Grenzland

Feuerwehrleute aus Ellund und Pattburg üben gemeinsam

Feuerwehrleute aus Ellund und Pattburg üben gemeinsam

Feuerwehrleute aus Ellund und Pattburg üben gemeinsam

Benjamin Nolte/shz.de
Pattburg/Ellund
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Bei der gemeinsamen Übung der Feuerwehren Ellund und Pattburg geht es um Kommunikation und Informationen über technische Ausstattung. Foto: Benjamin Nolte/shz.de

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Die Freiwillige Feuerwehr Ellund trainiert mit den Kameraden aus Pattburg einen gemeinsamen Einsatz nach einer Explosion.

Seit vielen Jahren unterstützen sich Feuerwehren aus Deutschland und Dänemark in der Grenzregion bei größeren Einsätzen. Diese grenzübergreifende Zusammenarbeit ist kontinuierlich angewachsen. Corona sorgte für eine lange Zwangspause. „Wir sind sehr froh, dass es nun wieder losgeht“, freut sich Richard Andersen, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Ellund. „Gemeinsam mit der Feuerwehr Pattburg (Padborg) konnten wir in dieser Woche auf dem Gelände der Gasverdichterstation in Ellund üben.“ 

Keine Sprachbarrieren bei den Kameraden

Angenommen wurde eine Explosion in einer der Werkshallen. Zwei Menschen galten als vermisst. Deutsche und dänische Einsatzkräfte begannen, die Lage gemeinsam zu bewältigen. In enger Abstimmung teilten die Einsatzleiter beider Länder ihre Angriffstrupps ein. „Sprachliche Barrieren gibt es zwischen uns und den Kameraden aus Pattburg nicht“, erklärt Andersen, „gerade hier in der Grenzregion sprechen viele Dänen deutsch und auch von unseren Kameraden kann der ein oder andere dänisch.“ 

Dänisches Fahrzeug hat mehr Wasser an Bord

Schnell werden bei dieser Übung Unterschiede zwischen Deutschland und Dänemark deutlich. Während sich die deutschen Einsatzkräfte neben einem ersten Löschangriff zunächst um den Aufbau einer Wasserversorgung kümmern müssen, da die Tankinhalte der Löschfahrzeuge nur für wenige Minuten ausreichend Wasser liefern, legen die Dänen sofort los.

Ihr Vorteil: ein gewaltiges Tanklöschfahrzeug mit rund 20.000 Litern Wasser an Bord. „Derartige Tanker werden in Dänemark flächendeckend eingesetzt“, so Andersen. „Bei unseren Nachbarn gibt es kein umfangreiches Hydrantennetz wie bei uns, man setzt insbesondere in dünn besiedelten Gebieten auf die Zuführung des Wassers mit großen Tankern.“ Auch bei größeren Bränden funktioniert es. Dann werden mehrere große Tankfahrzeuge von diversen Feuerwehren angefordert, die Löschwasser an die Einsatzstelle bringen.

Pattburg nicht in der automatischen Alarmordnung

Ein Vorteil, der auch den deutschen Feuerwehren im Grenzgebiet zugutekommt. Sowohl im Kreis Schleswig-Flensburg, wie auch im Kreis Nordfriesland unterstützten dänische Einsatzkräfte in den vergangenen Jahren immer wieder bei größeren Bränden. „Gerade bei Flächen- oder Waldbränden wird schnell viel Wasser an der Einsatzstelle benötigt“, so Andersen, „mitunter werden kilometerlange Schlauchleitungen notwendig. Da helfen wasserführende Fahrzeuge, besonders die aus Dänemark, enorm.“ Automatisch in der Alarm- und Ausrückordnung hinterlegt sind die dänischen Wehren in der Grenzregion nicht. „Im Einsatzfall lasse ich unsere Kollegen aus Pattburg dann über die Leitstelle nachfordern“, sagt Andersen.

Die Explosion in einer Halle auf dem Gelände der Gasverdichterstation ist nur eine Übung, doch im Ernstfall sei es wichtig, dass sich Einsatzkräfte beider Seiten auch im Nachbarland zurechtfinden und zusammen Einsatzlagen bewältigen können. „Feuer kennt keine Grenzen“, bringt es Richard Andersen auf den Punkt, „wir sind Nachbarn und da ist es selbstverständlich, dass man sich im Ernstfall hilft.“

Kommunikation und Technik

Diese grenzüberschreitende Hilfe zu üben schafft Sicherheit. Welche Einsatzmittel gibt es im jeweiligen Nachbarland, wie kann man miteinander kommunizieren, welche Technik gibt es und was wird wann eingesetzt? Alles Informationen, die helfen, wenn es darauf ankommt. 

Was in den vergangenen Jahren aufgrund der Pandemie eingeschlafen ist oder gar nicht möglich war, soll nun wieder neu belebt werden. „Wir planen jetzt wieder regelmäßig mit den dänischen Kollegen zu üben“, so Andersen. „Eigentlich hätte bei der Übung in Ellund auch die neu gegründete dänischen Drohnenstaffel MEK dabei sein sollen, diese mussten allerdings auf der Anfahrt zu einem Realeinsatz nach Hadersleben.“ 

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Doppelter Wechsel auf dänischer Seite“