Deutsche Minderheit

Eltern sind die besten Vorbilder für einen gesunden Umgang mit SoMe und Co.

Eltern sind die besten Vorbilder für einen gesunden Umgang mit SoMe und Co.

SoMe und Co.: Eltern sind die besten Vorbilder

Feldstedt/Felsted
Zuletzt aktualisiert um:
John Hansen hält nichts von Handyverboten. Die Kinder und Jugendliche finden andere Mittel und Wege, sich in den sozialen Medien zu bewegen. Er plädiert für den Dialog. Foto: Anke Haagensen

Diesen Artikel vorlesen lassen.

Der kriminalpräventive Koordinator der Kommune Apenrade stellte den Teilnehmenden der Schulgeneralversammlung in Feldstedt eine Frage zu ihren Handygewohnheiten und war sehr zufrieden mit der Antwort.

45 Minuten Redezeit hatte der Vorstand der Deutschen Privatschule Feldstedt kürzlich im Anschluss an die Generalversammlung John Hansen zugebilligt. Der kriminalpräventive Koordinator der Kommune Apenrade hielt sich an die Vorgabe – zumindest fast. Obwohl er sehr viel und sehr schnell sprach, um möglichst viel von seiner Botschaft an die Eltern weiterzugeben, überzog er eine Viertelstunde.

Allerdings hatte er den Eltern auch viel über die Auswirkungen der Nutzung sozialer Plattformen auf die Psyche heranwachsender Menschen zu erzählen. „Habt ihr schon von dem Begriff ,Cybermobbing‘ gehört?“, lautete seine Einstiegsfrage. Natürlich kannten die Eltern das Phänomen. 

Ein Plädoyer für den Dialog

John Hansen gab den Erwachsenen Tipps und Tricks mit an die Hand, wie man seine Kinder schützen kann, ohne gleich Verbote aussprechen zu müssen. „Glaubt mir, die Jugendlichen finden Mittel und Wege, ein Tiktok-, Snapchat- oder Instagram-Verbot zu umgehen.  Sie nutzen einfach das Handy der Freundin oder des Freunds“, sagte Hansen. Er riet stattdessen den Eltern, echtes Interesse zu zeigen, sich mal neben die Kinder aufs Bett oder aufs Sofa zu legen und sie zu fragen: „Was ist gerade so Thema bei euch?“ „Wem folgt ihr?“ „Mit wem schreibt ihr?“ „Hast du schon mal unangenehme Erlebnisse gehabt?“ Das seien gute Einstiegsfragen, um mit den eigenen Kindern ins Gespräch zu kommen, ohne gleich den Zeigefinger zu erheben. 

Auswirkungen digitaler Dauerbelastung

Eine große Angst von Eltern ist heutzutage, dass ihre Kinder Opfer von „Cybergrooming“ werden. Hier nutzen meist erwachsene Täter die Unbedarftheit Minderjähriger aus, um sich ihnen subtil anzunähern und sie dann sexuell zu belästigen oder gar zu missbrauchen. Besonders perfide sei die Masche, über Internetspiele wie das populäre Fortnite an die Kinder heranzutreten. 

Das ständige „Online-Sein“ sei weder für junge Menschen noch für Erwachsene gut. Die Folgen digitaler Dauerbelastung seien aber nicht nur Nervosität, Kopfschmerzen oder Konzentrationsstörungen in anderen Lebensbereichen, sondern können auch zu physischen Leiden oder gar Depressionen führen.

John Hansens Jacke zieren die Buchstaben SSP. Sie stehen für „Skole“ (Schule), „Socialforvaltning“ (Sozialbehörde) und „Politi“ (Polizei). Er koordiniert die kriminalpräventive Arbeit in der Kommune Apenrade. Foto: Anke Haagensen

Die Aufforderung John Hansens an die Anwesenden, spaßeshalber mal in den Einstellungen des eigenen Handys die eigene Bildschirmzeit zu kontrollieren, ergab so manches „Aha“- oder gar „Ohaueha“-Erlebnis. Bei einigen waren nur wenige Minuten registriert; bei anderen standen allein an dem Tag zwei und drei Stunden zu Buche. „Ich nutze das Handy aber auch beruflich“, lautete die Erklärung des Elternteils mit dem Spitzenwert. 

Eltern als Vorbilder

John Hansen wollte mit seiner Frage niemanden bloßstellen, sondern nur einfach zeigen, dass die Eltern mit gutem Beispiel vorangehen sollten. Wer ständig am Handy hängt, kann schlecht von seinen Kindern verlangen, dem Mobiltelefon nicht so viel Aufmerksamkeit zu widmen. „Ihr Eltern seid die wichtigsten Vorbilder für den gesunden Umgang mit Handy und sozialen Medien“, lautete die zentrale Botschaft John Hansens, der sich übrigens eine Woche vorher mit den Schülerinnen und Schülern der Klassen 4, 5 und 6 über „Insta“, Snapchat, Tiktok und Co. unterhalten hatte. 

Zurück zum „gesunden Menschenverstand“

John Hansen erläuterte den Eltern den Begriff „Bystander“. Darunter versteht man Personen, die Mobbing oder Cybermobbing beobachten und durch ihr passives Verhalten oder Nicht-Eingreifen  zum Mobbing beitragen und sogar den Mobber in dessen Handeln bestärken. „Schreitet ein. Meldet ungebührendes Handeln auf den verschiedenen Plattformen an“, lautete die Aufforderung des kriminalpräventiven Koordinators. „Lasst uns doch so etwas Altmodisches wie den ,gesunden Menschenverstand‘ wieder in unser Zusammenleben einführen“, war John Hansens abschließender Rat. 

Mehr lesen

Leserinnenbericht

Christa Kath
„‘Bewegender’ Vortrag im Fördekreis Bau“