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Ein geschichtsträchtiges Geschenk zum 80. Geburtstag

Ein geschichtsträchtiges Geschenk zum 80. Geburtstag

Ein geschichtsträchtiges Geschenk zum 80. Geburtstag

Haistrup/Hajstrup
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Christel Dall am Rande der Geburtstagsfeier in Rapstedt mit der Skulptur von Hardesvogt Nis Henricksen Foto: Privat

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Die Skulptur eines sagenumwobenen Mannes aus dem Raum Bülderup wird bald das Zuhause von Christel Dall in Haistrup zieren. Die historische Holzskulptur ist ein Geschenk zum 80. Geburtstag und ist eng mit dem Haistuper Anwesen verwoben.

Anfang der 80er-Jahre übernahmen Paul Werner und Christel Dall den Haistrup-Hof in gleichnamigen Örtchen Haistrup bei Rapstedt (Ravsted). Es ist ein Anwesen mit langer und besonderer Geschichte, bei der ein gewisser Nis Henricksen (überliefert sind auch die Namen Hinrichsen, Henriksen und Hinriksen) eine besondere Rolle einnimmt. 

Jener Hardesvogt (1478 – 1554) – eine Art Verwaltungsbezirksleiter – trat 1524 bei einer legendären Protestversammlung der Bauern bei Bollersleben (Bolderslev) in Erscheinung und floh unter Pfeil-Beschuss auf einem Pferd.

Von diesem reitende Nis Henricksen ist eine fast lebensgroße Skulptur angefertigt worden.

Interesse an Hof- und Lokalgeschichte

„Wir haben uns immer schon sehr für die Geschichte des Hofes und die des Nis Henricksen interessiert. Vor allem auch Christel. Nun hat sie dazu eine Skulptur bekommen“, erzählt Paul Werner Dall mit einem Schmunzeln.

Ist im Großraum Bülderup legendär: Hardesvoigt Nis Henricksen Foto: Privat

Die Figur hatte er bei einem Künstler in Hoyer (Højer) in Auftrag gegeben. Es sollte ein Familiengeschenk zum 80. Geburtstag von Christel sein.

Als der runde Geburtstag kürzlich in der Deutschen Schule Rapstedt nachgefeiert wurde, bekam Christel ihr Geschenk zu Gesicht. 

„Leider nur auf dem Anhänger, denn die Figur muss noch nachbehandelt und wetterfest gemacht werden. Im Sommer wird sie voraussichtlich auf dem Hof in Haistrup aufgestellt“, so Ehemann Paul Werner.

Heikler Transport

Bei dem nicht ganz einfachen Transport der Skulptur bekam er Hilfe von den Söhnen Hans Peter und Iwer. Es sei eine heikle Mission gewesen, schließlich sollte die Figur keinen Schaden nehmen.

Iwer (l.) und Hans Peter Dall hatten die Skulptur auf einem Anhänger zum Familienfest transportiert und wieder zurück zum Nachbehandeln nach Hoyer gebracht. Foto: Privat

„Wir holten die Skulptur einige Tage zuvor in Hoyer ab und brachten sie erst einmal zu meinem Bruder, der bei Osterhoist wohnt. Von dort haben wir die Figur dann zum Fest nach Rapstedt gefahren und dann wieder weggebracht. Sie ist jetzt wieder in Hoyer, wo sie mit Wetterschutzölen nachbehandelt wird. Es hat alles geklappt. Die Skulptur ist heil zurückgekommen“, zeigt sich Hans Peter Dall erleichtert. 

Familienobjekt

Die Skulptur ist letztlich ein Familienprojekt. Christel und Paul Werner planen, ihren Wohnsitz nach Rapstedt zu verlegen. Die Figur soll auf dem Haistruper Hof bleiben. „Der bleibt aber auch in Familienbesitz“, erwähnt Hans Peter Dall.

Auch er ist von der besonderen Geschichte des damaligen Hardesvogts angetan, ist sie doch nicht nur mit dem Haistruper Hof, sondern mit dem gesamten Raum Bülderup eng verknüpft. 

