehen.

Sicher unterwegs

Damit sich auch nachts alle sicher auf der Strecke fühlen, war unter anderem Holger Jacobsen vor Ort. Er ist Nachtwächter und eigentlich bietet er im Sommer Nachtführungen für Touristinnen und Touristen an. „Ich dachte, es wäre doch schön, auch über die Staffelläufer zu wachen heute Nacht“. Jede Stunde drehte er also eine Runde und sang sein Nachtwächterlied.

Mannschaftskapitänin der Bergladies, Anne-Marie Skjerk, und Nachtwächter Holger Jacobsen
Mannschaftskapitänin der Bergladies, Anne-Marie Skjerk, und Nachtwächter Holger Jacobsen Foto: Ann Ittner

Gesungen haben beim Lauf auch noch einige weitere, zum Beispiel der Gospelchor „Gospelfamily“. Dieser trat am Sonnabenabend bei der Lichtzeremonie auf. Dabei konnten die Teilnehmenden selbst gestaltete Windlichter für ihre an Krebs verstorbenen oder derzeitig gegen Krebs kämpfenden Angehörigen aufstellen.

Stark in Gemeinschaft

„Eine solche Veranstaltung kann auch Mut geben, das Leben zu feiern“, sagt Amira Wenzel. Dazu tragen das starke Gemeinschaftsgefühl und auch die positive Musik der Gospelsängerinnen und -sänger bei. „Zusammen fühlt man sich stärker in der Situation.“

Der Gospelchor sang begleitend zur Lichterzeremonie mutgebende Lieder für Angehörige und Betroffene.
Der Gospelchor sang begleitend zur Lichterzeremonie mutgebende Lieder für Angehörige und Betroffene. Foto: Anna Ittner

Staffel-Vorsitzender Karsten Meyer Olesen ist zufrieden mit der Veranstaltung. Mit 341 Teilnehmenden ist sie zwar weit von den Zahlen vor Corona entfernt, wo die Staffel um die Tausend Teilnehmende hatte, doch „wir haben über alle möglichen Kanäle versucht, mehr Leute zu mobilisieren. Es hat trotzdem nicht viel genützt“, so Meyer Olesen.

Nächtliche Aktivität gesteigert

Doch die Steuergruppe schaut optimistisch in die Zukunft. „Wir werden sehen, ob wir nicht Schulen und Firmen mit ins Boot holen können“, so die aktuelle Überlegung, um die Teilnehmerzahl nach oben zu schrauben und so an die Erfolge früherer Jahre anzuknüpfen. 

Zufrieden ist der Vorsitzende mit der nächtlichen Aktivität auf der Runde. Es war schwierig, die Zeit von Mitternacht bis morgens um 6 Uhr mit Laufenden zu besetzen. Durch Spenden hat sich hier einiges getan, denn „es hat sich ein regelrechter Wettkampf zwischen den teilnehmenden Gruppen entwickelt. Jeweils zur vollen Stunde hat das Team eine große Tafel ,Guld Bar’ erhalten, das die meisten Runden hatte“, erzählt Karsten Meyer Olesen.

Die Dunkelheit hält die Teilnehmenden nicht davon ab, weitere Runden einzulaufen.
Die Dunkelheit hält die Teilnehmenden nicht davon ab, weitere Runden einzulaufen. Foto: Anna Ittner

Am Ende ging es aber nicht ums Gewinnen. „Ich mache es für meine an Krebs erkrankten Familienmitglieder – und für die Gemeinschaft“, sagt auch Anna-Marie Skjerk, Mannschaftskapitänin der Bergladies.

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