LHN-Generalversammlung

Klima: „Wer die Debatte nicht ernst nimmt, wird verlieren“

Klima: „Wer die Debatte nicht ernst nimmt, wird verlieren“

Klima: „Wer die Debatte nicht ernst nimmt, wird verlieren“

Nordschleswig/Sønderjylland
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Der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Nordschleswig, Jørgen Popp Petersen (links), begrüßte am Dienstagabend seine Mitglieder in Tingleff. Das Image der Landwirtschaft sei jeden Tag ein harter Kampf, meint er. Foto: Gwyn Nissen

Landwirte stellen die Klimaveränderungen und Wetterextreme nicht infrage, sagt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Nordschleswig, Jørgen Popp Petersen.

Der Bedarf an Öffentlichkeitsarbeit wird für die Landwirtschaft nicht geringer – im Gegenteil, meint Jørgen Popp Petersen, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Nordschleswig. In seinem Jahresbericht Dienstagabend in Tingleff pflichtete der Vorsitzende den Mitgliedern bei, dass alle eine Verantwortung hätten, sich auch außerhalb der engsten Nachbarschaft für das Image der Landwirtschaft einzusetzen.

Die Akzeptanz der Bevölkerung sei weiterhin eine Voraussetzung für die Landwirtschaft, ihre Arbeit ausrichten zu können, meint Popp Petersen: „Glücklicherweise sehen aktuelle Umfragen für uns gut aus. Dafür muss aber jeden Tag hart gearbeitet werden. Die Natur und die Tierproduktion sind mit sehr vielen Emotionen, Gefühlen und ethischen Fragen und Meinungen verbunden. Nebenbei ist es für uns gleichzeitig hartes Business.“

Die Landwirtschaft werde aber nie allen Haltungen und Meinungen gerecht werden können, so der LHN-Vorsitzende. „Landwirtschaft ist mit Kompromissen verbunden, so wie das Leben auch.“

Nähe zwischen Landwirtschaft und Verbraucher stärken

Da es schwieriger werde, Landwirte für eine Veranstaltung wie „Åbent Landbrug“ (Tag der offenen Landwirtschaft) zu gewinnen, schlug Popp Petersen neue image- und öffentlichkeitswirksame Maßnahmen vor: „Warum nicht zu ganz gewöhnlichen Feldwanderungen nicht auch Landwirte einladen? Ich glaube, es würde viele interessieren“, sagte Popp und erwähnte auch die Trecker- und Mitfahrzentrale der Bloggerin Julia Nissen aus Dithmarschen, bei der Kontakte zwischen Landwirten und Kindern geknüpft wurden.

Überhaupt müsse sich die Landwirtschaft an neue Zeiten gewöhnen. Das zeigen nachhaltige Trends: In Asien leben viele überwiegend vegan, würden aber gerne mehr Fleisch essen – im Westen sei es umgekehrt. Heute sind trotz großer Skepsis Pflanzengetränke auf dem Markt, und in Horsens produziert Lasse Hinrichsen aus Bülderup-Bau vielleicht die Proteine der Zukunft, nämlich Insekten.

Generalversammlung des Landwirtschaftlichen Hauptvereins in Tingleff. Foto: Gwyn Nissen

Klimaänderungen sind Fakt

Das gilt auch für die Klimadebatte. „Wer die Debatte nicht ernst nimmt, wird verlieren“, sagte Jørgen Popp Petersen. „Wetterextreme und Klimaänderungen sind Fakt und werden von Landwirten nicht infrage gestellt.“

Auch die beiden großen dänischen Lebensmittelproduzenten, Arla und Danish Crown, hätten ambitionierte Klimaziele. „Ich denke, dass es richtig ist“, meint der LHN-Vorsitzende. „Wir nehmen unseren Kritikern damit die Argumente.“

Die Veränderungen würden auch Chancen für die dänischen Landwirte mit sich führen. Aufgrund des Klimawandels verlängert sich die Vegetationsperiode im Norden mit einem halben Tag pro Jahr. In anderen Teilen der Welt verringert sich dagegen die Landwirtschaftsproduktion – durch den Ausbau der Städte, wegen Wassermangels oder verschlechterten Anbau-Bedingungen. Dies stärke die Position Nordeuropas als Speisekammer der Welt, meint der Landwirt aus Nordschleswig.

Seenlandschaften statt Felder

Die Herausforderungen des Klimawandels seien allerdings auch in diesen Tagen deutlich zu sehen: Vielerorts ähneln die Felder ganzen Seenlandschaften.

„Es ist eine Forderung unsererseits, dass sich die Behörden auf die zukünftigen Verhältnisse vorbereiten“, sagte Popp Petersen. Land-Eigentümer seien selbst in der Pflicht, aber die öffentliche Hand müsse bei der Wasserableitung auch mehr Verantwortung übernehmen.“

Er forderte ebenfalls dazu auf, bei neuen Eingriffen und Regulierungen der Landwirtschaft jedes Mal einen Klima-Check zu machen: „Es nützt nichts, ausschließlich auf Minimierung und Verlust von Nitrat und Nährstoffe zu fokussieren, wenn es dafür zu höheren CO2-Ausstößen kommt."

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