Erziehung

DKA: Auf die Stimme der Kinder hören

DKA: Auf die Stimme der Kinder hören

DKA: Auf die Stimme der Kinder hören

Apenrade/Aabenraa
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Kinder sind neugierig und erforschen die Welt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Kindergärten Apenrade werden geschult, mehr auf die Wünsche der Jungen und Mädchen zu hören. Foto: DKA

Der Erziehungswissenschaftler und Forscher Mikki Sunesen begleitet das Projekt an den Kindergärten, bei dem zuallererst den Kindern zugehört wird. Die Kinder werden dadurch direkt an Entscheidungen beteiligt. Auch die Eltern haben dadurch Vorteile.

Micki Sonne Kaa Sunesen

Micki Sonne Kaa Sunesen ist Wissenschaftler und selbstständiger Forscher. Er ist Inhaber des Forschungslabors „Nordic Learning – Research & Education“, das sich auf die Entwicklung der pädagogischen Arbeit im breiten Spektrum spezialisiert hat.

Sunesen hält Vorträge in Dänemark, Norwegen und Deutschland und hat mehrere Artikel und Bücher zu erziehungswissenschaftlichen Themen verfasst.

Er hat eng mit UC Syd zusammengearbeitet.

Was denken Kinder? Wie erleben sie ihre Umwelt? – Das sind Fragen, die sich der Erziehungswissenschaftler Mikki Sonne Kaa Sunesen stellt. Und wem sind solche Fragen besser zu stellen, als den Kindern selbst.

Mitbestimmung schon von Kindesbeinen an

„Wir lassen die Kinder erzählen, was sie im Kindergarten und auch zu Hause gerne machen, wozu sie beispielsweise ein bestimmtes Spielgerät benutzen. Wir gehen gemeinsam auf Entdeckungsreise. Haben wir herausgefunden, womit sich die Kleinen gerne wie beschäftigen, können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Spiel- und Bewegungsangebotes aktualisieren. Wir passen den Kindergarten noch mehr an die Kinder an und lassen sie mit bestimmen, wie sie sich beschäftigen wollen“, erklärt Sunesen. Damit werde neben der Mitbestimmung das Selbstvertrauen und die Entscheidungsfreude bei den Kindern gestärkt, ist sich der Forscher sicher.

Kinder im Deutschen Kindergarten Pattburg zeigen, was ihnen Spaß macht. (Beispielbild) Foto: DKA

Die Erfahrungen können sogar Einfluss auf zeitliche Abläufe haben, wie beispielsweise den morgendlichen Erzählkreis, der zu einem anderen Zeitpunkt ausprobiert wird, wenn festgestellt wird, dass den Kindern das besser gefällt.

Qualität im Kindergarten erhöhen

DKA-Leiterin Morlyn Frenzel-Albert ergänzt: „Wenn wir das neue Wissen im Kindergarten einsetzen, merken die Kinder, dass wir ihnen zuhören. Das gibt ihnen das Gefühl, mitbestimmen zu können.“ Die Qualität unserer Arbeit in den Kindergärten verbessert sich damit, ist sich die Leiterin sicher.

Selbst bis nach zu Hause soll die neue Methode Wirkung zeigen, denn die Eltern werden in den Prozess einbezogen. Sie werden laufend informiert, was im Kindergarten passiert. „So hoffen wir, sie neugierig zu machen und sie dazu zu bringen, mitzumachen“, erklärt Frenzel-Albert, denn die Jungen und Mädchen sollen auch berichten, womit sie sich zu Hause gerne beschäftigen. „Das können sie den anderen Kindern dann zeigen. So lernen die Kleinen andere Perspektiven kennen, wenn ihre Freunde ihnen über ihr Interesse Rückmeldung geben. Sie lernen, wie andere sie sehen.“

Auch Mitarbeiter im Blick

Mikki Sunesen arbeitet nach der „Mosaik Approach“-Methode, die bisher fast ausschließlich in englischer Sprache beschrieben und wissenschaftlich ergründet wurde. Damit sind die deutschen Kindergärten in Apenrade mit die ersten in Dänemark, bei denen die „Børnemosaiker“-Methode, wissenschaftlich begleitet, eingesetzt wird.