Bei der Bülderuper Kirche befindet sich ein Grabstein, und in dem Gotteshaus soll lange Zeit auch der sagenumwobene rote Mantel des Vogts gehangen haben, der die Pfeile der aufgebrachten Frederik-Gegner bei der Flucht auf dem Pferd abfederte.

In der Beschreibung der Bülderuper Kirche greift auch die Nordschleswigsche Gemeinde die Person Nis Henricksen und dessen Auftritt mit Flucht am Urnehoved auf und verweist auf historische Textquellen:

„In der Zeit der Thronstreitigkeiten zwischen Christian II. und Herzog Friedrich standen die Bauern aufseiten des Königs. Nis Hinrichsen, der dessen hoffnungslose Lage erkannt hatte, beschloss, auf dem Thing seine Landsleute umzustimmen.

Da er wusste, dass er auf Widerstand stoßen würde, fütterte er sein Pferd mit Milch und Semmeln und übte es im Springen und Laufen. Außerdem ließ er sich einen dicken, rot-wollenen Mantel anfertigen. 

Als der entscheidende Tag kam, ritt er nach Urnehoved. Dort rief er mit lauter Stimme: „Des Landes Kinder halten es mit dem Landeskinde“. Dann warf er sein Pferd herum und ritt davon.

Seine Verfolger schossen mit Pfeilen hinter ihm her. Diese blieben jedoch in dem dicken Umhang stecken. In der Nähe von Boldersleben versperrten einige Wagen die Straße, aber er sprang mühelos darüber hinweg und entkam. 

Aus Dankbarkeit gewährte König Frederik I Haistruphof Privilegien. Nis Hinrichsen schenkte der Bülderuper Kirche seinen Mantel. 1786 soll er dort noch gehangen haben, aber als er vermoderte, wurde er als Staub hinausgekehrt.“

Christel und Iwer Dall mit „ihrem" Hardesvogt Foto: Privat

Hardesvogt Nis Henricksen

Die Geschichte führt in die Zeit der Kämpfe um König Christian II. von Dänemark. Gegen diesen hatten sich 1523 Lübeck, die Herzogtümer und Schweden vereinigt. Auch der dänische Adel hatte sich gegen Christian entschieden und Herzog Friedrich zum König gewählt. Viele Bürger und Bauern Schleswigs hielten jedoch zu Christian, weil sie von Friedrich eine Bevorzugung des Adels zu ihrem Nachteil befürchteten. Nach gewaltsamen Übergriffen von Friedrichs Kriegern gegen Apenrader Bürger rotteten sich die Unzufriedenen zusammen. Bauern aus allen Harden Nordschleswigs fanden sich 1524 auf dem alten Landestingplatz „Urnehoved“ zusammen und wollten gewaltsam Christians Rückkehr auf den Thron erzwingen. Da nahm Nis Hinrichsen, Hardesvogt der Schluxharde, der im Volk großes Ansehen genoß, das Wort und ermahnte die aufgeregten Bauern, sich mit ihrer geringen Macht nicht gegen den Herzog aufzulehnen. Nur ein Teil der Bauern ließ sich jedoch überreden. Die anderen zogen ihre Waffen und versuchten Hinrichsen zu töten. Fünf Pfeile blieben in seinem roten Mantel stecken und er entkam der wütenden Menge nur schwer verletzt. König Friedrich I. hat ihm seine Treue reich belohnt. Er hatte ihm schon das Gut Haistrup „in Feste“ übergeben, gewährte ihm die Freiheit von allen landesherrlichen Abgaben, die allgemeine Landebede ausgenommen, verschrieb ihm und seinen Nachkommen das Gut Wraagaad (1527) im Kirchspiel Buhrkall, ein „Bundenhgut“ zu Bülderup, einen Teil der Nolder Feldmark (1530) und verpachtete ihm (vor 1533) den ganzen Zoll aus der Schluxharde für jährlich 8 Mark lübsch und anderes mehr.

Quelle: „woydt.be“

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