Wissen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter was die Kinder interessiert, wird die Qualität der Arbeit verbessert. (Beispielbild aus dem Deutschen Kindergarten Rothenkrug) Foto: DKA

Frenzel Albert und Sunesen können schon jetzt merken, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die neue Methode bisher gut angenommen haben, „denn ihre Arbeit, das merken sie, wird qualitativ besser und so wird der Stolz auf die Arbeit größer“, berichtet die DKA-Leiterin.

Die DKA hat den Forscher für das Projekt „Freundschaft und Gemeinschaft“ bei einer Fortbildung, zu der Mikki Sunesen als Referent im Jahr 2019 eingeladen war, entdeckt. Dort kam die „Børnemosaik“-Methode ins Gespräch und fand bei den DKA Gehör.

„Fast alle DKA-Mitarbeiter sind in den letzten Jahren in nach dem ,International Child Development Program‘ zertifiziert worden, und eben dies konnten wir mit Sunesen und der Mosaik-Methode sehr gut verknüpfen“, erklärt Frenzel-Albert.

Coronavirus stoppte größeres Projekt

Geplant war, dass alle Kindergärten des Deutschen Schul- und Sprachvereins für Nordschleswig (DSSV) mitmachen sollten – doch dann kam das Coronavirus und setzte einen Stopper vor das Pilot-Projekt. Der Forscher durfte nicht mehr in die Institutionen kommen. Das machte es sehr schwierig.

Doch ganz verzichten wollte Morlyn Frenzel Albert nicht. Deshalb wurde die „kleine Lösung“ gefunden, bei der nun „nur“ die Institutionen der DKA mitmachen und die Methode mehr und mehr in der Praxis einsetzen.

Doch die DKA-Leiterin ist zuversichtlich, dass „Mosaik Approach“ auch in den anderen DSSV-Kindergärten Einzug halten wird. „Die DSSV-Konsulentin Maike Minor hat sich schon informieren lassen und zeigt großes Interesse daran.“

Im Sommer soll das halbjährige Projekt mit einer großen Präsentation abgeschlossen werden.

„Mosaik Approach“ – „Børnemosaik“

Die Methode „Mosaik Approach“ basiert auf dem Einsammeln von Daten und Informationen über verschiedene Methoden. Deshalb kommt hier der Begriff „Mosaik“ ins Spiel. Die Informationen werden mit verschiedenen Methoden (z. B. Video, Interview, Bilder) gesammelt und dann wie ein Mosaik, zu einem Ganzen zusammengefügt.

Besonders bei der Arbeit mit Kindern ist die Forschungsmethode von Vorteil, denn so können mehr Informationen zusammengetragen werden. Üblicherweise werden zum Beispiel Interviews durchgeführt. Bei Kindern bis zum Alter von fünf Jahren ist das jedoch schwierig. Ihnen fehlen die sprachlichen Werkzeuge. Deshalb werden zwar weiterhin Interviews mit ihnen gemacht, sie beschränken sich jedoch auf sehr kurze Gesprächssequenzen.

Zudem nimmt die Untersuchungsmethode Ausgang in den persönlichen Erlebnissen und Einschätzungen der Kinder und es werden Dokumentationsmittel wie Fotos und Videos eingesetzt. Dabei ist es besonders gut möglich, Emotionen darzustellen und zu verstehen.

Die Methode wurde gemeinsam von den englischen Erziehungswissenschaftlern A. Clark und P. Moss entwickelt (Clark, A., and Moss, P. (2011). Listening to young children: The mosaic approach (Second edition.), London: National Children’s Bureau). Inzwoischen gibt es jedoch schon Literatur unter anderem in deutscher und dänischer Sprache

Ein Beispiel aus der Praxis:

Ein Junge, der von den „kleinen“ zu den „großen“ Kindern gewechselt hatte, sollte mit einer Kamera durch den Kindergarten gehen und Fotos von den Sachen machen, die er lustig findet, die ihm Spaß machen. Er ging in Richtung seiner „alten“ Kindergruppe, um dort Fotos zu machen. Den Pädagogen war nicht bewusst, dass der Junge noch immer eine so große Anknüpfung zu seiner früheren Gruppe hat.

Solche Erfahrungen „aus Kinderperspektive“ fließen dann in die pädagogische Arbeit ein.

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